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Kaufhof:Krisentreffen

Manager des Mutterkonzerns HBC müssen sich vor Banken rechtfertigen - offenbar schon an diesem Freitag. Die Gespräche könnten im besten Fall mit einer Mahnung enden, im schlimmsten Fall zur Kündigung eines Darlehensvertrages führen.

Von Michael Kläsgen

So hatte sich die Hudson's Bay Company (HBC) das nicht vorgestellt, als sie vor knapp zwei Jahren Galeria Kaufhof übernahm. Die Nordamerikaner hatten erwartet, allein die bekannten Marken Hudson's Bay und Saks Off 5th würden Massen in den Kaufhof locken. Insgeheim hatten sie auch gehofft, den damals noch kriselnden Konkurrenten Karstadt in einem zweiten Schritt übernehmen zu können. Doch es kam alles anders.

An diesem Freitag soll nach Informationen der Süddeutschen Zeitung ein Krisentreffen zwischen HBC-Management und Vertretern der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) stattfinden. LBBW gab dazu keinen Kommentar ab. Ein HBC-Sprecher sagte, die Information sei falsch.

Die LBBW führt ein Kreditkonsortium an, das den Ankauf der Kaufhof-Immobilien im September 2015 mit 1,34 Milliarden Euro finanziert hatte. Die Gespräche könnten zur Kündigung des Darlehensvertrages führen.

Dabei soll es nicht die LBBW sein, die am kritischsten hinterfragt, ob HBC bestimmte Klauseln in dem Darlehensvertrag einwandfrei erfüllt. Die Stimmen der Kritiker werden dem Vernehmen nach von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) und der Ergo Versicherung angeführt. Wie es heißt, zielt ihre zentrale Frage darauf ab, herauszufinden, ob die von HBC gegenüber der Mieterin Galeria Kaufhof durchgesetzten Mieterhöhungen bei der Übernahme Bestand haben.

Der wichtigste Grund für ihre Zweifel soll sein, dass HBC den Kreditgebern Gewinne bei der Mieterin Galeria Kaufhof versprochen hatte, der Kölner Warenhauskonzern seit Anfang des Jahres aber im Vergleich zum Vorjahreszeitraum steigende Verluste geschrieben hat. Laut Kreditvertrag muss der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) jedoch positiv sein. Tatsächlich war er aber in den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres negativ.

Das Geschäftshalbjahr endete ebenso wie die Frist zur turnusmäßigen Überprüfung der Klauseln im Kreditvertrag am vergangenen Montag. Wegen der schlechten Geschäftszahlen haben die Banken daher Gesprächsbedarf. Ausschlaggebend war auch, dass der Warenkreditversicherer Euler Hermes die Kreditlinie für Kaufhof-Lieferanten um 80 Prozent gekürzt hat. Mit Euler Hermes führt HBC Branchenkreisen zufolge ebenfalls am Freitag Gespräche.

HBC betont, gegenüber den Banken allen Anforderungen vollständig nachgekommen zu sein und auch in Zukunft alle Verpflichtungen zu erfüllen. Tatsächlich soll es einen gewissen Interpretationsspielraum bei der Auslegung mancher Klauseln geben. So soll HBC beispielsweise außergewöhnliche Ereignisse angeführt haben, wie den Terroranschlag in Berlin im vergangen Dezember. Er habe für Verunsicherung bei den Verbrauchern geführt. In Wirklichkeit ist das Konsumklima in Deutschland so gut wie seit Jahren nicht. Mitglieder des Konsortiums sollen der LBBW deswegen bereits am Dienstag schriftlich mitgeteilt haben, dass sie das Ebit-Kriterium für nicht erfüllt ansehen.

Es gibt kaum Erfahrungswerte darüber, was LBBW in dem Fall am wahrscheinlichsten tut. Wenn der Vertrag es zulässt, könnten nach Auskunft von Experten einzelne Finanzpartner aus dem Konsortium aussteigen. Nutzen könnte das Szenario dem österreichischen Immobilienhändler René Benko, zu dessen Signa Holding seit 2014 Karstadt gehört.

© SZ vom 04.08.2017
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