Kerosinpreise setzen Fluglinien unter Druck:Wenn die Luft ausgeht

Viele kleine Fluggesellschaften konnten wegen der hohen Treibstoffpreise ihre Umsatzziele nicht einhalten - und müssen jetzt reihenweise den Betrieb einstellen.

Jens Flottau

Für die Kunden hat Eos Airlines noch einen emotionalen Brief auf die Webseite gestellt. "An unsere geschätzten Gäste" schrieb Eos am Wochenende, dass es leider nur noch einige wenige Flüge zwischen London und New York gebe, bevor der Betrieb ganz eingestellt werde. Obwohl doch zwischen der Airline und ihren Kunden ein ganz besonderes Verhältnis entstanden sei, seien nun "einige Dinge" aufgetreten, die weitere Flüge verhinderten.

Kerosinpreise setzen Fluglinien unter Druck: Ersatzlos gestrichen: Einige kleine Airlines sind durch die explodierenden Rohstoffpreise in Probleme geraten und müssen dicht machen.

Ersatzlos gestrichen: Einige kleine Airlines sind durch die explodierenden Rohstoffpreise in Probleme geraten und müssen dicht machen.

(Foto: Foto: dpa)

Eos ist das vorerst letzte Opfer in einer Liste kleiner Fluggesellschaften, die in den vergangenen Wochen aufgeben mussten. Sie haben einiges gemeinsam: Sie konzentrieren sich auf Nischenmärkte und sind allesamt erst kürzlich gegründet worden. Und: Ihnen ist beim derzeitigen Ölpreis jenseits von 110 Dollar zuerst das Geld ausgegangen.

Spezialanbieter unter Druck

Im Dezember 2007 stellte Maxjet den Betrieb ein - eine Business-Class-Airline, die ihre Maschinen zwischen London und New York pendeln ließ, der wohl lukrativsten Langstrecke. Wenige Wochen später war Oasis Hongkong am Ende. Oasis flog mit vier 350-sitzigen Boeing 747 von Hongkong nach London und Vancouver. Und nun ist mit Eos schon der zweite Spezialanbieter für Luxusflüge zwischen London und New York am Ende. Der dritte, die in London-Luton ansässige Silverjet, musste jüngst einräumen, die Ergebnisziele für März nicht zu erreichen, und sucht seit Monaten nach einem Käufer.

Solange es nur Maxjet und Oasis waren, konnte man gut argumentieren, die beiden hätten eben eine falsche Strategie verfolgt. Maxjet bot den Passagieren zwar billige Preise, aber keine guten Schlafsessel, die hochbezahlte Manager auf ihrer Reise zwischen den Finanzmetropolen erwarten. Oasis trat mit Niedrigpreisen an, beließ es aber bei der komfortablen Innenausstattung von Singapore Airlines, der sie die Maschinen abgekauft hatte. "Ich habe sowieso nie an deren Geschäftsmodell geglaubt", lästerte jüngst Tony Tyler, Chef von Cathay Pacific.

Verhandlungen kamen zu spät

Doch die Pleite der noblen Eos, die in eigentlich 210-sitzige Boeing 747 nur 48 Sessel einbauen ließ, macht den Schweinezyklus deutlich. In guten Zeiten tauchen neue Anbieter mit ungewöhnlichen Geschäftsmodellen auf, für die sie erstaunlich leicht auch Investoren gewinnen können. Wenn der Markt kippt, dann sind sie oft die ersten, die nicht durchhalten.

Meistens ist es ein wirtschaftlicher Abschwung, der die Pleiten auslöst. Dieses Mal sind es die hohen Treibstoffpreise und der fehlende Zugang zu frischem Kapital. Eine Rezession bei Fluggesellschaften, die sich durch sinkende Preise bemerkbar macht, entspricht laut Gary Chase von Lehman Brothers etwa einem um acht Dollar steigenden Ölpreis. In den vergangenen drei Monaten ist der Preis aber um nahezu 30 Dollar gestiegen.

Eos befand sich in Verhandlungen mit einem Investor, der 50 Millionen Dollar zuschießen sollte. Das Geld hätte Eos-Chef Jack Williams zufolge gereicht, um 2008 zu meistern. Für 2009 erwartete Eos nach drei Betriebsjahren den ersten Gewinn.

© SZ vom 29.4.2008/jkf/jkr
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