Kartellamt Absage an Remondis

Das Firmenschild am Hauptsitz von Remondis in Lünen in Nordrhein-Westfalen.

(Foto: Marcel Kusch/dpa)

Eigentlich wollte der größte deutsche Entsorger den Grünen Punkt übernehmen. Daraus wird wohl nichts. Die Zugeständnisse reichten der Behörde nicht.

Von Michael Kläsgen

Das Bundeskartellamt wird voraussichtlich an diesem Mittwoch die Übernahme des Dualen Systems Deutschland (DSD), besser bekannt als Grüner Punkt, durch den größten deutschen Entsorger Remondis untersagen, erfuhr die Süddeutsche Zeitung aus dem Kreis mehrerer Verfahrensbeteiligter. Das Kartellamt hält damit an seiner Vorentscheidung vom April dieses Jahres fest.

Die Bonner Behörde begründet den Schritt im Wesentlichen mit zwei Argumenten: Zum einen führe der Zusammenschluss zu einer erheblichen Behinderung des Wettbewerbs auf dem Markt für duale Systeme (gelber Sack, gelbe Tonne). Dort ist DSD mit einem Marktanteil von Branchenangaben zufolge mehr als 30 Prozent der größte Anbieter. Zudem würde Remondis eine "marktbeherrschende Stellung" erhalten, insbesondere bei der Vermarktung von Hohlglasscherben.

Dem Vernehmen nach erwog Remondis zwischenzeitlich, dem Amt Zusagen zu machen. Diese sollen aber aus Sicht des Kartellamts nicht ausreichend gewesen sein, um die Wettbewerbsbedenken auszuräumen. Darin soll es unter anderem um den Verkauf einzelner Unternehmensteile gegangen sein. In der Branche wird nun erwartet, dass Remondis gegen die Entscheidung klagt. Der Entsorger kann dies tun, indem er eine Beschwerde vor dem Kartellsenat des Oberlandesgerichtes Düsseldorf einreicht.

Der Markt für Müllentsorgung ist seit Monaten stark in Bewegung. Als einer der Gründe gilt das neue Verpackungsgesetz. Beobachter erwarten, dass weitere Müllentsorger versuchen werden, Betreiber des dualen Systems zu übernehmen. Dass die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) einen Entsorger übernahm und ein eigenes duales System aufbaut, sorgt in der Branche zusätzlich für Unruhe.