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Klimawandel:Ein schleichender Kohleausstieg reicht nicht aus

Gleichwohl warnt die IEA vor zu viel Optimismus, und das aus zwei wesentlichen Gründen. Erstens ist umstritten, wie viel Erdgas auf dem Weg von der Quelle zum Verbraucher verloren geht. Je mehr es ist, desto schlimmer die Folgen: Methan trägt zwanzig Mal so viel zum Treibhauseffekt bei wie Kohlendioxid und hält sich länger in der Atmosphäre. Zweitens dürfte zwar langfristig die weltweite Nachfrage nach Kohle abflachen, für einen ambitionierten Klimaschutz reicht ein solch schleichender Kohleausstieg indes nicht aus - und noch ist die Welt viel zu abhängig von dem Brennstoff. "Die Kohlendioxid-Emissionen aus der Energieversorgung steigen bis 2040 weiter leicht an", schreiben die IEA-Experten. "Damit sind wir weit davon entfernt, die heftigen Folgen des Klimawandels zu vermeiden."

Um die nahe und langfristige Zukunft der Energiemärkte vorherzusagen, hält sich die IEA mit konkreten Prognosen zurück und arbeitet stattdessen mit Szenarien, die sie für unterschiedlich wahrscheinlich hält. In allen Szenarien gelten einige Entwicklungen aber als unbestritten: Die Kosten für erneuerbare Energien sind dermaßen rapide gesunken, dass Solar- und Windenergie in vielen Ländern schon heute die günstigsten Energiequellen sind. Kein anderer Sektor wird deshalb so viel dazu beitragen, den steigenden Energiebedarf der Weltbevölkerung zu decken. Zwei Drittel aller Investitionen in neue Kraftwerke bis 2040 könnten den Erneuerbaren zugutekommen.

Zudem geht die IEA von einer zunehmenden Elektrifizierung aus: Wurde die Energieversorgung abseits der Stromproduktion früher zum Großteil aus fossilen Brennstoffen gedeckt, wird es in Zukunft elektrische Energie sein - nicht zuletzt wegen der Verbreitung von Elektrofahrzeugen. "Elektrizität ist die aufstrebende Macht im weltweiten Endenergieverbrauch", schreibt die IEA.

Zum 40. Geburtstag ihres Energieberichts hat die Pariser Energieagentur also - einmal wieder - gute und schlechte Nachrichten zugleich. Unmissverständlich ist jedoch ihre Botschaft: Wenn sich die Regierungen in Bonn nicht auf deutlich strengere Maßnahmen zum Klimaschutz einigen, werden die Emissionen nicht schnell genug sinken und schwerwiegende Folgen der globalen Erwärmung nicht mehr zu vermeiden sein. Donald Trump, 71, wird das aber vermutlich nicht mehr erleben.

© SZ.de/vit
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