GesundheitHyaluronsäure gegen Schmerzen im Knie – lieber nicht

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Röntgenaufnahme eines Knies mit Arthrose.
Röntgenaufnahme eines Knies mit Arthrose. (Foto: Rolf Vennenbernd/picture alliance / dpa)

Deutschlands Krankenkassen warnen Patientinnen und Patienten vor möglichen Schäden und Nebenwirkungen durch Selbstzahlerleistungen beim Arzt. So verursachen Spritzen gegen Knie- oder Hüftschmerzen wegen Arthrose regelmäßig Schäden, wie der Medizinische Dienst Bund bei der Präsentation seines neuen IGeL-Monitors mitteilte. Die Schmerzreduktion sei hingegen so minimal, „dass sie klinisch nicht von Bedeutung ist“.

IGeL steht für individuelle Gesundheitsleistungen in ärztlichen Praxen. Jedes Jahr geben gesetzlich Versicherte laut dem Medizinischen Dienst der Krankenkassen mindestens 2,4 Milliarden Euro dafür aus – von Augenheilkunde bis zur Urologie. Die Orthopädie gehört mit 397 Millionen Euro zu den drei umsatzstärksten Fachgebieten im IGeL-Markt. Bei den Knie- und Hüftspritzen geht es um Injektionen mit Hyaluronsäure, die fehlende Gelenkflüssigkeit ausgleichen soll. Seit mehr als 50 Jahren wurden diese Injektionen anhand von Studien mit Zehntausenden Patientinnen und Patienten bewertet. Mögliche Schäden überwiegen demnach den Nutzen deutlich.

„Fakten statt Werbung im Wartezimmer“

Der IGeL-Monitor nimmt nach und nach angebotene Therapien unter die Lupe. Nun zogen die Expertinnen und Experten ein ernüchterndes Fazit. Von 60 geprüften IGeL werden 31 Leistungen negativ bewertet. Bei 26 ist das Ergebnis mangels ausreichender Studien unklar. Nur drei Selbstzahlerleistungen schneiden tendenziell positiv ab. Vieles schade mehr, als dass es nütze, sagte der Vorsitzende des Medizinischen Dienstes Bund, Stefan Gronemeyer. Dass IGeL dennoch oft vorgenommen würden, liege an mangelhafter Information der Patientinnen und Patienten in vielen Praxen. Eine Umfrage des Medizinischen Dienstes zeigt: Viele Versicherte denken, die Leistungen seien sinnvoll, würden aber nicht mehr von den Kassen angeboten. „Das ist falsch“, sagte Gronemeyer. Er kritisierte Nutzenversprechen durch Praxisflyer und -TV. An die Adresse niedergelassener Ärzte sagte Gronemeyer: „Wir brauchen Fakten statt Werbung in den Wartezimmern.“

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