Das Charakteristische an einer Blase ist, dass sie im eigentlichen Sinn gar nicht existiert. Denn ob sich eine ökonomische Entwicklung als Blase herausstellt, erfährt man erst in dem Moment, in dem sie platzt. Platzt sie nicht, ist es im Grunde gar keine Blase. Platzt sie aber, ist sie keine Blase mehr, sondern nur noch eine zerfledderte Hülle, deren flüssiger oder gasförmiger Inhalt sich im Raum verteilt hat. Die Blase materialisiert sich also just in dem Moment, in dem sie sich entmaterialisiert.
Dafür, dass die Blase also gar nicht existiert, wird gerade viel Aufhebens darum gemacht. Sie ist sogar das bestimmende Thema an den Finanzmärkten, derzeit häufig in Form der Frage: „Wann platzt die KI-Blase?“ Die ist aber schon vom Ansatz her doppelt falsch. Sie setzt nämlich erstens voraus, dass die Aktienkurse rund ums Thema künstliche Intelligenz derart überhöht sind, dass man sie als Blase definieren muss. Und dass diese Blase, zweitens, zwangsläufig platzen müsse, offen sei nur noch der Zeitpunkt. Eine vermeintliche Blase kann aber auch nicht platzen, sondern einfach in sich zusammenschnurren, was sie dann endgültig zur Nicht-Blase machen würde.
Niemand kann sagen, ob die Kurse von IT-, KI- oder anderen Unternehmen überhöht sind
Man kommt bei dem Thema aber nicht nur philosophisch auf keinen grünen Zweig, sondern auch ökonomisch. Kein Mensch kann vorhersagen, ob die Kurse von IT-, KI- und allen anderen Unternehmen derart überhöht sind, dass es zwangsläufig zum Crash kommen muss. Das hängt von so vielen Unwägbarkeiten ab, dass es sinnlos ist, sich die Frage zu stellen. Trotzdem steht sie natürlich im Raum, und der Mensch ist so konstruiert, dass er Unsicherheit nur schwer aushält. Deshalb möchte er eine Antwort, zumal wenn er an der Börse investiert ist und es also um sein eigenes Geld geht.
Was sich sagen lässt, ist, dass die Risiken zugenommen haben. Unternehmen wie Open AI investieren Billionen-Beträge in Rechenzentren, ohne dass sie Gewinne machen. Derzeit verdienen nur Firmen wie Nvidia, die Chips für die künstliche Intelligenz liefern. Die entscheidende Frage ist nun, wie intelligent die künstliche Intelligenz wird, ob sie in der Lage ist, menschliche Intelligenz und Fantasie zu ersetzen. Wenn ja, werden Unternehmen damit noch unvorstellbare Gewinne machen. Aber ob es so kommt? Man weiß nur, dass man es nicht weiß.
Für Anleger ist das zutiefst frustrierend. Und es ist gut möglich, dass diese bedrohliche Unsicherheit noch jahrelang anhält. Nicht jede und jeder hält es aus, ständig daran zu denken, dass das eigene Depot jederzeit um 20, 30 oder noch mehr Prozent an Wert verlieren könnte.
Der Trick: Langfristig und breit gestreut anlegen – so wie immer
Wie also sollen Anleger mit der vermeintlichen KI-Blase umgehen? Am besten so, wie sie idealerweise mit ihren Investitionen umgegangen sind, als von einer KI-Blase noch keine Rede war: nicht auf einzelne Branchen setzen, sondern das Geld auf viele verschiedene Länder und Bereiche verteilen. Noch wichtiger ist es, langfristig anzulegen, also mindestens auf zehn Jahre. Denn kurzfristig, auch auf Sicht einiger Jahre, kann es an der Börse immer abwärtsgehen, manchmal auch sehr steil.
Zum Test können Anleger sich den langfristigen Kursverlauf des Deutschen Aktienindex anschauen, speziell die Jahre 2000 bis 2010. Damals ging es nämlich zweimal um bis zu 60 Prozent nach unten. Erst nach gut zehn Jahren wurde der alte Höchststand wieder eingestellt, und seitdem geht es fast ununterbrochen aufwärts. Der Börsenboom hält schon 15 Jahre an, viele Anleger haben sich daran gewöhnt. Doch sie sollten sich immer vor Augen führen, dass es auch dürre Jahre geben kann. Trotzdem ist die Geldanlage an der Börse die beste Wahl – aber eben langfristig und so, dass man dabei trotzdem gut schlafen kann.
Das alles heißt nicht, dass es wieder so kommen muss wie zwischen 2000 und 2010. Es kann sein, dass die KI die Hoffnungen der Investoren erfüllt. Dann, so viel steht fest, wäre es endgültig keine Blase. Es kann auch sein, dass sie platzt und sich in dem Moment als Blase herausstellt. Aber auch in diesem Fall lässt sich jetzt schon festhalten: Selbst eine geplatzte Blase ist nicht das Ende aller Zeiten.


