Ungleichheit in Deutschland Chancengleichheit ist der Schlüssel zum Erfolg, nicht Umverteilung

Die Entwicklung ist auch nicht Folge einer gnadenlosen Politik für Reiche, sondern erklärt sich durch die Globalisierung, die technische und wirtschaftliche Entwicklung und andere Faktoren - genau das macht es so schwer, den Trend zu wenden. Es hilft den vielen Armen nicht, den vergleichsweise wenigen Reichen stärker zu Leibe zu rücken. Ohnehin findet in Deutschland über das Steuer- und Sozialsystem bereits eine gewaltige Umverteilung statt, von deren Ausmaß Sozialreformer in den USA und anderen Ländern nur träumen können.

Deswegen wäre es so wichtig, sich hier nicht zu verzetteln, sondern sich lieber dem dritten Bereich zuzuwenden: der Chancengleichheit, um die es in Deutschland tatsächlich deutlich schlechter bestellt ist als in vergleichbaren Industriestaaten. Und sie ist nun wirklich ungerecht: Aus der Schicht, in die man geboren wird, gibt es kaum ein Entkommen.

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Mehr investieren, um Zuwanderung zum Erfolg zu machen

Das hat viele Gründe, zum Beispiel ein zu wenig durchlässiges Schulsystem und eine unzureichende Förderung der frühkindlichen Prägung. Das alles ist seit Jahren bekannt, aber nicht wirklich bekämpft. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Bildung sogar einmal zur Chefsache gemacht hat, bevor Euro- und jetzt Flüchtlingskrise dazwischenkamen.

Übrigens: Erst recht, wer die Zuwanderung zu einem Erfolg machen will, wer es - mit der Kanzlerin gesprochen - "schaffen" will, der muss hier investieren und zwar viel mehr, als bisher investiert wird. Man kann das sehr konkret machen, kann über den Kita-Ausbau reden, über mehr Lehrer und Erzieher, die deutlich besser bezahlt werden müssen, über bessere Schulen und Förderprogramme in ärmeren Stadtvierteln.

Hierfür zu kämpfen, ist zielführender als zähe Debatten über die Wiedererhebung der Vermögensteuer, die unendlich bürokratisch ist und geringe Erträge bringt, über höhere Erbschaftsteuern, die Familienbande gering schätzen, oder über die Anhebung des Spitzensteuersatzes, der wegen des Steuersystems doch wieder vor allem die Mittelschicht trifft.

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