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Karstadt: Berggruen vs. Highstreet:Runter mit den Mieten, aber dalli!

Karstadt-Investor Berggruen und das Vermieter-Konsortium Highstreet zoffen sich um die Reduzierung der Mieten, ein Ende des Streits ist nicht in Sicht. Platzt der ganze Deal?

Die Auseinandersetzung um die Rettung von Karstadt wird immer härter. Am Wochenende hatte der Finanzinvestor Nicolas Berggruen, der den Warenhauskonzern übernehmen will, ein weiteres Angebot des Vermieterkonsortiums Highstreet zurückgewiesen. Die Vermieter wandten sich darauf in einem Brief an den Karstadt-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg. Die Reaktion Berggruens zeige, dass er nicht bereit sei, sich auf konstruktive Verhandlungen einzulassen, heißt es in dem Schreiben. Ein Highstreet-Sprecher sagte, dies sei das letzte Angebot des Vermieter-Konsortiums gewesen. Man sei bereits über die Schmerzgrenze hinausgegangen. Kommt eine Einigung nicht zustande, würde der Karstadt-Verkauf scheitern.

Karstadt

Platzt noch der ganze Karstadt-Deal? Investor Nicolas Berggruen und das Vermieter-Konsortium Highstreet sind sich immer noch nicht einig.

(Foto: dpa)

Das Vermieterkonsortium Highstreet wird von der Investmentbank Goldman Sachs angeführt, mit dabei sind auch die Deutsche Bank, Pirelli, Generali sowie der italienische Unternehmer Maurizio Borletti. Das Konsortium ist Eigentümer von mehr als zwei Dritteln der derzeit 120 Karstadt-Häuser.

Kritik vom SPD-Chef Gabriel

Scharfe Kritik übte SPD-Chef Sigmar Gabriel an Goldman Sachs und der Deutschen Bank. "Sollte die Rettung von 25.000 Arbeitsplätzen an überzogenen Mieten der Banken scheitern und über 100 Innenstädte ins Elend getrieben werden, dann bin ich dafür, eine Debatte in Deutschland zu beginnen, Goldman Sachs die Lizenz zu entziehen", sagte Gabriel am Sonntag auf dem Juso-Bundeskongress in Essen.

Verhandelt wird zwischen Highstreet und Berggruen seit Anfang vergangener Woche. Am Freitagabend habe es ein neues Angebot von Highstreet gegeben, wurde am Wochenende mitgeteilt. Es sah vor, bis 2018 weitere 24 Millionen Euro Mietnachlass zu gewähren. So sollten beispielsweise im Jahr 2018 die Mieten bei 240 Millionen Euro liegen. Bisher hatte Highstreet für das Jahr 250 Millionen Euro gefordert, Berggruen will aber nur 230 Millionen Euro zahlen.

Neuer Termin noch offen

Nach Angaben von Highstreet hat Berggruen dieses Angebot nur Stunden später zurückgewiesen. Er wolle weiterhin nur auf Basis seines eigenen Planes verhandeln. Berggruen gab dazu keinen Kommentar. Einen neuen Termin für Gespräche gibt es derzeit nicht. In Verhandlungskreisen heißt es, es werde sicher "zeitnah" weiter gesprochen. Die Verhandlungen stehen unter hohem Zeitdruck und werden noch dadurch kompliziert, dass die Highstreet-Schulden sehr breit unter Investoren gestreut sind, die als Gläubiger unterschiedlich starke Rechte haben. Je nachdem, wie viel Mieteinnahmen fließen, kann nur noch ein Teil dieser Gläubigerforderungen bedient werden.

Berggruen hatte Ende vergangener Woche einen Brief an die 25000 Karstadt-Mitarbeiter geschrieben. Zu den laufenden Verhandlungen über die Mieten heißt es dort: "Wir sind zuversichtlich, auch in dieser Frage eine Lösung zu finden." Er sei überzeugt, dass Karstadt "nachhaltig und erfolgreich" betrieben werden könne: "Karstadt ist . . . eine deutsche Kultmarke, ein Teil Deutschlands und aus dem täglichen Leben nicht wegzudenken." Eine Ursache für die Insolvenz sei, dass es in den vergangenen 15 Jahren keinen verantwortlichen Unternehmer gegeben habe.

Neues Geld allein genüge aber nicht, um Karstadt aus der Krise zu führen. Er strebe eine "zeitgemäße und moderne Neuausrichtung" von Karstadt an, so Berggruen weiter. Die einzelnen Häuser würden künftig mehr Kompetenzen erhalten. Das Konzept von Sanierer Thomas Fox sieht nach Brancheninformationen auch eine Straffung des Sortiments vor sowie Investitionen von 100 Millionen Euro pro Jahr.

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