Kfz-VersicherungWieso Berliner besonders viel für ihre Autoversicherung bezahlen müssen

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Der Stau nervt, teuer ist es auch: Autofahrer auf dem Kaiserdamm in Berlin.
Der Stau nervt, teuer ist es auch: Autofahrer auf dem Kaiserdamm in Berlin. Michael Kappeler/dpa
  • Kfz-Versicherungen kosten je nach Wohnort unterschiedlich viel - ein Berliner zahlt für dieselbe Versicherung 58 Prozent mehr als ein Münsteraner.
  • Mehr als zehn Millionen Fahrerinnen und Fahrer werden durch neue Regionalklassen des GDV in andere Beitragskategorien eingestuft.
  • Offenbach und Berlin haben die schlechteste Schadenbilanz mit fast 40 Prozent höheren Schäden als der Durchschnitt.
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Wie viel eine Kfz-Versicherung kostet, hängt nicht nur von Autotyp und Fahrer ab. Auch der Wohnort spielt eine große Rolle. Besonders teuer fährt es sich in Offenbach – und in der Hauptstadt.

Von Christian Bellmann, Köln

Derselbe Kunde, dasselbe Auto, identischer Versicherungsschutz – und trotzdem ein Preisunterschied von 58 Prozent zwischen Berlin und Münster: Die Versicherung eines Autos kostet je nach Wohnort unterschiedlich viel. Das liegt unter anderem an den sogenannten Regionalklassen, die der Versichererverband GDV einmal im Jahr berechnet.

Die Klassen spiegeln die Schadensbilanz der 413 Zulassungsbezirke wider, die Kfz-Versicherern verwenden sie zur Kalkulation der Autoversicherungsbeiträge. Entscheidend ist dabei nicht, wo ein Schaden entstanden ist, sondern in welchem Zulassungsbezirk der Fahrzeughalter seinen Wohnsitz hat.

Der GDV hat nun die aktualisierten Regionalklassen für das kommende Versicherungsjahr veröffentlicht: Mehr als zehn Millionen Fahrerinnen und Fahrer werden in der Kfz-Haftpflichtversicherung in eine andere Klasse eingestuft: 48 Bezirke beziehungsweise rund 5 Millionen Menschen kommen in eine höhere und damit teurere Klasse, 51 Bezirke beziehungsweise rund 5,3 Millionen Menschen in eine niedrigere, durch die sie künftig weniger zahlen.

Der gleiche Mann, das gleiche Auto, 464 Euro Unterschied

Für die meisten Autofahrer ändert sich nichts. In 314 Bezirken, in denen rund 32 Millionen Kfz-Haftpflichtversicherte ihren Wohnsitz haben, gibt es keine Anpassungen. Die Regionalklasse ist nur ein Faktor von vielen, die Auswirkungen auf die Höhe des Versicherungsbeitrags haben – in die Kalkulation fließen auch persönliche Angaben wie Alter, Wohnort und die persönliche Schadenfreiheitsklasse ein, außerdem die Daten des Autos und die jährliche Kilometerleistung. Dennoch kann es in Einzelfällen zu erheblichen Preisunterschieden kommen.

Der Unterschied zwischen Berlin-Mitte und Münster, den das Vergleichsportal Verivox aktuell berechnet hat, ist besonders drastisch: Ein 45-jähriger Berliner würde für die Haftpflichtversicherung seines VW Passat sowie für optionalen Vollkaskoschutz 464 Euro mehr zahlen als in Münster. Das ist ein Unterschied von 58 Prozent. Für die Teilkasko müsste der Mann, der in der Beispielrechnung 15 000 Kilometer im Jahr zurücklegt und die Schadenfreiheitsklasse 10 hat, in Berlin 50 Prozent (233 Euro) mehr ausgeben, für die Haftpflicht immerhin 29 Prozent (103 Euro).

Sogar auf engstem Raum kann es gravierende Abweichungen geben: Laut Verivox zahlt ein Autofahrer in Berlin-Buckow für die Vollkasko 425 Euro mehr, als er in Schönefeld in Brandenburg direkt hinter der Stadtgrenze zahlen würde. Obwohl beide Wohnorte nur von einer Straße getrennt werden, sorgt die Einstufung für einen Preisunterschied von 51 Prozent. Die Teilkasko ist in Buckow 38 Prozent (194 Euro) teurer, die Haftpflicht kostet 42 Prozent (138 Euro) mehr.

Am Land fahren die Menschen günstiger

Grundsätzlich haben viele Städte „schlechtere“ Regionalklassen als ländliche Gegenden. „Höhere Klassen haben sich vor allem in Hessen und Nordrhein-Westfalen ergeben: Hier wird fast jeder vierte Autofahrende hochgestuft“, berichtet GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen. „Die schlechteste Schadensbilanz hat Offenbach, dicht gefolgt von Berlin.“

In beiden Städten liegen die Schäden nach Angaben des Verbands fast 40 Prozent über dem Schnitt, im Bezirk Elbe-Elster in Brandenburg sind sie dagegen rund 30 Prozent niedriger. Vergleichsweise gute Schadensbilanzen in der Kfz-Haftpflicht weisen Brandenburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern auf.

Für die Kaskoversicherungen ändert sich durch die aktuelle GDV-Regionalstatistik wenig: 33,4 Millionen Menschen behalten die aktuellen Klassen, für rund 2,1 Millionen Voll- oder Teilkaskoversicherte gelten künftig höhere Einstufungen, für rund 2,6 Millionen niedrigere.

Es gibt Möglichkeiten, die Kosten zu senken

Für diejenigen, die jetzt in einer teureren Regionalklasse sind, kommt die damit verbundene Preiserhöhung zur Unzeit: Autobesitzer mussten zuletzt teilweise drastische Preiserhöhungen in der Autoversicherung hinnehmen, weil die Anbieter in den vergangenen beiden Jahren Verluste von rund fünf Milliarden Euro erlitten haben. Grund waren die enormen gestiegenen Ersatzteilpreise und Reparaturkosten, die noch einmal deutlich über der ohnehin schon hohen Inflation lagen.

Wohl kaum ein Autobesitzer dürfte wegen einer ungünstigeren Regionalklasse über einen Umzug nachdenken. Dennoch gibt es Möglichkeiten, um auf steigende Beiträge zu reagieren: Kunden können eine höhere Kasko-Selbstbeteiligung vereinbaren, die Zahlweise von monatlich auf jährlich umstellen und prüfen, ob sie weniger Kilometer zurücklegen, als sie zuvor angegeben haben. Auch durch einen Tarif mit Werkstattbindung lässt sich Geld sparen.

Sparpotenzial bieten zudem sogenannte Telematik-Versicherungen, bei denen die eigene Fahrweise Einfluss auf die Beitragshöhe hat. Telematik-Tarife bieten je nach Versicherer einen Rabatt von bis zu 30 Prozent, allerdings werden sie in Deutschland nur von wenigen Versicherern angeboten – dazu zählen Allianz, HUK-Coburg, LVM und VHV.

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