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Kommentar:Mehr Tempo

Banken und Sparkassen hinken bei Innovationen noch immer hinterher. Wollen sie das ändern, müssen sie sich mehr von Fintechs abschauen.

Manchmal braucht es etwas länger, bis man begreift, dass man zu spät dran war. Das Internet nahmen anfangs viele nicht ernst, den Online-Buchhandel Amazon ebenso nicht. Eine solche Fehleinschätzung hat so manchen das Geschäftsmodell gekostet, und eigentlich sollte man denken, dass Unternehmen daraus gelernt hätten. Und doch hat man bei den Banken den Eindruck, dass sie gerade drauf und dran sind, in die gleiche Falle zu tappen wie einige Buchhändler.

Das aktuelleste Beispiel: Echtzeitüberweisungen. Bisher hat der Transfer von Bank A zu Bank B mitunter Tage gedauert. Künftig soll das in Sekundenschnelle passieren - vorausgesetzt, die beteiligten Banken bieten den Service an. Seit einigen Tagen nun können in Deutschland rund 40 Millionen Sparkassen-Kunden die Blitzüberweisung nutzen. Und tatsächlich ist die Gruppe damit ein Vorreiter unter den Geldhäusern in Europa. Bloß: Die gleiche Idee hatte eine andere Firma bereits vor fast zwanzig Jahren, wir kennen sie heute unter dem Namen Paypal. Die Banken sind mit der Umsetzung schlappe zwei Jahrzehnte später dran.

Das wirft ein Schlaglicht auf ein generelles Problem: Die Geldhäuser hinken viel zu oft hinterher, wenn es um Innovation geht.

Das führt nicht unmittelbar und sofort in die Pleite. Wohl aber dazu, dass große Tech-Konzerne und Finanz-Start-ups immer mehr Nischen und neue Geschäftszweige besetzen. Sie sind es, die die etablierten Geldhäuser vor sich hertreiben. Sie bestimmen das Tempo der Innovation. Die Banken reagieren lediglich. Es wäre ratsam, dass sie sich noch mehr von den Finanz-Start-ups abschauen. Denn sonst haben sie spätestens dann ein Problem, wenn die "anderen" keine kleinen Fintechs mehr sind, sondern Tech-Giganten wie Google oder Amazon.

Die Echtzeitüberweisung ist nur eines von vielen Beispielen und zeigt doch wie unter einem Brennglas, wie zäh Innovationen bislang vorankommen. Denn theoretisch können Banken den Service bereits seit 2017 anbieten. Seitdem gibt es den europäischen Standard, der besagt, dass das Geld in zehn Sekunden verschickt werden soll, rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr. Umgesetzt hatten das bis vergangene Woche 22 Institute in ganz Europa. Diese Woche nun sind immerhin einige Hundert Sparkassen dazugekommen. Die meisten von ihnen werden den Service allerdings nicht umsonst anbieten, sondern dafür teils saftige Gebühren verlangen. Und hier zeigt sich das zweite Problem der Geldhäuser: Sie denken zu kurzfristig.

Natürlich müssen sie die Kosten für die neue Infrastruktur wieder reinholen. Doch ein neues Produkt zu bepreisen, wird nicht gerade viele Kunden anlocken. Unter solchen Umständen wird sich kaum ein Kunde finden, der das neue Produkt gerne und häufig nutzt. Das ist schade, denn es könnte der Grundstein für neue Produkte sein, etwa für schnelle Handy-zu-Handy-Zahlungen. Auch, wer seinem Kind schnell Geld aufs Konto überweisen will, hätte damit eine komfortable Möglichkeit. Mit solchen Vorteilen könnte man langfristig Kunden gewinnen und an sich binden. Wer für solch einen Service jedoch horrende Preise verlangt, schreckt hingegen ab.

Banken haben zwei Probleme: Sie sind zu langsam und denken oft zu kurzfristig

Wäre es nur das eine Projekt, dass so behäbig läuft, man würde es wohl verschmerzen. Doch die Liste der verpassten Innovationen bei Banken ist lang. Ein anderes Paradebeispiel ist Paydirekt, der Paypal-Klon der Deutschen Kreditwirtschaft, der bis heute nicht wirklich angelaufen ist.

Stattdessen sind manche Fintechs so erfolgreich geworden, dass sie den Banken in einzelnen Bereichen bald den Rang ablaufen könnten: Scalable, der größte Robo-Advisor in Deutschland etwa, ist nicht aus der Entwicklungsabteilung einer Bank entstanden, sondern aus einem Start-up. Die Vorteile der kleinen Angreifer sind, dass sie agil in ihrer Arbeitsweise sind und keine langwierigen Entscheidungsprozesse einhalten müssen.

Würden die Banken Innovationen so schnell umsetzen wie Fintechs, würde das auch Kunden freuen. Denn ihnen ist es egal, woher die Innovation kommt, solange sie denn bequem ist. Den Vorsprung, den die Banken zurzeit noch haben, sollten sie also dringend nutzen. Dann haben sie eine echte Chance, auch in Zukunft eine Rolle zu spielen.