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Staatliche Förderbank:Investmentbanker soll KfW führen

Citigroup-Banker Stefan Wintels soll neuer KfW-Chef werden

Stefan Wintels gilt als gut vernetzt in der Politik, hat auch Landesbanken und Sparkassen beraten.

(Foto: Citigroup/dpa)

Die Bundesregierung holt den neuen Chef der Förderbank von außen. Eine interne Kandidatin geht hingegen leer aus.

Von Meike Schreiber, Frankfurt

Erst zu Jahresanfang hat die Bundesregierung strengere Vorgaben für eine Frauenquote in Vorständen von Aktiengesellschaften auf den Weg gebracht. Nun lässt die schwarz-rote Koalition ihrerseits offenbar eine Chance verstreichen, eine Frau an die Spitze eines großen, bundeseigenen Unternehmens zu holen. Finanzkreise bestätigten am Dienstag, dass der langjährige Citigroup-Deutschlandchef Stefan Wintels, 54, neuer Chef der Förderbank KfW werden soll. Die Koalition habe sich darauf geeinigt, Wintels zum Nachfolger von Günther Bräunig zu ernennen, dessen Vertrag an der Spitze der Bank im Sommer ausläuft.

Die Personalie soll am Mittwoch im Kabinett abgesegnet werden. In der nächsten KfW-Verwaltungsratssitzung am 23. Juni soll Wintels ernannt werden. Die Förderbank, die Citigroup sowie das Bundeswirtschafts- und Bundesfinanzministerium wollten sich nicht dazu äußern. Möglicherweise bleibt Bräunig übergangsweise im Amt, bis Wintels den Posten antrete. Das Bundesfinanzministerium sagte der Welt, die zuerst über die Personalie berichtet hatte, man sei mit der Entscheidung zufrieden.

Dem Vernehmen nach war Wintels der Wunschkandidat der SPD. Er hat kein Parteibuch, kennt aber Finanzminister Olaf Scholz (SPD) aus dessen Zeit als Hamburger Bürgermeister, als die Citi die Hansestadt bei der Privatisierung der damaligen HSH Nordbank beriet. Auch zu Finanzstaatsekretär Jörg Kukies soll Wintels einen guten Draht haben. Die Union soll sich ursprünglich für Ingrid Hengster ausgesprochen haben, die im Vorstand der KfW seit einigen Jahren für das Inlandsgeschäft zuständig ist und ebenfalls Interesse an dem Posten gehabt haben soll.

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Ingrid Hengster 2020 bei einer Podiumsdiskussion der SZ.

(Foto: Johannes Simon)

Mit dem Förderkreditgeschäft hatte Wintels anders als Hengster bislang indes noch nicht direkt zu tun. Er arbeitet bereits seit 2001 für die Citigroup und hat dort allem voran andere Banken bei Fusionen, Übernahmen und Börsengängen beraten. Er gilt als gut vernetzt in der Politik, hat auch Landesbanken und Sparkassen beraten. Die Citi hatte Wintels erst 2020 zum weltweiten Co-Chef bei der Beratung von Finanzdienstleistern befördert. Bei der KfW muss er finanziell kürzertreten. Günther Bräunig kam zuletzt auf eine Vergütung von rund 813 000 Euro.

Die KfW gehört zu 80 Prozent dem Bund. SPD-Finanzminister Scholz und CDU-Wirtschaftsminister Peter Altmaier wechseln sich an der Spitze des Verwaltungsrats ab. Anders als früher, als die Bank noch nicht von der Finanzaufsicht überwacht wurde, ist es zwar nicht mehr üblich, die Vorstandsposten mit Politikern zu besetzen. Zuletzt hatte der Verwaltungsrat die Bankerin Christine Laibach zur Vorständin für den Bereich Export- und Projektfinanzierung ernannt. Dennoch spielt Parteienproporz weiter eine Rolle. Die KfW sitzt immer mit am Tisch, wenn es in Deutschland um Förderkredite geht, sei es für Immobilien, Windkraftanlagen oder zuletzt die Corona-Hilfen. Mit Verweis auf das Risiko für die Bank kann ein KfW-Chef politische Wohltaten blockieren. Die Unionsparteien betrachten den Posten eigentlich als Erbhof, der nur einmal an die Sozialdemokratin Ingrid Matthäus-Maier ging.

© SZ
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