USA:Kanye West darf rassistischen Slogan nicht verkaufen

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USA: Kanye West heißt inzwischen Ye - und auch sonst hat er sich in der vergangenen Zeit sehr verändert. Nicht unbedingt zum Besseren, möchte man hinzufügen.

Kanye West heißt inzwischen Ye - und auch sonst hat er sich in der vergangenen Zeit sehr verändert. Nicht unbedingt zum Besseren, möchte man hinzufügen.

(Foto: Evan Agostini/AP)

Kanye West wollte Shirts mit der Aufschrift "White Lives Matter" verkaufen. Doch aus dem Geschäft mit dem rassistischen Spruch wird nichts - dank zweier schwarzer Radiomoderatoren.

Von Johannes Korsche

Im Februar brachte Netflix eine dreiteilige Doku über die Anfangsjahre des Musikers Kanye West auf die Bildschirme, darin sagt der Mann, der sich inzwischen Ye nennt: "Ich sage nicht, dass es für mich unmöglich ist, zu scheitern. Aber hoffentlich - mit Gottes Segen: Es sollte keine Möglichkeit geben, dass ich verliere." Diese innere Gewissheit muss Ye wohl langsam neu evaluieren, wie man in der Geschäftswelt sagt. Und genau darum geht und ging es dem Musiker, Mode- und Schuhdesigner ja auch immer: ums Geschäft. Da hat er in den vergangenen Wochen viel verloren, so viel, dass man es schon fast als Scheitern bezeichnen könnte. Das gilt auch für seine neueste Idee: den Verkauf von T-Shirts, die mit dem rassistischen Schriftzug "White Lives Matter" - zu Deutsch: "Weiße Leben zählen" - bedruckt sein sollten. Dass daraus nun nichts wird, liegt am knallharten Markenrecht - und zwei schwarzen Radiomoderatoren.

Wie immer bei Ye hat alles eine Vorgeschichte, diesmal gibt es sogar mindestens drei. Die erste geht so: Ye tauchte mit einem White-Lives-Matter-Shirt bei der Pariser Fashion Week auf. Anschließend faselte er noch antisemitische Verschwörungsmythen und tönte in einem Podcast, er könne sich so äußern, ohne dass Adidas ihn fallen lasse. Ye designte Schuhe für die Herzogenauracher. Adidas kündigte die für beide Seiten lukrative Kooperation trotzdem. Yes jüngste Äußerungen seien "inakzeptabel, hasserfüllt und gefährlich", teilte das Unternehmen mit. Daraufhin gab Ye bekannt, er wolle nun T-Shirts mit der rassistischen Parole bedrucken und verkaufen. Nur hat der gewiefte Geschäftsmann da wohl eine Sache vergessen, mit der sich der zur Marke gewordene Mann eigentlich bestens auskennt: das Markenrecht.

Das führt zur zweiten Vorgeschichte: Im Mai 2020 kniet ein Polizist neuneinhalb Minuten auf dem Nacken von George Floyd, der deswegen stirbt. Unter dem Motto "Black Lives Matter" versammelt sich die amerikanische und wenig später weltweite Antirassismus-Bewegung. Als fehlgeleitete Gegenreaktion entstand der Slogan "White Lives Matter". Wenn man so will, gibt es den zweiten Slogan also nur, weil manche wohl ein Problem mit Antirassismus haben. Und in diese Riege reihte sich Ye mit seinem Shirt zuletzt ein. Auch indem er Floyd - fälschlicherweise - einen Drogentod unterstellte.

Zur dritten Vorgeschichte: Damit der rassistische "White Lives Matter"-Slogan kein Geld in braune Kassen spült, liegen die Markenrechte dafür bei zwei schwarzen Radiomoderatoren aus Phoenix, Arizona, wie die Non-Profit-Nachrichten-Plattform Capital B berichtet. Ramses Ja und Quinton Ward bekamen die Rechte von einem anonymen Hörer vermacht, der sich dessen kommerzielle Nutzung rechtlich hat schützen lassen. Sie verbieten Ye, den Schriftzug auf Shirts zu verkaufen. Ramses Ja, der in seiner Radioshow zum Beispiel die Überschneidung von Amerikas Bürgerrechtsbewegung und Hip Hop behandelt, schmerzt, was aus Ye geworden ist, wie er Capital B sagt. Er versuche lieber, sich an den Kanye von 2005 zu erinnern. Damals gingen die Aufräumarbeiten nach dem Hurrikan Katrina nur sehr schleppend voran. Kanye West warf Präsident George W. Bush deswegen bei einem TV-Spendenmarathon vor, sich nicht um schwarze Menschen zu scheren.

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