Kinderarmut Familienförderung: oft ineffektiv und grundungerecht

Die Lebenswirklichkeit von Familien aber ist längst eine andere. Viele Kinder zu haben, gilt nicht mehr als Ausweis von Wohlstand, es ist ein Armutsrisiko. Und arbeiten darf schon lange nicht mehr jeder. Notgedrungen hat man an die herkömmliche Familienförderung also Zusatzleistungen gehängt wie Kugeln an den Christbaum: den Kinderzuschlag für Geringverdiener, den Steuerfreibetrag für Alleinerziehende, den Unterhaltsvorschuss, das Bildungspaket für benachteiligte Kinder.

Wer solche Leistungen beantragen und miteinander verrechnen lassen muss, fühlt sich je-doch nur selten beschenkt. Er betritt eine Papierhölle besonderer Art, aus der Eltern und ihre Kinder oft über Jahre nicht herausfinden.

Familienförderung in Deutschland ist oft ineffektiv und grundungerecht. Hauptnutznießer dieses Systems aber sind die ohnehin Privilegierten, die akademisch gebildeten Gutverdiener, die grünlich angehauchten Montessori-Eltern, konservative Mittelstandsfamilien und viele linke Weltverbesserer von einst, die Kinderarmut zwar bejammern, sich in Wahrheit aber wenig darum scheren, so lange der eigene Nachwuchs fernab von Benachteiligten aufgezogen wird. Und die CDU, einst die Familienpartei? Will jetzt ein Baukindergeld, das Mittelstandsfamilien beim Wohnungskauf unterstützt. So nach dem Motto: Genug kann nie genügen.

Wer das alles nicht mehr mit ansehen mag, muss raus aus alten Denkgebäuden. Gerade bei ärmeren Kindern wächst die Chance gesellschaftlicher Teilhabe erheblich, wenn beide Eltern Geld verdienen statt nur ein Elternteil. Das Armutsrisiko sinkt dann von 16 auf fünf Prozent. Soll das gelingen, müssen viel mehr Mütter entschlossener auf den Arbeitsmarkt zurückdrängen, in Vollzeit. Weiterführende Schulen müssen konsequent in die Lage versetzt werden, Schüler nachmittags zu betreuen und zu unterrichten, damit Armut - die im Kopf - sich nicht vererbt.

In einem Land, das im vergangenen Jahr einen Überschuss von 23 Milliarden Euro erwirtschaftet hat, muss das drin sein. Und der Fehlanreiz des Ehegattensplittings gehört abgeschafft.

So wie es ist, kann es nicht bleiben

Das Geld daraus sollte in einen Feldversuch wie den in Finnland gesteckt werden. Dort bekommen 2000 Erwachsene jetzt zwei Jahre lang ein bedingungsloses Grundeinkommen. Am Ende wird geschaut, ob es ihnen hilft, auf eigenen Beinen zu stehen.

Das Gleiche sollte Deutschland mit einem Grundeinkommen für Kinder ausprobieren. Es würde Eltern statt anderer sozialer Leistungen ausbezahlt. Stellt sich heraus, dass sie von dem Geld nur Zigaretten und Flachbildschirme kaufen, ist die Idee gescheitert. Zeigt sich aber, dass das Modell Türen aufstoßen kann in ein selbstbestimmtes Leben, ist Umdenken gefragt, hin zum Kindergrundeinkommen.

So wie es ist, kann es jedenfalls nicht bleiben. Es nehmen zu viele Leben Schaden, bevor sie richtig angefangen haben.

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Bedingungsloses Grundeinkommen

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1000 Euro, jeden Monat, für jeden Bürger - die Idee klingt verlockend. Aber funktioniert das wirklich?   Von Thomas Fromm und Lea Hampel