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Klimaschutz:Falsche Richtung

China's Coal Dependence A Challenge For Climate

China ist für etwa ein Drittel der weltweiten Kohlendioxid-Emissionen verantwortlich. Hier die Schlote eines Kohlekraftwerks in Shanxi.

(Foto: Getty Images)

Keines der G20-Länder erreicht seine Klimaziele. Der Verkehr und die Wärme bleiben die größten Probleme.

Der Text war nicht übel, im vorigen Juni. In Osaka verlangten die 20 größten Schwellen- und Industrieländer, kurz G20, nicht weniger als einen "Paradigmenwechsel" im Klimaschutz. Es brauche dafür "Aktionen auf allen Ebenen mit breiter Beteiligung", vereinbarten die Staaten, selbst die USA beließen es bei einer kleinen Protokoll-Notiz, in der sie noch einmal auf ihren Ausstieg aus dem Klimavertrag pochten. Ansonsten aber wollte keiner ausscheren - zumindest in Worten.

Gemessen an Taten sieht die Sache anders aus. Am Montag legte ein Netzwerk aus 14 Analysehäusern eine Zwischenbilanz der G-20-Vorsätze vor. Von einem echten Paradigmenwechsel, so zeigt sich, sind die noch so weit entfernt wie Pinguine vom Nordpol. Denn das Wirtschaftswachstum der G20, zuletzt aufs Jahr gerechnet 3,3 Prozent, hinterlässt auch Spuren bei den Emissionen. Statt zu sinken, sind die energiebedingten Emissionen im vorigen Jahr weiter gewachsen, um 1,8 Prozent. Vor allem in den USA und Kanada sei mehr Energie verbraucht worden, aber auch in China , Indien, Indonesien, Russland, Südafrika und Südkorea - mithin neun der 20-G-Länder, und darunter noch die größten. Die G20 stehen gemeinsam für rund 80 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen. Doch für eine Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 bis höchstens zwei Grad, wie sie der Pariser Vertrag verlangt, reicht es bei keinem der 20.

Dabei sah es vor wenigen Jahren, rund um die Unterzeichnung des Klimaabkommens, noch so aus, als hätten die globalen Treibhausgas-Emissionen ihren Gipfel erreicht. Drei Jahre in Folge stagnierten sie. Doch 2017 stiegen sie wieder an; und so nun offenbar auch 2018. "Das ist natürlich die völlig falsche Richtung", sagt Lena Donat, die für die Klimaschutz-Organisation Germanwatch an dem Bericht mitgearbeitet hatte. "Aber es gibt auch Lichtblicke."

So baue Indien die erneuerbaren Energien weiter aus, wie auch Brasilien - ungeachtet seines Präsidenten Jair Bolsonaro, der mit Klimaschutz nicht viel am Hut hat. China, Indien und Japan haben strenge Regeln für die Energieeffizienz, während in Saudi-Arabien die Emissionen im Verkehrsbereich zuletzt deutlich sanken, wenngleich von hohem Niveau.

Allerdings bleiben der Verkehr und die Wärme die größten Problemfälle - wie auch in Deutschland. Bei den Pro-Kopf-Emissionen im Verkehrssektor liegt die Bundesrepublik gleich hinter den USA, Kanada und Australien, lauter große Flächenstaaten. Beim Marktanteil von Elektroautos, einer der 80 untersuchten Indikatoren, liegt Deutschland mit weniger als zwei Prozent im Mittelfeld, hinter den USA, Kanada, Frankreich oder Großbritannien. Beim Spitzenreiter China liegt der Anteil den Zahlen zufolge bei knapp 4,5 Prozent. In anderen Bereichen, etwa bei den Gebäude-Emissionen, liegt Deutschland auch im Mittelfeld, kam aber zuletzt voran.

Für derlei Fortschritte sieht die G-20-Bilanz noch einigen Raum. Rund die Hälfte der Staaten sei auf bestem Wege, ihre - meist wenig anspruchsvollen - Klimaziele aus dem Paris-Abkommen überzuerfüllen. Im kommenden Jahr, beim wichtigen Klimagipfel in Glasgow, können sie diese Ziele aufstocken. Und in ihrem Schlussdokument aus Osaka hatten sie das sogar schon angedeutet. Jedenfalls auf dem Papier.