Kommentar:Das große Geld

Lesezeit: 3 min

Der Fußball ist zu einem Milliardengeschäft geworden. Internationale Sponsoren und Kapitalgeber steigen immer stärker ein und investieren hohe Summen - zu hohe. Macht all das den Fußball kaputt? Fest steht: Die Gefahr der Überhitzung steigt.

Von Caspar Busse

Die Entrüstung war ziemlich groß, damals im März 1973. Eintracht Braunschweig trat in der Fußball-Bundesliga gegen Schalke 04 an, auf den gelben Trikots der Spieler aus Niedersachsen prangte erstmals ein großer Hirschkopf, das Logo des Schnapsherstellers Jägermeister. Unternehmer Günter Mast hatte 100 000 D-Mark für die Werbung gezahlt. Was anfangs so umstritten war, setzte sich dann schnell durch: Nach fünf Jahren hatten alle Bundesligisten Trikotsponsoren.

Heute, 45 Jahre später, ist die damalige Aufregung kaum nachvollziehbar. Längst regiert das große Geld, der Fußball ist zu einem Milliardengeschäft geworden, Ablösesummen und Spielergehälter erreichen schwindelnde Höhen. Internationale Sponsoren und Kapitalgeber steigen immer stärker ein und investieren enorme Summen. Jüngstes Beispiel: Der Münchner Autobauer BMW will offenbar den Konkurrenten Audi als Haussponsor und Anteilseigner beim deutschen Meister FC Bayern München ablösen und künftig deutlich mehr zahlen.

Macht aber all das den Fußball langsam kaputt? Stimmt die Kritik von immer mehr Fans und die Warnungen von Vereinsvertretern, dass die Kommerzialisierung genau das zerstören könnte, was die Attraktivität dieses Sports ausmacht? Fest steht jedenfalls, dass die Gefahr steigt, dass die immer größeren Summen dem Fußball nicht gut tun. Die Kluft zwischen den armen und reichen Vereinen wird immer größer. In Deutschland immerhin gilt noch die sogenannte 50+1-Regel, die die Mehrheitsübernahme von Vereinen durch kaufkräftige Investoren verhindern soll. Diese sollte unbedingt beibehalten werden, denn Fußball ist, trotz aller Internationalität, immer noch auch eine lokale Angelegenheit.

Adidas-Chef Rorsted gibt die Richtung vor: "Wer möchte schon Verlierer sehen?"

Die Strahlkraft des Fußballs ist gleichzeitig verlockend. Große Vereine gehen auf internationale Werbetouren, schon wird diskutiert, ob wichtige Spiele europäischer Teams auch mal in den USA oder in Asien stattfinden sollen. Auf den Banden in einigen Bundesliga-Stadien werben chinesische Unternehmen. "Man muss den Fußball als Kulturgut schützen", warnte sogar Friedrich Curtius, der Generalsekretär des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Das Problem: Wenn die "Ware Fußball" ernsthaft leidet, dann wenden sich womöglich bald auch Geldgeber und Sponsoren ab. Erste Anzeichen gibt es bereits.

Schon jetzt zieht in der ersten Fußball-Bundesliga - sportlich gesehen - gepflegte Langeweile ein, was für keinen der Beteiligten gut sein kann, auch wirtschaftlich nicht. Schon nach drei Spieltagen liegt Bayern München unangefochten und ungeschlagen vorne, der Verein hatte zuletzt sechs Mal in Folge den Meistertitel geholt, hat als einziger deutscher Vertreter Ambitionen in der Champions League und wirtschaftet im Gegensatz zu manchen Konkurrenten solide (was man den Bayern auch nicht vorwerfen kann).

Der Sportartikelkonzern Adidas beispielsweise sponsort nur noch wenige, dafür erfolgreiche Vereine - Bayern München, Real Madrid, Manchester United, Juventus Turin. Andere Engagements lassen die Franken auslaufen. "Wer möchte schon Verlierer sehen?", fragte vor Kurzem Adidas-Chef Kasper Rorsted und gibt damit die Richtung vor. Auch andere Sponsoren gehen selektiver vor, gerade kleinere Vereine haben manchmal Probleme bei der Vermarktung. Die erfolgreichen Klubs haben dagegen die Wahl und können so die Sponsoreneinnahmen weiter erhöhen. Als vor Kurzem Lufthansa, lange Jahre ein Partner beim FC Bayern München, den Etat nicht aufstocken wollte, wechselte der Verein den Sponsor und wurde sich schnell mit Qatar Airways handelseinig. Jetzt steht also angeblich BMW (der Konzern hatte lange keine Ambitionen im Fußballsponsoring) vor der Tür, um Audi zu ersetzen. Die VW-Tochter, deren Vorstandsvorsitzender Rupert Stadler, auch Mitglied im Bayern-Aufsichtsrat, noch immer in Untersuchungshaft sitzt, droht zu einem Imageproblem zu werden. Der Vertrag läuft noch bis 2025, aber angeblich gibt es bereits Gespräche.

Viel Geld erhalten die Klubs auch aus der Vermarktung der Fernsehrechte, auch hier gibt es erste gefährliche Anzeichen. Von dieser Saison an werden in Deutschland die Spiele der Champions League zum Leidwesen mancher Zuschauer nur noch im Bezahlfernsehen gesendet. Dadurch sinken Sichtbarkeit und Reichweite, was die Sponsoren nicht freuen kann, weil sie nicht mehr so präsent sind.

Je mehr Geld in das System fließt, desto größer wird das Risiko einer Überhitzung, und desto mehr Verlierer wird es geben.

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