Körperschaftsteuer:Großbritannien will nach Brexit zum Steuerparadies werden

George Osborne Meets With The Manchester Chamber Of Commerce

Finanzminister George Osborne

(Foto: Getty Images)
  • Großbritanniens Finanzminister Osborne hat angekündigt, die Unternehmensteuer nach dem Austritt aus der EU drastisch zu senken - auf einen der niedrigsten Sätze aller OECD-Staaten.
  • Die Rede ist von einem Steuersatz ähnlich dem, mit dem Irland multinationale Konzerne wie Google und Facebook ins Land gelockt hat.
  • Vor dem Brexit-Votum war noch von Steuererhöhungen die Rede.
  • Diese Art von Steuerwettbewerb dürfte einige EU-Länder verärgern.

Mit einer deutlichen steuerlichen Entlastung will der britische Finanzminister George Osborne Unternehmen nach dem Brexit-Votum zu einem Verbleib in Großbritannien bewegen. Die Körperschaftsteuer solle von derzeit 20 Prozent auf unter 15 Prozent gesenkt werden, berichtet die Financial Times. Damit wolle er die negativen Folgen für Großbritannien im Zuge des EU-Austritts begrenzen.

Dieser Satz wäre im Vergleich der großen Volkswirtschaften der Erde der niedrigste. Osborne sagte der Zeitung, die britische Wirtschaft müsse sich mit einer Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit auf das Ausscheiden aus der EU vorbereiten. "Wir müssen den Horizont und den Weg vor uns in den Blick nehmen und das Beste aus dem Blatt machen, das uns ausgeteilt wurde", sagte der Minister der Financial Times.

Mit dem Schritt wolle Osborne eine "super wettbewerbsfähige Volkswirtschaft" mit niedrigen Unternehmensteuern und einer globalen Ausrichtung schaffen. Zudem wolle Osborne die Beziehungen zu China stärken.

Vor dem Brexit-Votum war noch von Steuererhöhungen die Rede

Eine Körperschaftsteuer von unter 15 Prozent wäre nah an den 12,5 Prozent, mit denen Irland große Firmen ins Land lockt. Wegen der niedrigen Steuern haben dort beispielsweise Google und Facebook ihren europäischen Hauptsitz. In anderen OECD-Ländern beträgt die Steuer im Durchschnitt rund 25 Prozent. Eine niedrigere Besteuerung in Großbritannien dürfte deshalb andere EU-Länder verärgern. Ein Datum für die Maßnahme nannte er dem Blatt zufolge zunächst nicht.

Mit den Plänen reagiert Osborne auf Befürchtungen, Unternehmen könnten nach dem Brexit-Votum wegen der Unsicherheit über die künftigen Beziehungen Großbritanniens mit der EU das Land verlassen. Mehrere große britische Unternehmen haben wegen der Brexit-Entscheidung bereits Gewinnwarnungen ausgegeben.

Noch vor dem Brexit-Referendum war aus dem Munde von Osborne von Steuersenkungen nichts zu hören. Im Gegenteil: Der Finanzminister hatte ursprünglich angekündigt, dass Großbritannien im Falle eines "Leave"-Votums etwa 30 Milliarden Pfund mit Steuererhöhungen und Sparmaßnahmen einnehmen müsse.

© SZ.de/AFP/Reuters/mahu/tamo
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