Karstadt und Kaufhof Warenhäuser sind so wunderbar uncool

Eine Kaufhof-Filiale in München.

(Foto: Robert Haas)

Karstadt und Kaufhof haben ein muffiges Image. Leider täuscht das über die vielen Vorzüge hinweg, die diese Läden bieten. Vier Lobreden auf eine deutsche Institution.

Von Janis Beenen, Valentin Dornis, Ekaterina Kel und Felicitas Wilke

Karstadt und Kaufhof, die letzten großen Warenhauskonzerne in Deutschland, legen ihre Geschäfte zusammen. Das ist seit vergangener Woche klar. Weniger klar ist, vor welcher Zukunft die Läden stehen. Beide Unternehmen haben viel zu wenig junge Kunden. Das Image der Läden ist eher muffig als modern, das Internet eine riesige Konkurrenz. Allerdings es gibt durchaus Argumente, die für einen Besuch im Warenhaus sprechen, finden unsere Autoren. Vier Lobreden auf das Warenhaus.

Sitzt wie angegossen

Der latent füllige Mann hat schon lange ein Problem. Schließlich sind seit Jahren ausschließlich eng geschnittene Jeans im Trend und somit im Sortiment der jungen Marken. Mode-Experten mögen widersprechen, doch für den Betroffenen gilt die gefühlte Wahrheit.

Froh ist der Unbewegliche, der ein passendes Modell gefunden hat - das auch noch Saison für Saison verlässlich produziert wird. Vorbei ist die quälende Suche, immer wieder kann er diese Hose nun kaufen. Freilich in verschiedenen Blautönen, damit die Schmach maximal Freundin und Mutter auffällt. Für Freunde und Kollegen ist die einfältige Wahl nicht zu erkennen. "Wow, wo bekommt er immer diese geschmackvollen Teile her?", ist wohl eher ihr häufigster Gedanke.

Für Kaufhof geht es kaum schlimmer

Als Hudson's Bay Company einstieg, war Kaufhof ein grundsolides Unternehmen. Innerhalb von drei Jahren wurde es heruntergewirtschaftet. Nicht nur die Beschäftigten sind empört, mit welcher Hybris die Eigentümer Kaufhof ins Bodenlose stürzen lassen. Kommentar von Michael Kläsgen mehr ...

Das Schönste an dieser Lösung ist, dass sie jeden Umzug überlebt. Besagte Jeans gibt es in allen Filialen einer großen deutschen Kaufhaus-Kette - immer, zu jeder Jahreszeit. Was für ein beruhigendes Gefühl! Ob Krefeld, Dortmund, Frankfurt oder München: Verlässlich liegt der Stapel etwas versteckt im hinteren Eck der Herrenmode, aber der geplagte Kunde kennt den Weg dorthin. Dafür muss man das scheinbar antiquierte Einkaufsparadies einfach lieben. Wo findet man im Leben noch solche Konstanz, solche Verlässlichkeit? Das macht das Kaufhaus unverzichtbar, erfolgreich trotzt es hektischem Wandel.

Bestimmt drängt sich den Kleinlichen angesichts dieser Anekdote eine Frage auf: Warum kauft er die Jeans nicht einfach immer im Internet? Stöbern und anprobieren muss er doch ohnehin nicht. Gegenfrage: Warum sollte er? Wie unkreativ und langweilig!

Janis Beenen

Schön uncool

Eigentlich ist das Konzept der Kaufhäuser hochmodern. Wie beim Internethändler Amazon findet man als Kundin dort alles an einem Ort, einzig eine Rolltreppe trennt Büroklammern von Teekannen und Schminke von Socken. Jetzt lässt sich selbstverständlich einwenden: Um bequem einzukaufen und sich lange Wege zu sparen, kann die zeitökonomisch denkende Kundin gleich online einkaufen.

Dann jedoch entginge ihr die Möglichkeit, das zu tun, was die fränkische Großmutter immer als "gruschen" bezeichnete. Das Verb lässt sich ungefähr mit "gucken, anfassen und herumwühlen" beschreiben. Ganz konkret bedeutet das im Kaufhaus, die Farbe des Lippenstifts auf dem Handrücken zu testen, die Strumpfhose auf ihre Reißfestigkeit zu prüfen und durch die Grußkarten in der kaufhauseigenen Papeterie zu stöbern. Als Endzwanzigerin ist man schließlich jedes zweite Wochenende auf einer Hochzeit eingeladen.

Bei all diesen Aktivitäten ist das Kaufhaus ein uncooler Ort im besten Sinne. Es dröhnt keine laute Musik aus den Boxen, während man in der Umkleide steht, es zieht kein penetrantes Raumparfüm in die Nase. Daher verraten sich die Kaufhäuser auch ein bisschen selbst, wenn sie ihre Verkaufsflächen jetzt vermehrt für hippe Marken frei räumen. Die bekommt man auch woanders.

Die echte Kaufhausfreundin lässt den Shop-in-Shop links liegen, nimmt die Rolltreppe bis ganz nach oben in die Cafeteria und freut sich, dass an diesem einen Ort zur Abwechslung mal Mahlzeiten ohne Goji-Beeren, Quinoa oder Matcha serviert werden. Darauf ein Schweineschnitzel mit Pommes rot-weiß!

Felicitas Wilke