Studie Klimawandel könnte Firmen eine Billion Dollar kosten

Ein hohes Risiko sieht der Bericht des Carbon Disclosure Project (CDP) auch bei VW.

(Foto: dpa)
  • 215 der weltweit 500 größten Unternehmen beziffern ihre Geschäftsrisiken durch den Klimawandel auf knapp eine Billion Dollar.
  • Das zeigt eine Untersuchung des Carbon Disclosure Project (CDP).
  • Die Chancen, die durch den Klimawandel entstehen, sind demnach jedoch mehr als doppelt so hoch.
Von Silvia Liebrich

Der Klimawandel stellt Wirtschaft und Unternehmen vor große Herausforderungen. Sie müssen sich etwa darauf einstellen, dass sie auf fossile Brennstoffe künftig verzichten müssen, weil diese voraussichtlich mit hohen CO₂-Preisen belastet und so unrentabel werden könnten. Andere müssen mit erheblichen Schäden durch Stürme, Überschwemmungen und andere Wetterextreme rechnen. Viele Unternehmen versuchen diese Risiken zu kalkulieren und ihre Geschäftsmodelle entsprechend anzupassen.

Laut einer neuen Studie beziffern 215 Unternehmen, die weltweit zu den 500 größten zählen, die Risiken durch den Klimawandel für ihre Geschäfte auf knapp eine Billion Dollar. Mögliche Auswirkungen könnten demnach schon in den nächsten fünf Jahre Realität werden. Die Untersuchung stammt vom Carbon Disclosure Project (CDP), einer unabhängigen Organisation, die eine der größten Datenbanken zu Klimarisiken von Firmen unterhält.

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Gleichzeitig sehen die Unternehmen im Klimawandel jedoch auch eine Chance. Sie wollen künftig klimafreundlichere Produkte und Dienstleistungen anbieten. Insgesamt beziffern die größten Konzerne ihre Geschäftschancen durch den Klimawandel auf 2,1 Billionen Dollar - die Chancen überwiegen also klar die Risiken. Insgesamt beantworteten fast 7000 Unternehmen den Fragebogen der Organisation.

Wenig Feedback im Vergleich zu anderen Branchen gab es aus dem Energiesektor, hier müssen vor allem Öl- und Gasfirmen mit erheblichen Umbrüchen rechnen. "Unsere Analyse zeigt, dass der Klimawandel eine Vielzahl von Risiken mit sich bringt", sagte Nicolette Bartlett, Klimaexpertin bei CDP. Unternehmerisches Handeln dürfe nicht mehr aufgeschoben werden.

Zu den deutschen Firmen, die Auskunft gaben, gehört der Chemiekonzern BASF. Von dem globalen Marktführer mit signifikantem CO₂-Fußabdruck werde erwartet, dass er proaktiv auf die Herausforderungen reagiere, heißt es in dem Bericht. Wenn Großinvestoren des Konzerns wie die Fondsgesellschaft Blackrock der Ansicht seien, dass hier nicht genug geschehe, könne dies den Aktienkurs belasten. Ein hohes Risiko sieht der Bericht auch bei VW. Ein CDP-Sprecher verwies auf mehr als 300 Städte und Gemeinden in ganz Europa, die Umweltzonen für Autos und Lastwagen einführen wollten oder dies bereits getan hätten. Dies zwinge Autofahrer und Hersteller zum Handeln. Für VW bestehe das Risiko eines Absatzrückgangs, sollte es nicht gelingen, den Fuhrpark rasch neu auszurichten.

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