Katar:In Ungnade gefallen

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Katar: Katars Finanzminister Ali Scharif al-Emadi.

Katars Finanzminister Ali Scharif al-Emadi.

(Foto: Yasser Al-Zayyat/AFP)

Der Emir von Katar lässt Finanzminister Ali Scharif al-Emadi festnehmen, eigentlich ein enger Vertrauter. Kaum jemand glaubt, dass die Korruptionsvorwürfe der wahre Grund sind.

Von Paul-Anton Krüger

Anfang des Jahres wurde Katars Finanzminister Ali Scharif al-Emadi noch mit einer Auszeichnung geehrt: Das Branchenmagazin The Banker kürte ihn zum besten Ressortchef im Mittleren und Nahen Osten - er habe die Finanzen des kleinen, aber schwerreichen Golfstaates souverän durch eines der schwierigsten Jahres seiner Geschichte geführt. Die Corona-Pandemie traf den wichtigsten Flüssiggas-Exporteur der Welt mitten in einer Blockade durch seine Nachbarn Saudi-Arabien und Vereinigte Arabische Emirate.

Jetzt ist der enge Vertraute von Emir Tamim bin Hamad al-Thani in Ungnade gefallen: Wegen Korruptionsvorwürfen ließ ihn der Generalstaatsanwalt in Doha festnehmen. Ihm werde angelastet, sein Amt und seine Macht missbraucht und öffentliche Gelder veruntreut zu haben, zitierte die amtliche Nachrichtenagentur QNA die Strafverfolger. Der Emir enthob ihn seines Amtes und übertrug es vorerst Handels- und Industrieminister Ali bin Ahmed al-Kuwari. Das ist gleich in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert.

Emadi gilt als eine der wichtigsten Figuren hinter dem Aufstieg Katars zur finanziellen Supermacht und saß an zentralen Schaltstellen der Wirtschaft des Emirats: Am Tag nach der Thronbesteigung im Juni 2013 erhob ihn der Emir zum Minister. Zuvor hatte er die Qatar National Bank, deren Chef er von 2007 an war, von einer lokalen Privatbank zum größten Kreditgeber der Region gemacht; ihrem Verwaltungsrat steht er weiter vor.

Er ist überdies der Vorsitzende des Verwaltungsrats von Qatar Airways, eines weiteren Prestige-Unternehmens der Herrscherfamilie, und sitzt im Kontrollgremium der Qatar Investment Authority (QIA), die mit einem Anlagevolumen von 300 Milliarden Dollar zu den größten Staatsfonds der Welt gehört. Sie hält einen Anteil von 17 Prozent am Autokonzern Volkswagen und ist auch mit mehr als sechs Prozent bei der Deutschen Bank investiert.

Korruptionsfälle wurden sonst diskret geregelt

Außenminister Mohammed bin Abdulrahman al-Thani beeilte sich zu versichern, die Untersuchungen bezögen sich allein auf Fehlverhalten Emadis in seinem Amt als Finanzminister und nicht auf andere Posten. Man sei sich sicher, dass der Staatsfonds und die anderen Firmen höchsten Ansprüchen an gute Unternehmensführung genügten und lasse dies auch regelmäßig unabhängig überprüfen. Die Geschäfte liefen ungestört weiter.

Ungewöhnlich ist auch die Festnahme: Zwar hat der Emir immer wieder den Kampf gegen Korruption zu einer Priorität erklärt; Katar nimmt mit Platz 30 auf der Rangliste von Transparency International nach den Vereinigten Arabischen Emiraten den zweitbesten Rang aller Länder der Arabischen Welt ein, vergleichbar mit Spanien. In anderen Fällen aber wurden Korruptionsvorwürfe gegen Minister weitaus diskreter gehandhabt. Dem Vernehmen nach soll Emadi illegal Provisionen für Staatsaufträge kassiert haben.

In Doha heißt es, dieses öffentliche Vorgehen sei auch ein politisches Signal ein Jahr vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar und den für Oktober angesetzten ersten Wahlen zu einer Beratenden Versammlung. Emadi hatte durch strikte Haushaltsdisziplin und Pläne für die Einführung einer Mehrwertsteuer an Popularität verloren. Doch gilt das nicht als Grund für seine Absetzung.

Er ist bis jetzt nicht angeklagt, sondern zunächst für Befragungen vorgeladen. Spekulationen über ein Zerwürfnis mit dem Emir hatte es zuvor schon gegeben, nachdem Emadi als Verwaltungsratschef des Qatar Financial Center abgelöst worden war, einer Agentur, die Unternehmen aus der Finanzbranche zu Investitionen in Katar ermuntern soll und zugleich als Finanzdienstleister operiert. Was letztlich zum Bruch zwischen dem Emir und dem oft als seine rechte Hand beschriebenen Emadi geführt hat, gilt auch in Doha als Mysterium - die offizielle Begründung aber glaubt kaum jemand.

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