Der krisengeschüttelte Warenhaus- und Touristikkonzern Arcandor will nach Informationen der Süddeutschen Zeitung Insolvenz anmelden. In Verhandlungskreisen hieß es übereinstimmend, das Management des Karstadt-Mutterkonzerns habe beschlossen, keinen neuen Antrag auf Staatshilfe zu stellen. Das habe Konzernchef Karl-Gerhard Eick dem Kanzleramt persönlich mitgeteilt. Die bisherigen Hilfegesuche des Unternehmens waren am Montag von der Bundesregierung abgelehnt worden.

Der MDax-Konzern bestätigte, beim Amtsgericht Essen Anträge auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens wegen drohender Zahlungsunfähigkeit für die Arcandor AG sowie drei Tochterunternehmen gestellt zu haben. Dabei handelt es sich um die Karstadt Warenhaus GmbH, die Primondo GmbH und die Quelle GmbH. Nicht betroffen seien die Thomas Cook Group plc, die Primondo-Specialty Group GmbH mit ihren Tochter- und Beteiligungsgesellschaften sowie der Homeshopping-Sender HSE24, hieß es in einer Mitteilung.
Regierung pochte auf Nachbesserungen
Eick hatte in der Nacht zu Dienstag versucht, die Arcandor-Großaktionäre, die Gläubigerbanken und die Vermieter der Karstadt-Warenhäuser zu weiteren finanziellen Zugeständnissen zu bewegen. Diese gingen für den von der Regierung verlangten "substantiell verbesserten" neuen Kredit- und Bürgschaftsantrag aber offenbar nicht weit genug.
Die vom interministeriellen Ausschuss geforderte Verbesserung des Antrags auf Rettungsbeihilfe sei "nicht erreichbar" gewesen, teilte Arcandor dann am Dienstag mit. "Damit bestand keine nachhaltige Finanzierungsperspektive mehr."
Merkel spricht Mitarbeitern Mut zu
Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat den vom Insolvenzverfahren betroffenen 43.000 Mitarbeitern Mut für die Zukunft gemacht - Merkel bezeichnete die Insolvenz als Chance. Das Unternehmen könne nun den Beschäftigten etwa im Zusammengehen mit Metro neue Möglichkeiten eröffnen, sagte die Kanzlerin in Berlin. Die Politik werde dies, soweit sie es könne, begleiten.
Die Verhandlungen zwischen Arcandor und dem Rivalen Metro über eine Zusammenlegung der Warenhausketten Karstadt und Kaufhof sollen offenbar auch nach der Einreichung des Insolvenzantrags weitergehen.
Außerdem hat die Staatsanwaltschaft Essen Ermittlungen gegen Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick eingeleitet. Bereits in der vergangenen Woche war die Anzeige eines Privatmannes eingegangen. Der Vorwurf: Insolvenzverschleppung. Die Justiz ermittelt.