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Klagewelle gegen Pharmakonzern:Pillen-Knick

Pharmakonzern Bayer, Antibabypille

Trotz Klagewelle wegen Antibabypille: Pharmakonzern Bayer blickt zuversichtlich in die Zukunft.

(Foto: dpa)

Der Bayer-Konzern zahlt eine Milliarde Euro für Entschädigungen. Vor allem in den USA hatten Frauen wegen Blutgerinnseln nach Einnahme von Antibabypillen des Unternehmens geklagt. Der Umsatz des Pharmakonzerns erreichte 2012 dennoch einen neuen Rekord. Für das laufende Jahr erwartet Bayer weiteres Wachstum.

Wegen Nebenwirkungen von Antibabypillen muss der Pharmakonzern Bayer einen Milliardenbetrag zahlen. Bis Mitte Februar haben die Leverkusener bereits eine Milliarde Euro an Frauen in den USA überwiesen, die wegen Blutgerinnseln nach Einnahme der Pillen Yaz und Yazmin geklagt hatten. Bisher hat es 4800 Vergleiche gegeben. Der Konzern stellt insgesamt 1,3 Milliarden Euro für Rechtsfälle in seiner Bilanz zurück.

Firmenchef Marijn Dekkers wollte sich bei der Jahresbilanz nicht dazu äußern, ob damit sämtliche Fälle abgegolten sind. Frankreich hatte die Hormonpille Diane 35 von Bayer verboten, und die europäische Pharmabehörde will diesen Fall prüfen. Finanzvorstand Werner Baumann machte klar, dass er Klagen in Europa gelassen entgegensieht. Das Risiko in den USA sei wesentlich höher: "Wir sind dort einer Klage-Industrie ausgeliefert", sagte er.

Insgesamt musste der Bayer-Konzern 2012 in der Gesundheitssparte Belastungen von 1,6 Milliarden Euro verkraften. Neben den Klagen drückten Abfindungen den Gewinn. Der operative Gewinn nahm um neun Prozent auf 8,3 Milliarden Euro zu, der Jahresüberschuss ging um fünf Prozent auf knapp vier Milliarden Euro zurück. Der Umsatz erreichte mit 39,8 Milliarden Euro einen neuen Rekord.

Die Perspektive für 2013 nannte Dekkers attraktiv. Der Bayer-Konzern dürfte um vier bis fünf Prozent wachsen und etwa 41 Milliarden Euro Umsatz erzielen. Treibende Faktoren seien neue Pharmaprodukte. Der Umsatz der fünf vielversprechendsten Medikamente allein soll 2015 bei 2,5 Milliarden Euro liegen. Auch bei der Agrarchemie sollen neue Produkte Wachstum bringen. Der Bayer-Chef forderte, die Gesellschaft müsse ein innovationsfreundliches Umfeld bieten. Es sei wichtig, dass Neuerungen akzeptiert und angemessen geschätzt werden. Schließlich habe Bayer es immer wieder verstanden, aus Molekülen neue Produkte zu machen.

Insektizid wird für Bienensterben verantwortlich gemacht

Bei einem Produkt - den Neonikotinoiden - hat die EU-Kommission allerdings schwere Bedenken geäußert. Dieses Insektizid wird für das Sterben von Bienenvölkern verantwortlich gemacht und steht auf der Verbotsliste. Dekkers bezeichnete dies als "weder fair noch verhältnismäßig". Bayer sei überzeugt, dass die hauseigenen Produkte bei richtiger Anwendung nicht die Ursache für das Bienensterben seien.

Bayer hatte sich vor einigen Jahren auf die Bereiche Gesundheit für Menschen, Tiere und Pflanzen aus einer Hand konzentriert. Inzwischen tragen diese Bereiche 70 Prozent zum Umsatz bei. Den größten Teil der Chemie-Aktivitäten gliederte Bayer in das Unternehmen Lanxess aus. Dekkers glaubt, dass sich die Besinnung auf die Forschung und Entwicklung der Gesundheit innerhalb der nächsten 20 Jahre auszahlen wird. Die restliche konjunkturabhängige Chemie könne das Portfolio ergänzen. Pharmakonzerne wie Pfizer hatten Teile des Konzerns - die Sparte Tiermedizin - an die Börse gebracht. So etwas sei nur einmalig möglich, gab Dekkers zu bedenken.

Grund zur Klage sieht der Bayer-Chef nicht. Weder stehe er unter Druck, noch sei das Unternehmen durch die Klagewelle in den USA stärker belastet als andere Pharmafirmen. Wenn er klagen würde, dann auf hohem Niveau, fügte er hinzu. Bayer hatte im Jahr 2010 angekündigt, weltweit 4500 Stellen abzubauen sowie insgesamt neue 2500 Arbeitsplätze zu schaffen. Diese Ziele seien erreicht, hieß es in Leverkusen.

Bayer wolle auch künftig an seinen drei Bereichen Medikamente, Agrarchemie und Kunststoffe festhalten. Dekkers verteidigte dieses Geschäftsmodell und meinte augenzwinkernd, dass Bayer auf diese Weise auch in den nächsten 150 Jahren ausreichend gegen Risiken gewappnet sei. Damit spielte der Konzernchef auf das Jubiläumsjahr 2013 an. Bayer will deshalb einen Zeppelin mit eigenem Namenszug um die ganze Welt schicken.