Süddeutsche Zeitung

Kirch gegen Breuer:Kampf um Milliarden

Leo Kirch ringt erneut per Klage gegen den früheren Deutsche-Bank-Chef Breuer - von allen Prozessen zwischen beiden ist es der wichtigste.

Daniela Kuhr

An diesem Dienstag geht der Kampf des Medienunternehmers Leo Kirch in eine neue Runde. Die wievielte es ist, kann wohl niemand mehr zählen. Fest steht nur: Wieder ist der Schauplatz ein Gerichtssaal, und wieder sind die Gegner die Deutsche Bank und ihr früherer Vorstandschef Rolf Breuer. Seit Jahren überzieht Kirch die beiden mit Klagen und Strafanzeigen, weil er sie für den Untergang seines Medienimperiums verantwortlich macht.

Doch von all den Gefechten, die der mittlerweile 82-Jährige geführt hat, ist der Prozess, der nun vor dem Landgericht München fortgesetzt wird, der wichtigste. Endlich geht es um die alles entscheidende Frage, in welcher Höhe Kirch Schadenersatz verlangen kann - von der Bank und von Breuer persönlich.

Zweistelliger Milliardenbetrag

In zwei Klagen fordert Kirch insgesamt mehr als 3,5 Milliarden Euro. Dabei sei die Summe nur eine erste Forderung, betont Kirchs Anwalt Franz Enderle. Letztlich komme man auf einen zweistelligen Milliardenbetrag, wenn man alle Schadenspositionen zusammenrechne, die Breuer mit seinem Interview vom Februar 2002 verursacht haben soll.

Damals hatte der Deutsche-Bank-Chef im Gespräch mit einem Fernsehsender die Kreditwürdigkeit der Kirch-Gruppe angezweifelt. Kurz darauf musste Kirch Media als Erste der Kirch-Gesellschaften Insolvenz anmelden.

Der Bundesgerichtshof hat bereits 2006 festgestellt, dass Breuer mit dem Interview tatsächlich einige Pflichten der Bank verletzt hat. Das war allerdings nur ein Teilsieg für Kirch. Zum einen ließ der BGH offen, in welcher Höhe Kirch Schadenersatz verlangen könnte. Zum anderen beschränkte er Kirchs Ansprüche auf die Schäden, die der Print-Beteiligungs-GmbH entstanden sind. Eigentlich hatte Kirch Schadenersatz für die gesamte Kirch-Gruppe gefordert und nicht nur für eine Tochtergesellschaft.

Doch so schnell gibt ein hartgesottener Unternehmer wie Kirch nicht auf. In einer der beiden Klagen, die er in München eingereicht hat, fordert er indirekt - über eine Firma namens KGL Pool - Schadenersatz auch für 17 andere frühere Kirch-Gesellschaften. Um diese Klage geht es an diesem Dienstag, die zweite Klage wird erst im Mai weiterverhandelt. Zum Prozessauftakt im November hatte das Gericht allerdings Zweifel erkennen lassen. Die KGL Pool habe kaum Vermögen und sei daher nicht in der Lage, im Fall einer Niederlage die Prozess- und Anwaltskosten zu übernehmen. Möglicherweise sei die Klage "sittenwidrig".

Diesen Vorwurf weist Kirch-Anwalt Enderle zurück. Es sei immer sichergestellt gewesen, dass die Kosten im Zweifelsfall von Kirch persönlich übernommen würden, sagt er. Doch jetzt habe man den Betrag auch noch hinterlegt. "Die Bedenken müssten damit ausgeräumt sein."

Ob an diesem Dienstag schon ein Urteil fällt, vermag er nicht zu sagen. Er kann es sich aber fast nicht vorstellen. "Dafür sind noch zu viele Fragen offen." Doch selbst wenn, wäre das in keinem Fall das letzte Wort. Entweder die Deutsche Bank oder Leo Kirch werden in Berufung gehen - und der Kampf wieder in eine neue Runde.

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SZ vom 31.03.2009/hgn
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