Fusion Kaufhof-Mitarbeiter fühlen sich von Karstadt gedemütigt

Filialen von Karstadt und Kaufhof in Düsseldorf: "Die haben grünes Blut in sich", sagt ein Rechtsanwalt über die Mitarbeiter. Grün, das war und ist die Farbe von Kaufhof.

(Foto: Marius Becker/dpa)
  • Die Noch-Kaufhof-Mitarbeiter fühlen sich vom neuen Chef der fusionierenden Warenhäuser "abgefertigt". 5000 von ihnen warten quasi auf ihre Kündigung.
  • Sie bezeichnen das Vorgehen Karstadts als "gnadenlos" und empfinden es als Demütigung, vom kleineren Konkurrenten geschluckt zu werden.
Von Michael Kläsgen

Die Rechtsanwaltskanzlei HMS Barthelmeß Görzel in Köln hat derzeit so viele Anfragen besorgter Kaufhof-Mitarbeiter, dass sie einen Saal in einem Hotel für ihre Informationsveranstaltungen sucht. "Wir haben schon jetzt mehr als hundert Kaufhof-Mitarbeiter beraten und mehr als hundert weitere Anfragen", sagt Rechtsanwalt Volker Görzel. Ein gutes Geschäft für die Kanzlei. Viele Ratsuchende sind älter als 50 und seit langer Zeit bei Kaufhof. Es könnten noch mehr Hilfsgesuche werden. Die Kanzlei wirbt nicht gerade zurückhaltend für sich. Unter der Überschrift "Kahlschlag bei Kaufhof" gibt sie auf ihrer Homepage erste Ratschläge über Rechte und Pflichten der Mitarbeiter.

2600 Vollzeitstellen sollen nach der angekündigten Fusion mit Karstadt wegfallen. Weil viele Teilzeit arbeiten, sind die Jobs von bis zu 5000 Mitarbeitern bedroht. Viele Mitarbeiter in der Kölner Hauptverwaltung sind nicht nur verängstigt, sondern auch verärgert über das Vorgehen von Karstadt.

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Es herrscht Funkstille. Insbesondere der Auftritt des Chefs von Karstadt-Kaufhof, Stephan Fanderl, Ende Januar irritierte sie. Er habe die Mitarbeiter draußen in der Kälte des Innenhofs der Hauptverwaltung neben den Müllcontainern versammelt. Eine Mitarbeiterin, die seit fast 20 Jahren mit dabei ist, sieht darin einen Akt mit "großer Symbolkraft". Sie fühlt sich "abgefertigt". Der Betriebsrat sei im Vorfeld der Veranstaltung nicht informiert worden und habe keine Redeerlaubnis erhalten.

Nach offizieller Darstellung Karstadts laufen die Gespräche mit dem Gesamtbetriebsrat ruhig und sachlich. Ein Sozialplan werde derzeit in gegenseitigem Einvernehmen ausgearbeitet. Kündigungen sind noch nicht verschickt, aber die Mitarbeiter warten quasi darauf. Am 25. Februar lädt die Arbeitnehmervertretung zu einer bundesweiten Betriebsrätekonferenz im Sauerland ein, auf der die Mitarbeiter über den Stand der Dinge unterrichtet werden sollen. Verdi-Chef Frank Bsirske soll dabei sein, Fanderl auch, Arbeitsminister Hubertus Heil ist angefragt.

"Die haben grünes Blut in sich"

Verwunderung herrscht bei vielen Kaufhof-Mitarbeitern darüber, wie "gnadenlos" Karstadt Geschäftsbeziehungen mit jahrelangen Dienstleistern kappt. Manche Zulieferer stünden daher nun vor der Insolvenz, wenngleich dafür auch andere Gründe ausschlaggebend gewesen seien. Faktisch wird der ehemalige Konzernsitz von Galeria Kaufhof in der Kölner Leonhard-Tietz-Straße stillgelegt. Die Kölner Stadtverwaltung, vor allem Oberbürgermeisterin Henriette Reker, wehrt sich bis heute gegen den Beschluss, kann ihn aber wohl nicht rückgängig machen.

Viele Mitarbeiter empfinden es als Demütigung, dass Kaufhof, der stolze Konzern, vom vermeintlich kleineren Karstadt-Konkurrenten übernommen wird. Die Vorstellung, in die Karstadt-Zentrale nach Essen versetzt zu werden, ist für viele schlimmer als die Hoffnung, eine gute Abfindung zu erhalten, sagt Anwalt Görzel: "Die haben grünes Blut in sich." Grün, das war und ist die Farbe von Kaufhof. "Wenn man wenigstens das Gefühl hätte, ja, das wird geil", sagt eine Mitarbeitern. Dann würden einige gern nach Essen pendeln. Stattdessen Funkstille. Die Grünblütigen zahlen jetzt den Preis für jahrelanges Missmanagement.

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