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Klimaschutz:Wo die Milliarden für grünen Wasserstoff hinfließen sollen

Projektauswahl für EU-Wasserstoffprojekt

Ist sich sicher, dass Deutschland dabei ist, globaler Vorreiter bei Wasserstoff zu werden: Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier.

(Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa)

Klimaneutral wirtschaften - geht das? 62 Projekte sollen zeigen, wie sich grüner Wasserstoff erzeugen, transportieren und nutzen lässt.

Von Michael Bauchmüller, Berlin

Wie schnell eine ehemals ferne Zukunft zum Alltag wird, dafür steht "Alpha Ventus". Vor gerade einmal elf Jahren ging unter diesem Namen der erste deutsche Offshore-Windpark ans Netz. Zwölf Windmühlen, fernab vom Festland, ein Pilotprojekt. Damals war das ein Durchbruch - heute steht die Nordsee voller solcher Windräder. Und auf "Alpha Ventus" folgen nun Projekte wie "Aqua Ventus".

Bei Helgoland will die gleichnamige Initiative im großen Stil grünen Wasserstoff gewinnen, aus der Windkraft der Nordsee. Jährlich eine Million Tonnen grünen Wasserstoffs ließen sich dort "schon bald" herstellen, wirbt der Förderverein, hinter dem eine Reihe von Energiekonzernen und Industrieunternehmen stehen. Und das womöglich mit staatlicher Förderung.

Am Freitag haben Bundeswirtschafts- und Verkehrsministerium eine Liste von Großprojekten vorgelegt, auf die sie gerne ihre milliardenschwere Wasserstoff-Förderung verteilen würden. 62 Projekte finden sich darauf, mit Aqua Ventus an Platz eins. Allein 19 Vorhaben, bei denen aus Windstrom und Wasser per Elektrolyse grüner Wasserstoff gewonnen wird, stehen auf der Liste. Dazu ein gutes Dutzend Projekte, die dem Transport von Wasserstoff dienen, mit 1700 Kilometer Leitungen. Und schließlich jede Menge Vorhaben, um den Stoff auch zu nutzen - sei es in Stahlwerken anstelle von Koks, bei der Zementherstellung oder im Verkehr. Neben ThyssenKrupp, Saarstahl, Salzgitter und ArcelorMittal finden sich auch BMW, Airbus und Daimler Trucks auf der Liste potentieller Empfänger. "Wir sind dabei, bei Wasserstoff die Nummer eins in der Welt zu werden", verheißt Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU).

Im Kampf gegen den Klimawandel gilt Wasserstoff als wahre Wunderwaffe. Gerade dort, wo bisher besonders viel Kohlendioxid entsteht, könnte er fossile Energien ersetzen. Und weil er sich mit erneuerbarem Strom erzeugen lässt - etwa in Windparks zur See - wäre die neue Energiequelle völlig klimaneutral. In ihrem Corona-Konjunkturprogramm hatte die Bundesregierung deshalb neun Milliarden Euro für den grünen Wasserstoff ausgelobt, davon allein sieben Milliarden für Projekte im Inland oder in Europa. Für die 62 Projekte sollen nun acht Milliarden Euro bereitstehen, auch die Länder steuern etwas bei.

Aus deutschen könnten schon bald europäische Projekte werden

Erst aber muss die EU zustimmen. Die Chancen stehen gut, denn auch Brüssel müht sich darum, dem grünen Gas zum Durchbruch zu verhelfen. Die Technologie ist "von gemeinsamem europäischen Interesse" und lässt sich deshalb leichter fördern. In einem nächsten Schritt könnten zudem aus deutschen europäische Projekte werden, wenn Partner aus verschiedenen EU-Ländern kooperieren. Solche Kooperationen würden nun geprüft, sagt Altmaier.

Erst vor wenigen Tagen hatte die Stiftung Klimaneutralität mehr Tempo beim Ausbau der Wasserstoffwirtschaft verlangt. Die Politik müsse sich dabei auf jene Bereiche konzentrieren, "wo es keine oder keine effizienteren und kostengünstigeren Alternativen zu Wasserstoff gibt". Den Förderbedarf veranschlagt die Stiftung bis 2035 auf drei bis fünf Milliarden Euro - im Jahr.

© SZ/vit
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