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Energie:Vattenfall will umstrittenes Kohlekraftwerk Moorburg stilllegen

Kohlekraftwerk Moorburg in Hamburg

Dampf steigt aus dem Kohlekraftwerk Moorburg in Hamburg.

(Foto: Daniel Reinhardt/dpa)

Die Anlage ging erst 2015 offiziell in Betrieb. Nun kündigt der Konzern an, sie könne schon im kommenden Jahr ganz oder teilweise geschlossen werden.

Von Michael Bauchmüller, Berlin

Der schwedische Vattenfall-Konzern will das umstrittene Hamburger Kohlekraftwerk Moorburg ganz oder teilweise stilllegen. Das Unternehmen habe mit Moorburg an einer Auktion für die Stilllegung von Kohlekapazitäten teilgenommen, sagte Vattenfall-Chef Magnus Hall der Süddeutschen Zeitung. "Wenn wir den Zuschlag bekommen, würden wir die entsprechenden Kapazitäten Mitte nächsten Jahres schließen", sagte Hall.

Moorburg zählt zu den jüngsten Kohlekraftwerken Deutschlands, es ging erst 2015 offiziell in Betrieb - nach einem langen juristischen Tauziehen um die Betriebsgenehmigung. Ursprünglich hätte es bis 2038 laufen können. Umweltschützer bekämpften den Neubau vom ersten Tag an, sie halten das Steinkohle-Kraftwerk für den "größten Klimakiller Norddeutschlands". Das Kraftwerk besteht aus zwei Blöcken mit jeweils etwas mehr als 800 Megawatt Leistung. Im vorigen Jahr stieß es nach Vattenfall-Angaben 4,7 Millionen Tonnen Kohlendioxid aus. Greenpeace-Deutschland-Chef Martin Kaiser nannte die Pläne am Freitag "ein Zeichen, dass die Steinkohle wirtschaftlich und politisch tot ist".

Anfang Dezember will die Bundesnetzagentur bekannt geben, wer den Zuschlag erhalten hat

"Es ist eine schwere Entscheidung, weil es ein junges, hocheffizientes Kraftwerk ist", sagte Hall der SZ. Auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sei das nicht leicht. "Wenn man aber andererseits Geld damit verliert, muss man etwas tun." Viele Kohlekraftwerke stehen derzeit unter Druck: Einerseits sind die Strompreise gefallen, sie verdienen also weniger Geld. Andererseits sind die Preise der so genannten CO₂-Emissionszertifikate hoch. Die Unternehmen müssen also viel ausgeben für die Berechtigung, Kohlendioxid ausstoßen zu können.

Die Stilllegung von Steinkohlekraftwerken erfolgt neuerdings über Auktionen. Betreiber von Kraftwerken können hier die Stilllegung ihrer Anlagen anbieten. Den Zuschlag erhält, wer dies für die geringste Entschädigung zu tun bereit ist. Die erste dieser Auktionen war erst diese Woche beendet worden, mit ihr sollen insgesamt 4000 Megawatt stillgelegt werden. Anfang Dezember will die Bundesnetzagentur bekannt geben, wer den Zuschlag erhalten hat. Erst dann wird klar, ob Moorburg im Rahmen der Auktion ganz oder teilweise stillgelegt wird - oder andere die Stilllegung ihrer Kraftwerke günstiger anboten.

© SZ
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