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Klöckner & Co.:Onlinehandel als Chefsache

Damit es KlöCo nicht auch so ergeht, macht Rühl den Onlinehandel zur Chefsache. Die Feinheiten will er von der Pike auf lernen. Vor Kurzem hat der frühere Roland-Berger-Berater schon eine eigene App programmiert, passend auf seine Bedürfnisse zugeschnitten. Es ist eine Reise-App, die ihm helfen soll, beim Kofferpacken nicht so viel zu vergessen, gestaffelt nach Dauer der Reise.

Wenn mit dem Onlineverkauf alles gut läuft, dann könnte allein dadurch die Gewinnmarge (Ebitda) bei KlöCo um rund einen Prozentpunkt steigen. Das ist viel für einen Konzern, der in den vergangenen Jahren kaum über eine Gewinnmarge von drei Prozent kam. Bis 2017 soll sich das ändern: Dann plant der börsennotierte Stahlhändler eine Vorsteuer-Rendite von mindestens fünf Prozent.

In den vergangenen Jahren hatten KlöCo die maue Stahlkonjunktur und Überkapazitäten in Europa schwer zu schaffen gemacht. Rühl hatte mit einem scharfen Sparprogramm gegengesteuert, das in drei Jahren 2300 Jobs kostete. Erstmals seit drei Jahren wird KlöCo nun 2014 voraussichtlich wieder Gewinne schreiben und eine Dividende von mindestens 20 Cent je Aktie ausschütten.

Der positive Trend wird laut Rühl auch im nächsten Jahr anhalten: "Wir rechnen 2015 mit einem Nachfrageplus in Europa von mehr als zwei Prozent." Der Abschwung von 2011 laufe aus, die Stahlpreise hätten in Europa den Boden erreicht und zeigten zurzeit nach oben.

Müssen nur noch die Stahl-Lieferanten beim Online-Handel mitziehen. Dort trifft Rühl zurzeit noch auf die größten Vorbehalte. Manche fürchten, dass die Einsparungen, die KlöCo zugutekommen, auf ihre Kosten gehen. Dass sie sogar mehr Lager als zuvor vorhalten müssen. Rühl hält gegen: "Wir können online künftig viel mehr Produkte des Lieferanten anbieten, davon profitieren die Lieferanten sehr."

Und KlöCo selbst? Könnte der Stahlhändler sich nicht eines Tages überflüssig machen, wenn die Lieferanten per Internet den direkten Kontakt zu ihren Kunden suchen, wie es Hersteller anderer Branchen tun? Die Gefahr sieht Rühl nicht: "Größere Stahlteile kann man schlecht über Amazon verkaufen. Es braucht hierfür immer jemanden, der Lagerhäuser mit großen Kränen und Trucks hat."

© SZ vom 05.09.2014
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