Der Mittwochnachmittag wird Klarna-Gründer Sebastian Siemiatkowski wohl noch lange in Erinnerung bleiben. Um 15.30 Uhr deutscher Zeit wurde an der New Yorker Börse die Glocke zum Handelsstart geläutet. Anlass war der Börsengang des schwedischen „Buy Now, Pay Later“-Dienstleisters, den auch viele Beobachter aus der Fintech-Szene mit Spannung verfolgt haben dürften. Es ist der größte europäische Börsengang des Jahres. Das Unternehmen Klarna verdient sein Geld in Schweden auch mit klassischem Bankgeschäft, am bekanntesten aber ist seine Rolle bei der Abwicklung von Zahlungsdienstleistungen im Onlinehandel. Mit Klarna können Kunden die Ware sofort kaufen und sie erst später bezahlen.
Wer bei Zalando Schuhe für 200 Euro bestellt, kann mit Klarna zum Beispiel erst nach 30 Tagen bezahlen. Klarna begleicht die Rechnung sofort, berechnet Zalando dafür aber eine Gebühr. Die Konsumenten zahlen nur bei langfristigen Ratenzahlungen oder wenn sie in Zahlungsverzug geraten mehr als den ursprünglichen Warenpreis. Das Modell ist ziemlich erfolgreich. Mehr als 110 Millionen Konsumenten und fast 800 000 Händler nutzen Klarna nach Angaben des Unternehmens.
Der Ausgabepreis der Aktie, die unter dem Ticker KLAR gehandelt wird, liegt bei 40 Dollar, ursprünglich waren zwischen 35 und 37 Dollar angepeilt worden, eine realistische Preisfindung dürfte allerdings ein paar Tage oder Wochen dauern. Insgesamt landen am Mittwoch Aktien im Wert von 1,3 Milliarden Euro an der Börse. Klarna selbst nimmt dabei rund 200 Millionen Dollar an frischem Kapital ein.

Schwedisches Bezahl-Start-up:Das ist Klarnas Börsen-Plan
Heute kaufen, morgen zahlen, übermorgen IPO: Europas einst große Start-up-Hoffnung geht in New York an die Börse. Dieses Mal soll Donald Trump nicht dazwischenfunken.
Für Finanzdienstleister war 2025 ein gutes Jahr für Börsengänge. Die Digitalbank Chime startete im Juni mit gut 60 Prozent Plus am ersten Handelstag, der Stablecoin-Anbieter Circle löste mit gut 168 Prozent Kursanstieg am ersten Börsentag eine regelrechte Euphorie unter Anlegern aus. Möglich also, dass nach diesen Erfahrungen auch Privatinvestoren überlegen, ob sie gleich am ersten Tag in Klarna investieren.
Die Wissenschaft hat auf diese Frage allerdings eine klare Antwort: Besser sein lassen! Untersuchungen, die zur Performance von neuen Aktien an den Börsen gemacht wurden, kommen zu dem Ergebnis, dass diese im Vergleich zum Gesamtmarkt schlechter abschneiden. Dieses Ergebnis hat ein paar einleuchtende Gründe. So endet binnen eines Jahres oft die bei den Börsengängen vereinbarte sogenannte Lock-up-Periode. Das ist die Zeit, in der Altaktionäre, also etwa Mitarbeiter der Firma, ihre Aktien nicht verkaufen dürfen. Solche Regelungen sollen den Kurs des jungen Börsenunternehmens stützen. Wenn diese Frist abläuft, hat das allerdings oft den gegenteiligen Effekt, und es kommt zu einem größeren Abverkauf, was den Kurs drückt und die Rendite in dem Zeitraum schmälert.Tatsächlich liegt der Kurs von neu gelisteten Unternehmen am Ende des ersten Handelstags oft deutlich über dem Ausgabepreis der Aktie. Für Privatinvestoren ist dieser Ausgabepreis allerdings nicht entscheidend. Denn der ist oft bewusst eher niedrig kalkuliert, eben um einen guten Start an der Börse zu ermöglichen und die beteiligten Banken und Investoren zu belohnen. Privatinvestoren können nur äußerst selten Aktien zu diesem Preis zeichnen. Wer später am ersten Handelstag einsteigt, zahlt bereits einen Aufschlag.
Dazu kommt, dass Börsengänge oft zu einem Zeitpunkt gemacht werden, der für die Firma besonders günstig liegt. Stärken dürften übertrieben, mögliche Schwächen kleingeredet worden sein. Wie es tatsächlich aussieht, zeigt sich oft erst nach ein paar Monaten oder Quartalen.
Wie das im konkreten Fall von Klarna ist, bleibt abzuwarten. Der Ausgabepreis bewertet das Unternehmen mit 14 Milliarden Dollar. Im Jahr 2021 war die Bewertung bei einer Finanzierungsrunde mit 46 Milliarden Dollar bereits fast dreimal so hoch. So gesehen wirkt die aktuelle Bewertung beinahe konservativ. Allerdings gibt es für Klarna besonders in der EU auch regulatorische Risiken. So sehen Verbraucherschützer das Bezahlmodell kritisch, weil insbesondere jüngere Käufer dazu verleitet werden können, sich mit Klarna-Käufen zu verschulden.

