Elektromobilität:Prämien für E-Autos sollten nicht so schnell sinken

Lesezeit: 3 min

Elektromobilität: Ladesäule in Kiel: Manche Autofahrer würden sich gerne ein Elektroauto kaufen, aber zögern, weil die nötige Infrastruktur fehlt.

Ladesäule in Kiel: Manche Autofahrer würden sich gerne ein Elektroauto kaufen, aber zögern, weil die nötige Infrastruktur fehlt.

(Foto: Frank Molter/dpa)

Die Reform der Absatzförderung hat ein paar gute Ansätze. Doch sie kommt zum falschen Zeitpunkt. Sie wird dazu führen, dass noch mehr Autofahrer den Umstieg auf Elektro scheuen werden.

Kommentar von Christina Kunkel

Es gibt da immer noch dieses Ziel: 15 Millionen Elektroautos sollen im Jahr 2030 auf Deutschlands Straßen fahren. Dann wäre zwar immer noch ein Großteil der Fahrzeuge mit Diesel- oder Benzinmotor unterwegs (aktuell liegt der Bestand bei 48 Millionen), aber immerhin ein großer Schritt in Richtung klimafreundliche Mobilität getan. Acht Jahre, das ist viel Zeit, könnte man meinen. Und immerhin hat der Staat schon einige Milliarden Euro an Förderung an Elektroautofahrer ausgeschüttet. Irgendwann muss sie von alleine fliegen, die schöne, neue Öko-Mobilität.

Doch ein Blick auf die Zahlen zeigt: Es bräuchte einen Raketenschub, um nur annähernd die 15 Millionen zu schaffen. Dazu müsste bei jährlichen Neuzulassungen von zuletzt 2,6 Millionen Fahrzeugen schon bald fast jedes neue Auto vollelektrisch sein. Die Annahme, dass die Preise für E-Autos bald sinken, könnte durch die gestiegenen Rohstoffpreise zunichtegemacht werden. Der Anreiz zum schnellen Umstieg auf Elektroantrieb wird zudem durch Steuersenkungen auf Sprit wie den Tankrabatt oder das weiterhin gültige Dieselprivileg torpediert. Allein durch Letzteres entgehen dem Staat jährlich rund acht Milliarden Euro.

Ausgerechnet jetzt die Subventionen für Elektrofahrzeuge drastisch zu senken, ist falsch. Denn der nötige Anschub für die E-Mobilität ist noch lange nicht geschafft. Und daran haben sowohl die Autohersteller als auch die regierenden Parteien ihren Anteil. Die Leidtragenden sind die Menschen, die gerne auf ein Elektroauto wechseln wollen, es sich aber entweder ohne staatlichen Zuschuss nicht leisten können oder denen noch die nötige Ladeinfrastruktur fehlt. Was außerdem fehlt: Elektromodelle, auf die man nicht mehrere Monate oder gar über ein Jahr warten muss.

Die Zuschüsse für Plug-in-Hybride abzuschaffen, war längst überfällig

Dabei ist die Reform der E-Auto-Prämien an der ein oder anderen Stelle durchaus sinnvoll. Die Zuschüsse für Plug-in-Hybride abzuschaffen, war längst überfällig. Wenn niemand prüft, ob die Fahrer ihre teilelektrischen Wagen auch überwiegend im Strommodus bewegen, macht eine Förderung dieser Autos absolut keinen Sinn. Umso unverständlicher ist es, dass bei Dienstwagen Plug-in-Hybride weiterhin Steuervorteile genießen - ausgerechnet dort, wo viele eh mit einer Tankkarte unterwegs sind und keinen finanziellen Anreiz haben, möglichst oft elektrisch zu fahren.

Auch das Vorhaben, mittelfristig nur noch E-Autos unter 45 000 Euro zu bezuschussen, ist richtig. Warum Käufer einer elektrischen Mercedes-E-Klasse oder eines Elektro-SUVs von BMW oder Audi auch noch ein paar Tausend Euro vom Staat bekommen, hat sich noch nie erschlossen. Doch gerade bei den günstigeren Wagen wäre es wichtig, die Förderung noch länger in der bisherigen Höhe zu gewähren. Noch immer ist das Angebot an elektrischen Klein- oder Mittelklassewagen überschaubar, weil die meisten Hersteller erst mal den Batterieantrieb in teurere Modelle eingebaut haben. Die günstigeren, auch für eine Familie tauglichen elektrischen Modelle, haben meist irrsinnig lange Lieferzeiten, wie etwa der VW ID 3 oder der Skoda Enyaq, auf die man mindestens ein Jahr warten muss.

In der Verfügbarkeit liegt auch die größte Krux. Die Ampelkoalition hat die Situation für potenzielle Käufer, die ein E-Auto mit langen Wartezeiten kaufen wollen, durch die Deckelung des Fördertopfes noch verschärft. Weiterhin soll der staatliche Zuschuss erst dann ausgezahlt werden, wenn das Auto zugelassen wird. Wer ein Elektrofahrzeug bestellt, weiß also nicht, wie hoch die Prämie am Ende sein wird. Bei Lieferzeiten von über einem Jahr kann es sogar passieren, dass der gewünschte Wagen komplett aus der Förderung fällt. In diesen wirtschaftlich unsicheren Zeiten, in denen ohnehin viele Menschen zögern, ob sie jetzt in eine teure Anschaffung investieren sollen, ist diese Klausel ein weiterer Dämpfer für den schnellen Hochlauf der Elektromobilität. Dabei wäre es problemlos machbar, den Käufern die Zusage für die Prämie bei der Bestellung zu geben - ausgezahlt werden könnte sie dann weiterhin erst nach der Zulassung.

Aber nicht nur die Politik, auch die Autohersteller selbst müssen ihren Teil zum Wachstum der E-Mobilität beitragen, etwa indem sie ihren Teil der Prämie weiterhin gewähren oder gar erhöhen. Schließlich machen die Konzerne trotz aller Krisen aktuell hohe Gewinne.

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