Karstadt und Kaufhof:Das besondere Konsumklima

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Im Winter ist es schön warm und im Sommer angenehm kühl. In jedem Fall ist das Klima im Kaufhaus besser als draußen, und das ist Grund genug, hinein zu gehen. Wer sich in einer größeren deutschen Stadt die Zeit vertreiben muss, kann sich im Kaufhaus umschauen. Deshalb sieht man dort häufiger junge Menschen, die ziellos durch die Gänge streifen, etwas in die Hand nehmen, es von allen Seiten bestaunen und dann zurück ins Regal sortieren. Wo sich das ältere Ehepaar ausführlich beraten lässt, ob es nun das Besteck für 300 oder für 400 Euro kaufen sollte, haben einige, meist jüngere Kaufhausbesucher gar nicht im Sinn, Geld da zu lassen.

Sie nutzen nur die Möglichkeit, alles an einem Ort mal anschauen zu können, und nicht erst im Haushaltswaren-, dann im Schreibwaren-, im Kleidungs-, im Schmuck- und dann im Parfümladen auf die gleiche Weise ziellos zu stöbern. Denn eigentlich irrt man ja im zentral gelegenen Kaufhaus nur herum, um die Zeit zu vertreiben, bis der Termin ansteht oder der Zug kommt. Und wenn es soweit ist, hat es noch einen Vorteil, dass alles in einem einzigen Laden konzentriert ist: Beim Hinausgehen muss man nur einmal diesen seltsamen Moment durchleben, in dem man mit leeren Händen durch die Sicherheitsschranke marschiert, obwohl man sich stundenlang im Geschäft aufhielt. Man versucht dann möglichst unauffällig auszusehen und nicht wie ein Ladendieb, was sehr schwierig ist, wenn man es so angestrengt versucht. Aber man möchte ja wiederkommen dürfen. Um zu stöbern, wenn man wieder die Zeit herumkriegen muss.

Valentin Dornis

Angefasst

Ohne die Fans der Sommerhitze enttäuschen zu wollen: Weihnachten kommt schneller, als einem lieb ist. Und dann braucht man wieder ein Geschenk für Oma und Opa. Was tun? Die meisten werden ihre Großeltern nicht so gut kennen, um sofort eine kreative Idee für ein persönliches Geschenk zu haben. Und auch keine Zeit, um eines mit viel Liebe zu basteln. Aber eine schöne Geste möchte man den Guten schon machen, das sagt einem zumindest das Gewissen. Und egal, wie altmodisch große Warenhäuser sein mögen - dass sie praktisch sind, kann ihnen keiner absprechen. Man kann solange bei Online-Händlern Suchergebnisse filtern wie man will und nachts um zwei aus Verzweiflung irgendetwas Beliebiges im virtuellen Warenkorb ansammeln - am Ende ist es immer der physische Gang in den Laden, der in solchen Situationen am besten hilft.

Dort finden sich Topflappen und Handtücher, Vasen und Pfannenwender - ja, natürlich, das sind auch keine Geschenk-Revolutionen. Aber mal ehrlich: Jeder braucht doch mal etwas Neues im Haushalt. Der materielle Auftritt auf dem Warentisch lädt diese Objekte mit dem richtigen Lebensgefühl auf. Wie wird Opa diese Zitronenpresse wohl aus dem Schrank holen? In dem Moment, in dem man vor ihr steht und sie in die Hand nimmt, entsteht ein einmaliges Erlebnis: Entscheidung gefällt! Die vielen wertvollen Stunden vor dem Bildschirm verkürzt, gleichzeitig die Treffsicherheit optimiert und die besonders um die Weihnachtszeit herum strapazierten Nerven geschont. Denn verpacken lässt sich der Topflappen direkt ein Stockwerk weiter.

Ekaterina Kel

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