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Kommentar:Väter in die Teilzeit

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Wenn der Vater mehr zu Hause bleibt und sich um das Kind kümmert, bleibt der Mutter mehr Zeit, sich um ihre Karriere zu kümmern.

(Foto: Rachel Annie Bell/imago images/Cavan Images)

Viele Nachteile von Frauen im Beruf ließen sich ausgleichen - wenn mehr Väter in Teilzeit gingen und Unternehmen sowie Politik die Voraussetzungen dafür schüfen, dass dies einfacher möglich wird.

Von Elisa von Grafenstein

Frauen verdienen weniger, sie sind deutlich stärker von Altersarmut betroffen als Männer, sie sind auf der Führungsebene unterrepräsentiert. All das ist hinlänglich bekannt, eine der Hauptursachen ebenso: Frauen arbeiten viel und lange in Teilzeit, das gilt besonders für Mütter. Die Lösung liegt nahe: Auch Väter sollten ihre Arbeitszeit zugunsten der Familie kürzen, sodass ihre Partnerinnen aufstocken können. Und zwar nicht nur für ein paar Monate, sondern für Jahre.

Denn der Betreuungsbedarf eines Kindes endet nicht nach 14 Monaten Elterngeld. Er endet auch nicht nach drei Jahren Elternzeit. Es folgen danach Jahre - vielmehr ein gutes Jahrzehnt -, in denen eine Vollzeit-Vollzeit-Lösung oft nicht möglich ist. Etwa weil es die nötige Betreuung nicht gibt: Die Zahl der fehlenden Kita-Plätze steigt, nicht wenige Einrichtungen schließen schon nachmittags. Ein Babysitter nach der Kita ist für viele Paare aber zu teuer. Und dann sind da noch die Kinder selbst: Die jemanden brauchen, der ihnen bei den Hausaufgaben hilft. Die gern den Papa dahätten, wenn sie krank sind. Und die sich freuen, wenn die Mama mal nachmittags beim Fußballspiel zum Anfeuern kommt.

Diese Aufgaben übernehmen bisher vor allem Frauen. Gerade einmal fünf Prozent der Väter arbeiten einer Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) zufolge in Teilzeit, bei den Müttern sind es 72 Prozent. Noch schlimmer: Väter kürzen sogar seltener ihre Arbeitszeit als Männer ohne Kinder - da sind es immerhin elf Prozent. Und so erleben vor allem Frauen täglich die Nachteile der sogenannten Vereinbarkeit: das Gehetze zwischen Kita und Arbeitsplatz, Supermarkt und Kinderturnen, die Powerpoint-Präsentation, die liegen bleiben muss, obwohl die Kollegen sehnlichst darauf warten, das gönnerhafte "Na, schon Feierabend?" im Aufzug. All das kennen viele Väter nicht, die sich für ein paar Monate in die Babypause verabschieden, um danach direkt in die Vollzeit zurückzukehren.

Das muss sich dringend ändern. Wenn auch Väter zugunsten der Familie ihre Arbeitszeit reduzieren, profitieren alle: Kinder, Eltern, aber auch Arbeitgeber und Gesellschaft. Laut Studien erwarten junge Männer von einem guten Vater vor allem eines: dass er so viel Zeit wie möglich mit der Familie verbringt. Und viele fänden eine vollzeitnahe Teilzeit attraktiv, sagen sie. Na dann, Väter: Ab in die Teilzeit! Die Mutter wiederum kann so ihre Arbeitszeit aufstocken. Sie sichert sich ihren Arbeitsplatz, verbessert ihre Karrierechancen, sorgt für das Alter vor und ist finanziell eigenständig.

Arbeitgeber und Politik müssen die Voraussetzungen dafür schaffen, dass mehr Väter in Teilzeit gehen. Brückenteilzeit sowie Elterngeldplus und Partnerschaftsmonate, die Teilzeit in der Elternzeit fördern, gehen in die richtige Richtung. Denn Väter, die in der Elternzeit fürs Kind sorgen, übernehmen auch später mehr Verantwortung daheim. Doch der lange Zeitraum danach muss stärker in den Fokus rücken. Mögliche Maßnahmen sind etwa ein Ende des Ehegattensplittings, das den besser verdienenden Partner begünstigt, oder die Förderung einer gleichmäßig aufgeteilten Familienarbeitszeit. Arbeitgeber sollten Teilzeit attraktiver machen, etwa indem sie Beförderungskriterien anpassen, Arbeitszeiten flexibler gestalten, Chefposten in Teilzeit möglich machen. Auch der weitere Ausbau der Kinderbetreuung ist wichtig, um Eltern zumindest die Wahl zu lassen, wie viel sie arbeiten möchten.

Nicht zuletzt aber liegt es in der Verantwortung der Eltern selbst, unbezahlte "Care-Arbeit" und Erwerbsarbeit gerechter zu verteilen. Väter machen es sich zu einfach, wenn sie als Gründe dafür das Geld, die Karriere oder die Wünsche der Mutter nennen. Klar: Väter fürchten Nachteile im Beruf, aber das tun Mütter auch. Und ja, ein Familienmodell, in dem beide Eltern Teilzeit arbeiten, sagen wir 80 bis 90 Prozent, kann ein Loch in die Haushaltskasse reißen. Das ist insbesondere für Paare ein Problem, die wenig oder sehr unterschiedlich verdienen. Doch ein Teil der Verluste würde dadurch ausgeglichen, dass die Partnerin mehr verdient. Trotzdem entscheiden sich laut dem "Monitor Familienforschung" lediglich vier Prozent für so ein Modell.

Als Grund für ihre kurze Elternzeit nennen Väter auch oft den Wunsch der Mutter, das Kind oder die Kinder zu betreuen. Nun, die ein oder andere Mutter würde sicherlich gern ein paar Stunden mehr arbeiten - wenn sie den Nachwuchs in den besten Händen wüsste. Notfalls muss sie das auch klar einfordern.

Erst wenn sich mehr Väter für Teilzeit entscheiden, wird das zur Normalität.

© SZ
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