Kaufhaus-Fusion Die nächste Hiobsbotschaft für den Pott

Filialen von Karstadt und Kaufhof in Düsseldorf: Beide Ketten sind in Nordrhein-Westfalen zuhause.

(Foto: Marius Becker/dpa)
  • Große Konzerne, die das Ruhrgebiet über Jahrzehnte geprägt haben, wollen demnächst Tausende Arbeitsplätze abbauen.
  • Die Fusion von Kaufhof und Karstadt ist der nächste schwere Schlag für die Region. 5000 Stellen sollen wegfallen, etliche davon wohl in Nordrhein-Westfalen.
Von Benedikt Müller, Düsseldorf

Wenn Karstadt demnächst den Konkurrenten Kaufhof übernimmt, stehen viele Beschäftigte vor einer ungewissen Zukunft: Der fusionierte Konzern soll bis zu 5000 Stellen streichen - zumindest, wenn es nach den Banken geht. Weil viele Firmen nach Zusammenschlüssen zunächst doppelte Kosten in der Verwaltung sparen wollen, gefährdet die Fusion von Karstadt und Kaufhof viele Arbeitsplätze in Köln und Essen, wo die Traditionskonzerne bislang ihre Zentralen haben.

Dieser drohende Stellenabbau reiht sich in eine Serie von Entscheidungen ein, die der Strukturwandel an Rhein und Ruhr zeitigt. Gerade große Konzerne, welche die Region über Jahrzehnte geprägt haben, bauen Tausende Arbeitsplätze an ihren Traditionsstandorten ab. Was an anderer Stelle neu entsteht, kann die wegfallenden Arbeitsplätze nur teilweise kompensieren.

Beispielsweise will der Ruhrkonzern Thyssenkrupp bis zu 2000 Stellen streichen, wenn er seine Stahlsparte in ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Konkurrenten Tata einbringt. Die Hälfte entfällt auf die Verwaltung mit Hauptsitz Duisburg. Wenn der Versorger Eon demnächst den Konkurrenten Innogy übernimmt, sollen bis zu 5000 Arbeitsplätze wegfallen. Die Zentralen beider Firmen sind in Essen. Und die Telekom-Tochter T-Systems will in den nächsten Jahren bis zu 5600 Stellen streichen. Der Abbau beginnt in der Verwaltung.

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Die Gründe sind freilich verschieden: Karstadt und Kaufhof leiden darunter, dass ihre Häuser wegen des Onlinehandels an Bedeutung verlieren. Thyssenkrupp kämpft damit, dass weltweit mehr Stahl hergestellt als nachgefragt wird. Die Energiekonzerne haben zu lange auf konventionelle Kraftwerke gesetzt und suchen nun neue Geschäftsmodelle rund um die Energiewende. Und die Telekom leidet darunter, dass IT-Dienstleister in Staaten wie Indien oder Ungarn günstiger arbeiten.

Alle Unternehmen beteuern jedenfalls, dass sie kurzfristig sparen, um langfristig bestehen zu können. Vor diesem Hintergrund unterstützt auch die nordrhein-westfälische Landesregierung die Kaufhausfusion. "Dieser Schritt ist für die Zukunftsfähigkeit der beiden Unternehmen richtig", sagt Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) am Mittwoch. Karstadt sei in der Digitalisierung bereits vorangeschritten. "Auf diesem Know-how kann Kaufhof nun auch aufbauen", so Pinkwart.

Die Stadt Köln kämpft indes dafür, dass möglichst viele Arbeitsplätze erhalten bleiben. "Mit Kaufhof und Karstadt haben wir in Köln zwei bedeutende und traditionsreiche Kaufhäuser in bester Innenstadtlage, dazu die zentrale Kaufhofverwaltung", sagt Oberbürgermeisterin Henriette Reker. Hoffnung macht der Stadt, dass die Ketten nach eigenen Angaben beide Marken erhalten wollen. Die Gewerkschaft Verdi pocht darauf, dass die Ketten ihre etwa 30 000 Beschäftigten auch künftig nach Tarif bezahlen - und nicht noch weniger Personal im Verkauf einsetzen werden.