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Nachruf:Zum Tod von Katjes-Gründer Klaus Fassin

Katjes-Firmengründer Fassin

Firmengründer Klaus Fassin in der Unternehmenszentrale im niederrheinischen Emmerich.

(Foto: Bernd Thissen/dpa)

Die neue Firma benannte er Anfang der Fünfziger nach seinem ersten Produkt, den beliebten kleinen Lakritz-Kätzchen. Am Wochenende ist Klaus Fassin im Alter von 89 Jahren gestorben.

Von Michael Kläsgen

Klaus Fassin war erst 20 Jahre alt, als er die Firma Katjes Fassin direkt an der holländischen Grenze im nordrhein-westfälischen Emmerich gründete. Da hatte er gerade sein Abitur bei den Jesuiten in Nimwegen gemacht. Das erste Produkt waren die kleinen harten Lakritz-Kätzchen, auf Holländisch Katjes genannt. Wegen deren Beliebtheit erweiterte Fassin das Sortiment bald: erst um weiche Katzen-Pfoten und dann um Salzige Heringe. Werbung im Fernsehen und auf Plakaten beförderten den Verkauf. 1971 wagte sich Fassin dann in die Domäne der Goldbären von Haribo aus Bonn vor: das Fruchtgummi. Die Katjes Yoghurt Gums kamen auf den Markt und spielen noch heute eine wichtige Rolle für das Unternehmen.

Etwas innovativer als der Marktführer aus Bonn reagierte Fassin auf manche gesellschaftlichen Trends. Katjes verbannte beispielsweise tierische Gelatine und stellte alle Produkte auf "veggie" um. Fassin bemühte sich um "größtmögliche Natürlichkeit" der Süßwaren. So wenig künstliche Farbstoffe wie möglich sollten verwendet werden, indem Fruchtsäfte beigemischt oder Pürees verarbeitet wurden. Zu den selbst geschaffenen Marken kamen später durch Zukäufe Klassiker wie die Ahoj-Brause, die ehemalige Mars-Marke Treets, Piasten-Schokolinsen oder Wick-Hustenbonbons dazu.

Über die Jahre hinweg gewann Katjes gegenüber Haribo etwas an Marktanteil, die Bonner spielen dennoch weiterhin in einer anderen Liga. Katjes setzte zuletzt mit 2000 Mitarbeitern geschätzt knapp 600 Millionen Euro um, der Weltkonzern Haribo etwa drei Milliarden Euro. Dafür sorgte Fassin stets dafür, dass die Neubesetzung des Führungspersonals vergleichsweise geräuschlos verlief. 2004 stieg mit Bastian Fassin sein Sohn in die Geschäftsführung ein. Zuvor hatte er Thomas Bachmüller vom Milka-Hersteller Kraft Foods geholt und zum geschäftsführenden Gesellschafter gemacht.

Am Wochenende verstarb Klaus Fassin, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte, im Alter von 89 Jahren im Kreis seiner Familie.

© SZ
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