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Klagewelle:Bayer und das Glyphosat

Glyphosat-Klagen gegen Bayer drastisch gestiegen

In einem Baumarkt wird das Herbizid Round-up angeboten mit dem Wirkstoff Glyphosat.

(Foto: Haven Daley/dpa)

Schlichter Kenneth Feinberg hält einen Vergleich nun binnen eines Monats für möglich. Die Zahl der Klagen steigt erst einmal weiter.

Fast vier Jahre ist es her, als der Chemie- und Pharmakonzern Bayer sein erstes Angebot für den US-Konzern Monsanto veröffentlichte. Das war im Mai 2016. Bis zum Vollzug zu einem Preis von dann 63 Milliarden Dollar dauerte es bis Sommer 2018. Mit der Übernahme hat sich Bayer jede Menge Klagen eingehandelt. Wie kein anderer Konzern steht und stand Monsanto für den Wirkstoff Glyphosat, der jedes Kraut vernichtet, es sei denn, es ist genetisch so verändert, dass ihm das Pestizid nichts anhaben kann. Viele Menschen schreiben ihre Krebserkrankung dem Umgang mit dem Pestizid zu.

Die Zahl der Klagen steigt von Quartal zu Quartal. Im Herbst 2019 waren es 42 700. Dem Konzern droht Schadenersatz in Milliardenhöhe. Drei in Kalifornien verhandelte Verfahren gingen zu Lasten von Bayer aus. Andere Verhandlungen wurden wegen der laufenden Vergleichsverhandlungen verschoben. Im Sommer 2019 hatten sich Bayer und die Klägeranwälte auf den prominenten US-Juristen Kenneth Feinberg als Schlichter geeinigt.

In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg äußerte sich der nun "vorsichtig optimistisch", dass es binnen eines Monats zu einem "umfassenden Vergleich" kommen könnte. Da über die Inhalte der Verhandlungen Stillschweigen vereinbart worden sei, wollte sich Bayer am Freitag nicht zum Stand der Mediation äußern. Wohl aber zu den von Feinberg geäußerten Fallzahlen. Sie seien, so Feinberg laut Bloomberg, mittlerweile auf 75 000 bis 85 000 gestiegen. Zwar geht auch Bayer davon aus, dass die Zahl "angesichts der Summe von 100 Millionen Dollar, die die Kläger 2019 für TV-Werbung ausgegeben haben, in Verbindung mit den Spekulationen über einen Vergleich" weiter steigen werde. Die von Bloomberg gemeldete Zahl schließe potenzielle Kläger ein, deren Klagen noch nicht zugestellt wurden, vermutet Bayer. "Es ist daher eine spekulative Schätzung über die Anzahl der Kläger, die in einen möglichen Vergleich einbezogen werden könnten." Die Zahl der Kläger, deren Klagen zugestellt seien, liege deutlich unter 50 000. Wie hoch sie mittlerweile ist, wird sich Ende Februar zeigen. Am 27. Februar wird Bayer-Vorstandschef Werner Baumann in der Bilanzpressekonferenz erläutern, wie das Jahr gelaufen ist.

© SZ vom 18.01.2020
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