KommentarDie Sensation

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Trotz Corona-Krise sinkt die Arbeitslosigkeit in Deutschland wieder. Der Bundesregierung ist zu verdanken, dass es nicht zum Job-Drama gekommen ist.

Von Alexander Hagelüken

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Seit Wochen häufen sich die Nachrichten, dass da und dort die Corona-Infektionen steigen. Die Pandemie und - dadurch ausgelöst - die tiefste Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit haben Deutschland noch im Griff. Da ist es natürlich, dass sich viele Menschen Sorgen um ihre Gesundheit machen und um ihren Job. Wenigstens bei Letzterem gibt es nun eine gute Nachricht: Die Erholung der Wirtschaft erreicht die Jobs. Die Arbeitslosigkeit sinkt erstmals seit Corona.

Mancher mag dies gar nicht so hoch achten oder vielleicht nicht glauben, aber in Wahrheit ist es eine Sensation. Die Wirtschaft bricht wegen der Pandemie überall auf der Welt ein. Geschäfte bleiben zu, Lieferketten reißen, Exportpläne platzen. Deutschland gelingt es trotzdem, Massenarbeitslosigkeit zu vermeiden - ganz anders als vielen anderen Staaten.

Dieser Erfolg ist kein Zufall. Ja, es hilft, dass viele deutsche Firmen wegen der schrumpfenden Bevölkerung zögern, Personal zu feuern. Sie wollen nicht ohne Fachkräfte dastehen, wenn der Aufschwung kommt. Diese Sorge bewegt viele Unternehmen, es mit Kurzarbeit zu probieren statt zu entlassen. Damit gelangt man zum entscheidenden Punkt. Dass die Firmen überhaupt so intensiv Kurzarbeit nutzen können, ist das Verdienst der Bundesregierung. Sie schießt das Geld zu, das Entlassungen verhindert. 250 Millionen Euro waren in diesem Jahr für die Kurzarbeit eingeplant. Stattdessen wird es 80 Mal so viel kosten. Aber das ist es wert.

Die Regierung vermeidet damit nicht nur Entlassungen, sie stützt auch die Einkommen der Bürger. Damit können diese weiter konsumieren, statt sich in eine Krise hineinzusparen, wie sie die Welt in der großen Depression der 1930er Jahre erlitt. Durch umfangreiche Hilfe rettet die Regierung auch viele Firmen vor der Pleite, die ohne die Pandemie nie in diese Gefahr geraten wären. Ja klar, manche staatliche Idee verpufft wie ein Furz im Wind. Doch unterm Strich lassen sich die Hilfspakete so bilanzieren: Deutschland setzt mehr Geld gegen die Corona-Krise ein als die anderen Staaten - und erspart sich dadurch ein Drama am Arbeitsmarkt.

Es lohnt, einen Moment zu sinnieren, welche Politiker diese Anstrengung stemmen. Es ist die von Anfang an mit Häme bedachte große Koalition, die nur aus Staatsräson zusammenfand, nachdem die FDP nicht in die Regierung wollte. Es sind SPD und Union, denen man den Titel "Volkspartei" schon länger abspricht. Es ist Angela Merkel, die im Winter ihrer Politkarriere nochmal die Krisenbezwingerin gibt, wie schon in der Finanzkrise 2008. Und es sind die SPD-Minister Hubertus Heil und Olaf Scholz, die unverdrossen Konzepte austüfteln, obwohl das ihrer Partei in den Umfragen nicht honoriert wird.

Natürlich kann die Erholung der deutschen Wirtschaft und des Arbeitsmarkts noch scheitern. Neue Infektionswellen sind eine Gefahr, weshalb Anti-Pandemie-Maßnahmen als gute Wirtschaftspolitik einzustufen sind. Handelskriege und EU-Krisen sind eine weitere Gefahr, weshalb sich die Regierung international für Multilateralismus und europäisch für Solidarität einsetzen muss. Wahrscheinlich muss sie sich um Letzteres intensiver kümmern, jetzt, da sie zuhause das Dringendste erledigt hat.

Auch wenn sich die deutsche Volkswirtschaft weiter erholt, sollte jedem bewusst sein, dass es ein langer Weg zurück wird. Zwar lässt sich ein dramatischer Anstieg der Arbeitslosigkeit dieses Jahr wohl vermeiden. Doch Ökonomen glauben, dass die Zahl der Jobsuchenden 2021 kaum zurückgeht. Der zehnjährige Boom am Arbeitsmarkt ist vorbei. Es gibt mehrere Gruppen, um die sich die Regierung kümmern sollte.

Das sind jene Dienstleister, welche die Pandemie besonders traf: Restaurants, Bars, Reisebüros, Geschäfte oder Kinos. Hier funktionieren die Hilfsprogramme nur zum Teil. Sicher, Online-Einkauf oder Streaming-Kanäle hätten manchen Anbieter ganz ohne Pandemie weggefegt. Für die anderen gilt, dass die Regierung nachbessern sollte. Das lässt sich auch für Selbständige sagen, denen die Pandemie die Lebensgrundlage raubte, für Musiker oder Heilpraktiker. 70000 von ihnen mussten Hartz IV beantragen - vielleicht fällt der Regierung noch eine bessere Antwort ein. Sorgen muss man sich auch um gut bezahlte Jobs etwa in der Autoindustrie, die im Wandel steckt. Der Staat stellt riesige Summen für Investitionen bereit. Nun wäre es zentral, dass die Firmen dieses Geld nutzen - und außerdem Kurzarbeit mit Qualifizierung verbinden.

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