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Kaufhaus-Kette:Aldi und dm unterm Dach von Karstadt

Karstadt

Karstadt-Filiale in Düsseldorf.

(Foto: dpa)
  • Die Warenhauskette Karstadt plant SZ-Informationen zufolge eine Neuorientierung.
  • Das Unternehmen erwägt demnach, Flächen etwa an Aldi, Vapiano oder Primark zu vermieten.

Von Max Hägler, Denise Friese und Michael Kläsgen

Der Name des Strategiepapiers klingt eher einlullend: "Weiterentwicklung Verkaufsflächen". Der Inhalt des vertraulichen Schreibens, das SZ, WDR und NDR vorliegt, hat es aber in sich. Demnach könnten sich demnächst Ketten wie Aldi, Lidl, dm oder Vapiano in den Karstadt-Häusern wiederfinden - ein Novum. Für die Kunden hätte der anvisierte Umbau vielleicht sogar Charme. Arbeitnehmervertreter hingegen fürchten vor allem um die Jobs.

Vorstandschef Stephan Fanderl überlegt dem Papier zufolge, bis zu einem Drittel aller Verkaufsflächen in den Warenhäusern an "Kooperationspartner" zu vermieten. Flächen, in denen sich das eigene Geschäft nicht lohne, könnten so wenigstens Mieteinnahmen erzielen, heißt es. Damit sollten künftig zwei "Betriebstypen" erfolgreicher arbeiten: die großstädtischen "Erlebnishäuser" ("Kaufhaus des Lebens") und die Nahversorger ("Kaufhaus der Stadt") an eher kleineren Standorten. Bereits jetzt gibt es in vielen Kaufhäusern unterschiedliche Formen von Mietern. Etwa sogenannte Shop-in-Shop-Angebote oder Konzessions-Modelle, bei denen Markenartikler eine gewisse Fläche teils eigenständig betreiben, teils mit Hilfe des Warenhauspersonals. Die meisten Handelsexperten halten so ein Prinzip auch für notwendig, damit Warenhäuser attraktiv bleiben.

Den vorliegenden Plänen zufolge will Karstadt das übliche Prinzip ausweiten. Oder, wie Betriebsräte fürchten: überreizen. Als "Kooperationspartner" werden nicht mehr nur Modefirmen genannt, die ein paar Quadratmeter bekommen, sondern Modeketten wie Primark oder Tkmaxx, Drogerieketten wie dm oder Rossmann. Fürs leibliche Wohl könnten demnach L'Osteria oder Vapiano sorgen und Lebensmittel könnten Karstadt-Besucher dann bei Rewe oder Aldi einkaufen.

Von welcher Qualität wären die neuen Jobs?

Ein bequem zu nutzendes Angebot - aber eines, das Auswirkungen auf die Jobs haben könnte: "Es ist zu befürchten, dass Arbeitsplätze insgesamt noch mal in Frage gestellt werden", sagt Arno Peukes, Verhandlungsführer der Gewerkschaft Verdi. Denn ein Drittel weniger Fläche die selbst versorgt werden muss, könnte auch ein Drittel weniger Karstadt-Mitarbeiter bedeuten. In den vergangenen Jahren mussten bereits 3000 Beschäftigte gehen. Heute hat Karstadt noch etwa 13 500 Mitarbeiter. Das Unternehmen tritt den Befürchtungen entgegen. "Es gibt keine Pläne für einen Personalabbau", lässt Karstadt mitteilen.

Andererseits ist nicht ausgeschlossen, dass die Mieter sogar neue Jobs schaffen könnten. Aber von welcher Qualität wären die? Immer mehr Einzelhändler unterlaufen Tarifverträge. Und was passiert mit dem Konzept, wenn die erhofften "Kooperationspartner" gar nicht anbeißen? Warenhausexperten wie Gerd Hessert, der selbst lange bei Karstadt gearbeitet hat, sieht bei einigen der möglichen Kandidaten keinen Gewinn für das Stammgeschäft, das Warenhaus. "Gerade Textilunternehmen wie Primark oder Tkmaxx wollen natürlich einen eigenständigen Auftritt von der Fußgängerzone haben und keine Zugänge über Karstadt." Es sei problematisch, wenn das Erdgeschoß einer Karstadt-Filiale den typischen Warenhauscharakter verliere, sagt Hessert.

Die Kritiker fürchten, es gehe dem Eigentümer von Karstadt, der Signa Gruppe, gegründet vom Österreicher René Benko, am Ende doch nur um die Vermarktung der Immobilien und nicht um das Warenhaus. Als warnendes Beispiel dient den Kritikern das Beispiel Stuttgart. Dort verkaufte Signa 2015 die Karstadt-Immobilie in der Königstraße und sicherte sich gleichzeitig einen Auftrag als Projektentwickler. Nach dem geplanten Umbau sollen dort die Textilkette Primark, ein dm-Drogeriemarkt und der Telefonanbieter Vodafone als neue Mieter einziehen. Der Schriftzug Karstadt an der Fassade wird dann verschwinden. Karstadt tritt dieser Befürchtung vehement entgegen. "Das Warenhaus als Konzept", versichert das Unternehmen, "wurde nicht aufgegeben". Man wird sehen.

© SZ/jasch

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