Kapitalverkehrskontrollen Was Griechenland von Zypern unterscheidet

Nun verhindern also Kapitalverkehrskontrollen, dass die Griechen ihre Banken leeren. Der Preis dafür ist, dass innerhalb der Euro-Zone wieder Grenzen hochgezogen werden, die eigentlich gefallen sind. Der ungebremste Kapitalverkehr ist eine Grundfreiheit der Europäischen Union. Dank ihr können Firmen grenzüberschreitend arbeiten, Menschen können einfacher in den Urlaub fahren.

Die EU-Kommission in Brüssel ist dafür zuständig, dass das gewährt ist. Der zuständige Kommissar, Jonathan Hill, hat sich an diesem Montag hinter die griechische Regierung gestellt. "Die verhängten Beschränkungen erscheinen zum jetzigen Zeitpunkt erforderlich und verhältnismäßig", sagte er. Doch müsse der freie Kapitalverkehr im Interesse der griechischen Wirtschaft und der Eurozone so bald wie möglich wiederhergestellt werden.

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So lief es in Zypern

Die Eurozone ist ein gemeinsamer Währungsraum, doch schon zum zweiten Mal muss sich ein Land von den anderen Ländern abschotten. Im März 2013 führte Zypern Kapitalkontrollen ein. Während der ersten Monate durften Reisende höchstens 1000 Euro pro Auslandsreise mit sich führen. Die Summe war stufenweise auf 6000 Euro in den letzten Monaten angehoben worden. Erst vor wenigen Wochen, im April 2015, wurden die Kapitalkontrollen wieder komplett aufgehoben.

Der Fall Griechenland liegt aber ganz anders als damals in Zypern. Der Inselstaat im Mittelmeer litt unter einer schweren Bankenkrise. Die Institute hatten wegen der Griechenland-Krise damals viel Kapital verloren - zu viel, um überleben zu können. Die Regierung fror alle Konten ein. Guthaben über der Marke von 100 000 Euro wurden de facto enteignet. Das Geld wurde in die zyprischen Banken gesteckt, damit diese nicht zumachen müssen.

Griechenland hat nicht nur ein Problem mit den Banken - sondern vor allem mit den internationalen Kreditgebern. Die Gespräche zwischen Athen und den anderen Euro-Ländern sind am Wochenende geplatzt. Die Bundesregierung zeigt sich höchst verärgert über die griechische Regierung. Mit den Kapitalkontrollen hat sich Athen ein wenig Zeit gekauft, um vielleicht doch noch eine politische Lösung zu finden, bevor das Finanzsystem des Landes komplett zusammenbricht - und mit ihm der Staat.