Klage gegen Starbucks:Streit um pinken Einhorn-Frappucino eskaliert

A girl sips on a Unicorn Frappuccino beverage at a Starbucks coffeehouse in Austin, Texas, U.S.

Das Getränk des Anstoßes: Der Milchmix namens Unicorn Frappuccino Blended Crème enthält "blauen Märchenpuder" - und keinen Kaffee.

(Foto: MOHAMMAD KHURSHEED/REUTERS)
  • Ein kleiner Kaffeeladen aus Brooklyn verklagt die Kaffee-Kette Starbucks. Der Vorwurf: Der Konzern soll die Idee für ein Einhorn-Getränk geklaut haben.
  • Die Betreiber des Kaffeeladens wollen jetzt Schadenersatz von Starbucks. Das Angebot der Kette habe ihrem eigenen Geschäft geschadet.

Von Kathrin Werner

Das Einhorn ist, untertrieben ausgedrückt, eine ziemliche Seltenheit. Ganz anders dagegen der Einhorn-Latte, ein pinkfarbenes Milchgetränk, das die Kaffeekette Starbucks in ihren 15 000 Läden in Nordamerika anbietet. Der Einhorn-Latte ist ein Trendgetränk. Über dessen Allgegenwart ärgert sich ein Kaffeeladen-Rivale so, dass er Starbucks vor einem Bundesgericht verklagt.

Der kleine Kaffeeladen The End aus Brooklyn sei der wahre Erfinder des Drinks, sagt Inhaber Bret Caretsky. "Wir waren schockiert und enttäuscht, als Starbucks den Einhorn-Frappuccino auf den Markt brachte", sagt er. Das Getränk des Anstoßes heißt bei Starbucks mit vollem Namen Unicorn Frappuccino Blended Crème und hat mit Kaffee nichts zu tun. Es besteht vor allem aus Milch, Farbstoffen, Zucker - und laut der Marketingabteilung von Starbucks sogar aus "blauem Märchenpuder" - Realitätsflucht in Form eines süßen Getränks. Auch im angeblichen Original aus dem Kaffeeladen in Brooklyn ist kein Kaffee, es ist allerdings gesünder als die Konzernvariante von Starbucks und enthält unter anderem ausgepressten Ingwer, Zitronensaft und Datteln.

Die Kläger fordern zehn Millionen Dollar Schadenersatz

The End versteht sich weniger als herkömmlicher Laden, sondern als "Wellness Café". Ein Blick auf andere Produkte lassen ihn glaubhaft als Erfinder des Einhorn-Getränks erscheinen. Gerade vermarkten die Eigentümer neben dem Einhorn-Latte ein Sommer-Getränk namens Merbabe Latte, Meerjungfrauen-Latte, er ist lilafarben mit blauen Toppings, enthält Algen und soll gesund sein, aus der zähflüssigen Brühe schaut ein glitzernder Fischschwanz heraus.

Starbucks' Produkte dagegen sind in der Regel eher bräunlich und enthalten Kaffee. Außer dem Namen und der pink-blauen Farbgebung haben die Einhorn-Getränke aus Brooklyn und aus der Konzernzentrale in Seattle also nichts miteinander zu tun. Starbucks hat den Milchmix außerdem bereits aus dem Programm genommen, er war nur eine Sonderaktion Anfang April.

Trotzdem: Das Angebot der Kaffeekette habe dem Geschäft geschadet, schreiben die Anwälte von The End in der Schadenersatzklage. Das sei insbesondere so, weil Starbucks so viel Erfolg mit dem Unicorn Frappuccino Blended Crème hatte. Junge Leute waren kaum zu bremsen, der Drink ließ sich wunderbar fotografieren und in sozialen Netzwerken zeigen. Es war ein ziemlicher Hype. Es sei inzwischen sogar so, dass viele Kunden glaubten, dass nicht Starbucks, sondern der Laden aus Brooklyn der Nachmacher sei, heißt es in der Klage.

Dabei habe The End den Unicorn-Latte schon im Dezember 2016 erfunden und im Januar die Markenrechte dafür bei der Patentbehörde angemeldet, der Antrag läuft noch. Der eigene Einhorn-Hype sei durch den Starbucks-Einhorn-Hype ausgebremst worden. Caretsky und seine Co-Ladeninhaber wollen jetzt zehn Millionen Dollar Schadenersatz von Starbucks - was wohl in etwa dem Preis eines echten Einhorns entspräche, sollte es irgendwo auftauchen und käuflich sein.

© SZ vom 09.05.2017/vd
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