RüstungsindustrieBundesregierung steigt bei deutsch-französischem Panzerbauer KNDS ein

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Der Kampfpanzer  Leopard 2  von KNDS.
Der Kampfpanzer Leopard 2 von KNDS. Chris Emil Janssen/IMAGO
  • Die Bundesregierung steigt zunächst mit 40 Prozent beim deutsch-französischen Panzerbauer KNDS ein und will die Beteiligung in zwei bis drei Jahren auf 30 Prozent reduzieren.
  • Trotz unterschiedlicher Anteile sollen Deutschland und Frankreich gleiche Rechte bei wichtigen Entscheidungen wie Standortfragen haben, auch nach der geplanten Reduzierung der deutschen Beteiligung.
  • Verteidigungsminister Pistorius strebt generell eine stärkere staatliche Beteiligung an der deutschen Rüstungsindustrie an, um Know-how und Arbeitsplätze in Deutschland zu erhalten.
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Im internen Ringen innerhalb der Regierung um eine Beteiligung am Rüstungskonzern KNDS setzt sich Verteidigungsminister Pistorius durch. In Frankreich gibt es jedoch Vorbehalte gegen eine spätere Reduktion des Staatsanteils, die von Deutschland gewünscht wird.

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Die Bundesregierung hat nach langem internem Ringen eine Entscheidung über den Einstieg beim deutsch-französischen Rüstungskonzern KNDS getroffen. Sie will sich zunächst zu 40 Prozent an dem Panzerbauer beteiligen, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Regierungskreisen erfuhr. Gleichzeitig will sie aber die Beteiligung „in einem Zeitraum von zwei bis drei Jahren“ auf 30 Prozent reduzieren.

KNDS ist Hersteller von Waffensystemen wie dem Kampfpanzer Leopard 2 und der Panzerhaubitze 2000. Das Unternehmen entstand durch die Fusion von Krauss-Maffei Wegmann (KMW) und dem französischen Unternehmen Nexter. Derzeit halten die Familien Bode und Braunbehrens die Hälfte der Anteile an KNDS, Frankreich die andere Hälfte.

Nach Möglichkeit solle auch der französische Staat seinen Anteil von 50 Prozent an dem Unternehmen reduzieren, hieß es aus deutschen Regierungskreisen. Jedenfalls solle garantiert werden, dass für die deutsche und die französische Seite die gleichen Rechte etwa bei Standortentscheidungen gelten, auch wenn der deutsche Staat seine Beteiligung auf 30 Prozent absenkt. Von französischer Seite heißt es, dass man nicht bereit sei, parallel zu den deutschen Aktivitäten eine weitere Reduktion vorzunehmen. Allerdings ist man in Paris froh, dass in Berlin endlich eine Entscheidung über einen Einstieg des deutschen Staates gefallen ist.

Börsengang soll im Sommer erfolgen

Damit steht nun auch einem Börsengang nichts mehr im Wege. Das Unternehmen, dessen Wert Medienberichten zufolge auf 20 Milliarden Euro geschätzt wird, will im Sommer an die Börse gehen. Es soll eine doppelte Notierung in Frankfurt und Paris geben. Die Familien wollen dies zum Ausstieg aus dem Unternehmen nutzen. Über die Modalitäten des Einstiegs muss sich der Bund ‌noch mit ihnen einigen. Die Verhandlungen seien noch nicht abgeschlossen, hieß es in Unternehmenskreisen. Innerhalb der Bundesregierung wird das Wirtschaftsministerium von Katherina Reiche (CDU) für die Beteiligung zuständig sein. Zwischen Verteidigungsministerium, Kanzleramt und Wirtschaftsministerium wurde über die Höhe der Beteiligung gerungen. Das Verteidigungsministerium war für 40 Prozent und setzte sich damit letztlich durch.

Der Kaufpreis soll der sogenannte IPO-Preis (Initial Public Offering) sein, zu dem Aktien beim erstmaligen Börsengang an Privatanleger und institutionelle Investoren ausgegeben werden. „Es wird kein Paketaufschlag gezahlt“, hieß es. Beim Börsengang wollen die Familien und ‌Frankreich jeweils einen Anteil von zehn Prozent zum Verkauf stellen, sodass dann zunächst 20 Prozent der KNDS-Aktien im Streubesitz wären. In Finanzkreisen hatte es zuletzt geheißen, der Konzern könne beim Börsengang mit bis zu 20 Milliarden Euro bewertet werden. Der Bund müsste für seinen Anteil damit bis zu acht Milliarden Euro zahlen. Die Transaktion soll über die Kreditanstalt für Wiederaufbau KfW abgewickelt werden.

KNDS-Verwaltungsratschef Tom Enders hat die Pläne der Bundesregierung zum Einstieg bei dem Rüstungskonzern im Zuge des Börsengangs bestätigt. „Zunächst einmal ist zu begrüßen, dass sich die ⁠Bundesregierung zu einer Entscheidung durchgerungen hat“, sagte Enders am Mittwochabend. KNDS werde damit nach dem Börsengang ‌zu 80 Prozent in ‌Staatsbesitz sein. „Ziel muss sein, über Zeit die Staatsanteile deutlich abzuschmelzen“, sagte der ehemalige Airbus-Chef. Enders betonte, Rüstungsunternehmen ‌brauchten grundsätzlich keine staatlichen Mehrheitsaktionäre. Nationale Sicherheitsinteressen sollten in erster ‌Linie über ‌Aufträge und spezifische Sicherheitsvereinbarungen gewährleistet werden.

Pistorius will stärkere Beteiligung an Rüstungskonzernen

Verteidigungsminister Boris Pistorius hatte im Juli vergangenen Jahres erstmals einen Einstieg des Staates bei KNDS ins Spiel gebracht. Er strebt generell eine stärkere staatliche Beteiligung an der deutschen Rüstungsindustrie an. „Wir brauchen die Staatsbeteiligungen, davon bin ich fest überzeugt – auch, um sicherzustellen, dass Know-how und Arbeitsplätze in Deutschland erhalten bleiben“, sagte Pistorius im Oktober dem Handelsblatt. „Alle Kabinettskollegen sind sich darüber bewusst, wie essenziell unsere Schlüsseltechnologien für die Sicherheit unseres Landes sind.“

KNDS mit Sitz in Amsterdam erwirtschaftete 2024 mit rund 11 000 Mitarbeitern einen Umsatz von etwas weniger als vier Milliarden Euro, Zahlen für 2025 liegen bisher nicht vor. Die Münchner Tochter KNDS Deutschland im Stadtteil Allach beschäftigt etwa 5000 Menschen. Der Auftragsbestand übersteigt angesichts der Aufrüstung deutlich die 20 Milliarden Euro. Der Konzern soll auch den Radpanzer Boxer in großer Stückzahl für die Bundeswehr produzieren.

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