Kommentar Globalisierung à la Peking

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Es knirscht in den Wirtschaftsbeziehungen zwischen USA und China. Doch Strafzölle sind kein Konzept. Denn die Chinesen wachsen und investieren in viele Branchen.

Von Christoph Giesen

Donald Trump nimmt es mit der Wahrheit oft nicht sehr genau: Kaum eine Rede im Wahlkampf, in der er nicht auf China eindrosch. Und das mit einem aberwitzigen Argument: Peking manipuliere seine Währung. Der Yuan, ein Kunstprodukt, viel zu schwach, behauptete er stets. Vor zehn Jahren mag das gestimmt haben. Heute ist es Humbug: Seit 2014 hat die chinesische Führung fast eine Billion Dollar an Währungsreserven einsetzen müssen, um den Yuan mit Mühe stabil zu halten.

In einem Punkt haben der US-Präsident und seine Berater jedoch recht. Es knirscht in den Wirtschaftsbeziehungen mit der Volksrepublik. Das Problem ist nicht die Währung, sondern der Protektionismus in China. Kaum ein Land ist wirtschaftlich so abgeschottet. Viele ausländische Unternehmen müssen noch immer mit chinesischen Partnern zusammenarbeiten. Firmenübernahmen sind nahezu ausgeschlossen. Chinas Staatskonzernen stehen hingegen die Märkte offen. Gegen diese Unwucht geht Washington nun vor - ausgerechnet Donald Trump.

Wenige Tage bevor er im Januar seine Anhänger auf "America First" einschwor, trat Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping in den Schweizer Bergen vor die versammelte Weltwirtschaft. Es war die Rede, die alle hören wollten. Ein Hoch auf den Freihandel! Dabei will sich China unter Xi überhaupt nicht öffnen. Mehr Staat und vor allem mehr Partei, das ist die Realität. In den neuen Statuten für Chinas Staatsbahn ist zum Beispiel dieser Satz verankert: "Wenn der Vorstand über materielle Fragen entscheidet, dann muss er zunächst die Stellungnahmen des Parteikomitees der Firma anhören." Ratschläge, die man wohl besser nicht ignorieren sollte. Ähnliche Formulierungen finden sich inzwischen bei mehr als 30 Konzernen, allesamt sind sie an der Börse in Hongkong gelistet. In Peking hat man eine genaue Vorstellung, wie die Globalisierung chinesischer Prägung aussehen soll. Um es auf eine Formel zu bringen, die selbst der US-Präsident versteht: Der Plan heißt "China First". Angepackt werden soll das vor allem mit zwei Großinitiativen. Da ist zum einen "One Belt and One Road" - abgekürzt Obor. Finanziert von chinesischen Staatsbanken sollen überall auf der Welt Infrastrukturprojekte gestemmt werden. Neue Flughäfen, neue Straßen, neue Gleise. Alle Wege führen dann nach Peking. Ausschreibungen? Sind nicht so wichtig. Chinesischer Stahl, chinesischer Zement, chinesisches Aluminium sollen verbaut werden. Chinesische Kraftwerke entstehen, chinesische Schnellzüge rollen. Und was passiert, wenn ein Land seine Schulden nicht tilgen kann? In Sri Lanka gehört nun ein Hafen für etliche Jahre einem chinesischen Unternehmen. Die zweite Initiative heißt "Made in China 2025". Zehn Branchen haben sich die Wirtschaftsplaner in Peking ausgeguckt. Elektromobilität, Medizintechnik, die Chip-Industrie. Überall sollen chinesische Firmen bald führend sein. Eine Kampfansage an die etablierten Unternehmen. Hunderte Milliarden Dollar stehen bereit. Der Kaufrausch im vergangenen Jahr war womöglich nur der Anfang. Das Problem hat man in Washington erkannt. Bleibt zu hoffen, dass Trump und seine Leute nicht die falschen Schlüsse daraus ziehen, und wie angedroht die Zugbrücke hochklappen. Strafzölle einführen und wieder selbst Stahl kochen, das ist kein Konzept, sondern führt unweigerlich zu einem Wirtschaftskrieg, der den Freihandel womöglich beendet, so wie wir ihn heute kennen. Eine eigene China-Strategie entwickeln - das ist das Gebot der Stunde. In den USA, aber auch in Europa.