Knopflos Hunde ohne Stammbaum

Große Augen, weiches Fell - ein kleines Plüschtier ist zum Streitobjekt zwischen der SB-Warenhauskette Real und dem Spielzeughersteller Steiff geworden.

Von Von Stefan Weber

Genauer gesagt handelt es sich um mehrere tausend dieser Vierbeiner. Die Tiere waren für den amerikanischen Spielzeugmarkt bestimmt. Doch bevor ihnen das Markenzeichen von Steiff, ein Knopf, ins Ohr gedrückt wurde, stellten Mitarbeiter des Unternehmens aus Giengen Qualitätsmängel fest.

"Fehlerhafte Ware kennzeichnen wir üblicherweise als zweite Wahl und verkaufen sie in firmeneigenen Geschäften oder wir verschenken sie an karitative Einrichtungen", sagte Steiff-Geschäftsführer Friedhelm Brandau.

In diesem Fall entschied sich der Spielzeughersteller jedoch anders: Die Hunde wurden an einen Großhändler verkauft. Der reichte sie an die SB-Warenhauskette Real weiter.

Geld zurück

Das zum Metro-Konzern gehörende Unternehmen mit bundesweit mehr als 250 Filialen bewarb die Vierbeiner als "Marken-Plüschtier", ohne jedoch einen Hinweis auf deren Stammbaum zu geben. Der Preis war deutlich niedriger als der, der für reinrassige Steiff-Tiere üblicherweise gezahlt werden muss.

Viele Kunden waren deshalb überzeugt, ein "Schnäppchen" gemacht zu haben -- ein Markenprodukt zu einem Discountpreis erworben zu haben. Schließlich trug das Plüschtier ein Halsband und eine Brustmarke mit dem Schriftzug von Steiff - nicht aber den für Plüschtiere aus diesem Stall charakteristischen Knopf im Ohr.

Steiff sah in der Kennzeichnung der Hunde eine Verletzung seiner Markenrechte und forderte Real auf, den Verkauf der Ware unverzüglich zu stoppen. Die Handelskette habe die Plüschtiere in ihrer Werbung so geschickt abgelichtet, dass der Schriftzug von Steiff auf dem Halsband gut zu erkennen gewesen sei, sagt Brandau. "Wir haben eine einstweilige Verfügung gegen den Verkauf der Hunde beantragt und am vergangenen Freitag auch erhalten", so der Geschäftsführer.

Das bestätigt eine Sprecherin von Real. Sie betont, dass Real zu keiner Zeit behauptet habe, dass es sich um Originalprodukte aus dem Hause Steiff handele. Die Rede sei nur von einem "Markenprodukt" gewesen.

Seit Freitag vergangener Woche sind die Plüschhunde nicht mehr im Angebot des SB-Warenhaus-Betreibers. Käufer, die sich getäuscht fühlten oder aus anderen Gründen unzufrieden seien, könnten die Spielzeugtiere zurückgeben und erhielten den Kaufpreis erstattet, betont die Real-Sprecherin.

Damit will sich Steiff jedoch nicht zufrieden geben. Brandau kündigte eine Anzeige gegen Unbekannt an. Er will gerichtlich klären lassen, wer die Halsbänder und die Brustmarken mit dem Steiff-Logo bei den Hunden angebracht hat. "Wir haben die Tiere ohne Kennzeichnung abgegeben", betonte der Geschäftsführer. Schließlich handele es sich um minderwertige Ware, mit der Steiff nicht in Verbindung gebracht werden wolle.