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Kaufhäuser:Haben Kaufhäuser in der Zukunft überhaupt noch eine Chance?

Auf der Seite des Österreichers sind wiederum der aktivistische HBC-Aktionär Jonathan Litt, der einen Verkauf aller Geschäftsaktivitäten in Europa befürwortet, und offenbar auch die Gewerkschaft Verdi, die sich das nur so nicht offiziell zu sagen traut. Auch weil sie 2015 noch einen Verkauf an die Kanadier befürwortete.

Die Chance für eine Warenhaus AG stehen diesmal auch deshalb besser als in den Jahren zuvor, weil Benko die Finanzierung von langer Hand vorbereitet hat. Vor einem Monat gab sein Immobilienkonzern eine Kapitalerhöhung von einer Milliarde Euro bekannt. Etwa 600 Millionen kommen von der Familienstiftung des Signa-Gründers Benko, deren Anteil von 60 auf 61 Prozent steigt. Zu den weiteren Aktionären gehören unter anderem die RAG-Stiftung in Essen, der Landwirtschaftliche Versicherungsverein Münster und auch der "Kleinaktionär" Niki Lauda, der gut acht Millionen Euro zuschoss.

HBC bezeichnete die Drei-Milliarden-Offerte zwar in einer ersten Reaktion als "unvollständig und unzureichend", aber auf Signa-Seite wiegelte man dies als das "übliche Geplänkel" ab. Tatsächlich spielt die Zeit für Benko. Je größer der finanzielle Druck auf HBC, desto wahrscheinlicher ein Verkauf. Dass er innerhalb der von Signa anberaumten Frist von 14 Tagen verkündet wird, gilt aber als unwahrscheinlich.

Ob eine deutsche Warenhaus AG überhaupt Sinn hätte, darüber wird seit Jahren ergebnislos diskutiert. Manche glauben, dadurch verlängere sich nur das Siechtum der Warenhäuser in Deutschland. Wahr daran ist, dass der Onlinehandel als Konkurrent weiter Marktanteile gewinnen dürfte. Dennoch glauben viele Experten, dass Kaufhäuser eine Chance haben. Sie müssten, um attraktiv zu sein, aber mit viel Geld modernisiert werden. Geld, von dem im Moment keiner so recht weiß, woher es kommen soll. Und zweitens müssten die Warenhäuser einem generellen Trend hin zu einer stärkeren Regionalisierung oder sogar Lokalisierung folgen. Kaufhäuser dürften kein Einerlei mehr bieten, sondern müssten auf die Wünsche der Kunden am Ort eingehen.

Eine andere Frage ist, ob die Fusion von Karstadt und Kaufhof an vielen Orten aus Wettbewerbssicht überhaupt zulässig ist. Aber noch stellt sich diese Frage nicht.

© SZ vom 03.11.2017/vit

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