Warenhäuser Kaufhof baut bis zu 5000 Jobs ab

Passanten vor einer Kaufhof-Filiale in Berlin. Bis zu 5000 Jobs sollen bei dem Warenhauskonzern wegfallen.

(Foto: Krisztian Bocsi/Bloomberg)
  • Dem Warenhaus-Unternehmen Kaufhof, das Ende November mit dem Konkurrenten Karstadt fusioniert hat, steht ein umfangreiches Sanierungsprogramm bevor.
  • "Im derzeitigen Zustand ist Galeria Kaufhof nicht überlebensfähig", sagte der Chef des neuen Gemeinschaftsunternehmens, Stephan Fanderl.
  • Sitz der Warenhaus-Holding aus Karstadt und Kaufhof soll überraschenderweise Essen werden und nicht Köln.
Von Michael Kläsgen

Die Mitarbeiter des angeschlagenen Warenhauskonzerns Galeria Kaufhof, der seit kurzem Teil eines Gemeinschaftsunternehmens mit dem Konkurrenten Karstadt ist, müssen sich auf harte Einschnitte vorbereiten. Am Freitagmorgen kamen die Führungskräfte der neuen Warenhausholding in Essen zusammen und beschlossen ein umfangreiches Sanierungsprogramm für Kaufhof.

Im Zuge der Sanierung werden 2600 Vollzeitstellen bei Kaufhof gestrichen, teilte der Konzern am Freitagabend mit. Das ist etwa jede fünfte Stelle. Wegen der hohen Teilzeitquote sind die Jobs von 4000 bis 5000 Mitarbeitern bedroht. Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi zählte Kaufhof im September 2018 noch etwa 14 220 Vollzeitstellen. 2017 waren es noch mehr als 15 000.

Damit bestätigen sich Befürchtungen, die es bereits im Zuge der Gespräche um eine Fusion der beiden Unternehmen gab. Kaufhof steht deutlich schlechter da als Karstadt, das zuletzt wieder schwarze Zahlen schrieb, wenn auch auf kleinem Niveau. "In seinem derzeitigen Zustand ist Galeria Kaufhof langfristig nicht überlebensfähig", sagte Stephan Fanderl, Chef des Gemeinschaftsunternehmens, nach SZ-Informationen bei dem Treffen.

Der Aufsichtsrat hatte das Sparprogramm bereits am Mittwoch in Grundzügen gebilligt. Auf einer außerordentlich einberufenen Mitarbeiterversammlung wurde die Belegschaft am Freitagmorgen über die bevorstehenden Einschnitte informiert. Auch die Sozialpartner wurden unterrichtet.

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Wie die SZ aus Unternehmenskreisen erfuhr, wird der Sitz des neuen Gemeinschaftsunternehmens in Essen sein, der bisherigen Unternehmenszentrale von Karstadt. Dorthin werden alle wesentlichen Führungs- und Verwaltungsfunktionen von Kaufhof verlagert. Fanderl erklärte, er werde nicht notwendige administrative Tätigkeiten streichen und Doppelfunktionen sowie unnötige Hierarchieebenen abbauen. Das hatte er zuvor auch so als Chef von Karstadt getan.

Von der ehemaligen Kaufhof-Zentrale in Köln wird nach den Plänen nicht viel übrigbleiben. Sanierungsbedingte Filialschließungen sind bislang nicht geplant. An Standorten, an denen Mietverträge auslaufen, sind Schließungen allerdings möglich.

Fanderl soll auf der Mitarbeiterversammlung angekündigt haben, dass Kaufhof "umgehend" aus der Tarifbindung aussteigen müsse. Dies sei wegen der wirtschaftlichen Schieflage des Unternehmens "alternativlos". Das bedeute jedoch nicht, dass er Tarifverträge grundsätzlich ablehne. Vielmehr strebe er eine auf die wirtschaftliche Notsituation von Kaufhof zugeschnittene Tariflösung an, also einen sogenannten Haustarifvertrag, wie er auch bei Karstadt eingeführt worden war, als sich das Unternehmen in Schwierigkeiten befand. Verhandlungen hatte Kaufhof darüber bereits mit Verdi geführt. Fanderl bezeichnete das Sanierungsprogramm als "Rettungsmaßnahme". Die wirtschaftliche Gesundung des Karstadt-Warenhauses, dessen Chef er zuletzt war, habe gezeigt, dass langfristig eine Wende zum Besseren möglich ist.

Kaufhof gehört seit Ende November mit Karstadt zu einem gemeinsamen Warenhauskonzern. Der frühere Kaufhof-Eigner, die kanadische Hudson's Bay Company (HBC), hatte der Fusion im vergangenen Jahr nach langem Zögern zugestimmt. Die Nordamerikaner sind mit 49,99 Prozent an dem Gemeinschaftsunternehmen mit Karstadt beteiligt, das europaweit etwa 240 Filialen betreibt, einen Umsatz von etwa fünf Milliarden Euro macht und noch 32 000 Mitarbeiter beschäftigt. Mehrheitseigner ist die Signa Holding des österreichischen Investors René Benko.

Das Weihnachtsgeschäft lief enttäuschend

Der Niedergang von Kaufhof begann mit der Übernahme durch HBC Ende 2015. Die Kanadier hatten Kaufhof damals der Düsseldorfer Metro AG abgekauft. Das Geschäft von Kaufhof verschlechterte sich Ende vergangenen Jahres weiter. Mit einem Minus von fast vier Prozent gegenüber dem Vorjahr blieb das Weihnachtsgeschäft 2018 den Angaben zufolge deutlich hinter den Erwartungen zurück. Auch das Online-Geschäft sei enttäuschend verlaufen, es entwickelte sich mit einem Minus von fast einem Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gegen den Markttrend.

Um den Geschäftsbetrieb nicht zu gefährden, investierte Signa im vergangenen November offiziellen Angaben zufolge einen hohen Millionenbetrag und plant nun kurzfristig, eine weitere dreistellige Millionensumme zuzuschießen.

In der ehemaligen Kaufhof-Hauptverwaltung wird den Plänen zufolge lediglich ein Kompetenz-Center für Digitalisierung, Onlinehandel und das Geschäft mit reduzierter Marken-Bekleidung geschaffen. Das Geschäft mit Restposten von Markenartikeln wächst. Die bisher getrennten Ansätze in dem Bereich, Look&Viel von Karstadt und Saks off 5th von HBC, werden unter der Marke Dress-for-Less der Signa-Gruppe gebündelt. Das neue Format soll zunächst mit Shops in den Warenhäusern von Karstadt und Kaufhof getestet werden.

Das Gastronomie- und Lebensmittelgeschäft von Le Buffet (Karstadt) und Dinea (Kaufhof) wird am Standort Köln-Porz zusammengefasst und auf Dinea übergehen. Auch die Lohnbuchhaltung bleibt als Teil eines neuen gemeinsamen Personalbereiches in Köln erhalten. Die 15 Food-Abteilungen sowie der Food-Einkauf von Kaufhof wird den Angaben zufolge in Karstadt Feinkost eingegliedert. Die defizitären Lebensmittel-Filialen in Fulda und Düsseldorf-Wehrhan sollen schließen.

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