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Knorr-Bremse:Hoffen auf die Schiene

Wirtschaftsleistung

Das Münchner Unternehmen Knorr-Bremse produziert unter anderem Radbremsscheiben für Schienenfahrzeuge.

(Foto: dpa)

Der Zulieferer legt zu, erwartet aber einen Rückgang im Lkw-Geschäft.

Von Dieter Sürig

Es gibt Unternehmen, bei denen scheint der Laden auch ohne Vorstandschef ganz gut zu laufen. Dies ist zum Beispiel beim Münchner Fahrzeugzulieferer Knorr-Bremse zu beobachten. Dort hat es schon des Öfteren Vakanzen an der Unternehmensspitze gegeben, und in diesem Jahr war es mal wieder soweit: Nach internen Querelen im Vorstand musste Konzernchef Klaus Deller Ende April gehen - er hatte das Unternehmen seit 2015 geführt. Zumindest in früheren Jahren hatte Haupteigner Heinz Hermann Thiele in solchen Fällen die Zügel fest in der Hand, 2016 hatte sich der langjährige Aufsichtsratschef dann offiziell aus den operativen Aufgaben zurückgezogen. Dass der Stuhl des Vorstandschefs nun monatelang leer blieb, hat der Bilanz trotzdem nicht geschadet.

Und dass Aufsichtsratschef Klaus Mangold vor zwei Monaten den früheren Linde-Vorstand Bernd Eulitz für die Deller-Nachfolge zum Bremsenspezialisten geholt hat, dürfte sich auch nicht mehr auf die positiven Zahlen der ersten neun Monate ausgewirkt haben. Bis Ende September steigerten die Münchner Umsatz und Gewinn. Trotz Konjunkturflaute in Europa vermeldet das Unternehmen ein Umsatzplus von 6,4 Prozent auf 5,3 Milliarden Euro, der operative Gewinn (Ebitda) stieg um 12,1 Prozent auf 982 Millionen Euro. Der Auftragseingang erreichte mit knapp 5,2 Milliarden Euro fast das Vorjahresvolumen. Der Konzern hat dabei auch von leichten Zuwächsen in Asien und Nordamerika profitiert. Als einen Grund für das bessere Ergebnis nannte Finanzchef Ralph Heuwing zudem "erste positive Effekte" diverser "Effizienzverbesserungen" seit dem Sommer. Knorr-Bremse achte weiter strikt auf die Kosten, sagte er zur Nachrichtenagentur Reuters. So hatte der Konzern angekündigt, ein Werk im nordrhein-westfälischen Wülfrath zu schließen und den defizitären Bahnzulieferer Powertech verkauft.

Heuwing sieht sich gut gewappnet - trotz des Abschwungs in der Nutzfahrzeugindustrie. Dort erwarten Branchenexperten 2020 weltweit einen Markteinbruch von bis zu 15 bis 30 Prozent. Knorr-Bremse prognostiziert hingegen in der Lkw-Sparte einen Rückgang des Umsatzes um fünf bis 15 Prozent. "Wir sind gut präpariert für ein möglicherweise schwierigeres Jahr", sagte der Finanzchef. Der Konzern habe einen wachsenden Anteil an der Wertschöpfung komplexerer Bremssysteme, den Marktanteil gesteigert und profitiere vom lukrativen Wartungsgeschäft. Im Bahngeschäft erwartet Heuwing 2020 einen leichten Anstieg von Umsatz und operativer Marge. Und für das Gesamtjahr 2019 weiterhin ein Plus bei Umsatz und Ergebnis. Trotzdem verloren die Papiere 3,7 Prozent auf 85,84 Euro und waren damit größter Verlierer im M-Dax. Die Zahlen seien nicht so gut wie erwartet, sagten Händler.

© SZ vom 28.11.2019

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