Klimapolitik Trumps Werk der Zerstörung

Tiefpumpen in Kalifornien.

(Foto: picture alliance / AP Photo)

Die Welt kann den Ausstieg der USA aus dem Klimavertrag eine Zeit lang verkraften. Langfristig wären die Folgen aber fatal.

Kommentar von Michael Bauchmüller

Sonderlich weit ist Donald Trump bei seinen Angriffen auf die Klimapolitik noch nicht gekommen. Nicht nur Amerika, sondern auch die Kohle will er wieder groß machen. Doch just die Kohlekonzerne wollen davon nicht viel wissen: Ihre Großkunden, Firmen wie Microsoft, General Motors oder Google, kaufen lieber grünen Strom. König Kohle steht in schlechtem Ruf, auch in den USA. Die geplante Lockerung von Umweltauflagen wird daran nichts mehr ändern.

Trump stört das anscheinend nicht. Derzeit sieht vieles danach aus, als würde der US-Präsident den Klimavertrag von Paris tatsächlich aufkündigen. Entgegen aller Warnungen. Die Staatengemeinschaft wird er damit allerdings nicht spalten. Im Gegenteil: Er schweißt sie zusammen: Beim Siebener-Gipfel auf Sizilien standen im Klimaschutz sechs Staaten gegen die USA, ein einmaliger Vorgang. Die sechs scheinen sich sicher zu sein: Klimaschutz ist unantastbar. Wenn Trump das nicht einsieht, dann geht es halt ohne ihn.

Hinter der Entschlossenheit dieser G 6 steht die gleiche Dynamik, die auch eine Renaissance der US-Kohle zu verhindern scheint. Neue, günstigere Technologien sollen sich durchsetzen und die Fossilenergie verdrängen. Hört man dieser Tage so manchen Staatenlenker oder Umweltminister, dann wirkt der Klimaschutz schon fast wie ein Selbstläufer. Immer billiger werde die grüne Energie, immer leichter falle deren Speicherung. Schon biegt die Revolution auf vier Rädern um die Ecke, das Elektroauto. Betrieben wird es natürlich mit Ökostrom.

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Doch, leider, leider: Grau ist alle Praxis. Auch im Jahr 2017 ist Öl der wichtigste Brennstoff, gefolgt von der Kohle. Will die Welt den Klimawandel eindämmen, wird sie entweder ihren Energieverbrauch rapide drosseln müssen (trotz wachsender Weltbevölkerung) oder aber Kohle, Öl und Gas durch saubere Energie ersetzen müssen. Genau darauf zielt das Abkommen von Paris. Allerdings ist noch nicht jede Nebenwirkung durchbuchstabiert: Was etwa passiert mit der fossilen Energie, wenn die grüne übernimmt?

Trump schadet dem Klima, weil er die Marktgesetze missbraucht

Nach allen Regeln der Ökonomie wird es auf dem Weg von der einen zur anderen Quelle ein massives Überangebot geben. Was aber ein fallender Ölpreis etwa für den Spritverbrauch bedeutet, lässt sich in den Statistiken der Industriestaaten eindrucksvoll nachlesen: Er steigert den Durst. Der Klimaschutz ist eben kein Selbstläufer. Er verlangt mutige Politik.

Hier genau beginnt Trumps Zerstörungswerk. Eine Amtszeit eines Klimaobstrukteurs im Weißen Haus kann die Klimapolitik wegstecken. Weder wird er die Dynamik erneuerbarer Alternativen ausbremsen, noch wird er dem Klimaabkommen irreparablen Schaden zufügen. Danach aber wird es eng.

Denn um nicht in die Falle der fossilen Überschüsse zu laufen, werden die Staaten zwingend einen Aufpreis auf Kohlenstoffe erheben müssen. Nur so lässt sich verhindern, dass ein Preissturz der alten Energie den Siegeszug der neuen untergräbt. Wirken wird der Aufpreis aber nur, wenn er bei allen Klimasündern gleichermaßen gilt, bei Europäern wie Japanern, Amerikanern wie Chinesen. Soll der Übergang von der einen zur anderen Energiequelle planvoll ablaufen, wird so ein Preis schon bald die Wende flankieren müssen.

Amerika tankt und produziert billig, der Rest der Welt teuer

Was Donald Trump am Klimaschutz bekümmert, sind die Jobs. Für die Gegenwart betrachtet, ist das blanker Unsinn. Auch in den USA entstehen mehr Arbeitsplätze durch grüne Energie und deren kluge Vernetzung, als Kohleminen je wieder bieten können. Auf lange Sicht aber winkt einem Klimaaußenseiter ein Wettbewerbsvorteil durch billiges Öl und Gas. Amerika tankt und produziert billig, der Rest der Welt teuer.

Doch diesen Vorteil werden die USA nie kassieren, vorher greift ein anderes Gesetz der Klimapolitik: Auch andere Staaten werden auf eine Bepreisung fossiler Energie verzichten. Jene fatale Dynamik des Unterlassens käme wieder in Gang, die Trumps Vorgänger Obama und sein chinesischer Amtskollege Xi so mühsam beendet hatten. Der Klimavertrag von Paris? Er würde wirkungslos, eine kurze Episode auf dem Weg ins Chaos einer viel zu heißen Welt. So hätte Trump in der Klimapolitik doch noch Geschichte geschrieben: als einer, der aus reinem Egoismus für alle anderen die Hoffnung zerschlug.

Gerade deshalb ist die Geschlossenheit so wichtig, wie sie die sechs auf Sizilien demonstrierten. Gerade deshalb ist es aber auch so fatal, dass Trump den Klimavertrag nun aller Voraussicht nach aufkündigen will. Sein Nachfolger könnte Schwierigkeiten bekommen, ihm noch einmal so hemdsärmelig beizutreten wie einst Obama. Soll der Vertrag die globale Wende weg von der Kohlenstoff-Wirtschaft vollenden, wird er nicht dauerhaft ohne die größte Ökonomie und den zweitgrößten Emittenten auskommen.

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