Kanada:Wenn ein Popstar den Populisten trifft

Kanada: Ins Schauspielerische übersetzt treffen mit Justin Trudeau und Donald Trump Ryan Gosling und John Wayne aufeinander.

Ins Schauspielerische übersetzt treffen mit Justin Trudeau und Donald Trump Ryan Gosling und John Wayne aufeinander.

(Foto: Reuters/AFP)
  • Die USA und Kanada teilen sich die längste gemeinsame Grenze zweier Länder überhaupt. Für Kanada ist das Verhältnis zu den Vereinigten Staaten von enormer Bedeutung.
  • Die Kanadier blicken gespannt auf das Treffen zwischen ihrem Premier Trudeau und dem neuen US-Präsidenten Trump.
  • Die beiden sind extrem unterschiedlich. Trudeau ist ein liberaler Hoffnungsträger, Trump möchte sein Land abschotten.

Von Hans von der Hagen

Sorgsam hatte es Kanadas Premier Justin Trudeau in den vergangenen Monaten vermieden, kritische Worte über Donald Trump zu verlieren. Mal abgesehen von dem Vergleich mit Rob Ford, dem früheren Bürgermeister von Toronto, der Trudeau einmal herausrutschte. Ford wurde durch seine wüsten Eskapaden über die Landesgrenzen hinaus bekannt.

Trudeau ist eine Art natürlicher Antipode zum neuen US-Präsidenten. Man könnte sagen, hier begegnen sich zwei Extreme: jung gegen alt, offen gegen protektionistisch, berechenbar gegen erratisch, Politiker gegen Geschäftsmann, Ryan Gosling gegen John Wayne. Trudeau sagt, Kanadier definierten sich über gemeinsame Werte, weil es zu viele Identitäten gibt. Trump dagegen beschwört die Identität so oft es nur geht.

Im Netz treten sie schon öfters gegeneinander an: mal im von Satirikern inszenierten Gesangsduell, mal per Videoschnitt. In der Realität steht das erste Treffen der beiden noch bevor. Die Kanadier gehen davon aus, dass es bald dazu kommt. Traditionell führen die ersten Staatsbesuche einen neu gewählten US-Präsidenten auch nach Kanada, das nördlich gelegene Nachbarland.

Aber wie soll es ablaufen, dieses Treffen von zwei Staatsmännern, die unterschiedlicher kaum sein könnten? Nachdem Trump im November die US-Wahlen gewonnen hatte, setzte Trudeau seinen vorsichtigen Kurs fort und formulierte diplomatisch: "Nun, wir sind Kanadier. Wir können mit jedem klarkommen." So berichtet es jedenfalls die Zeitung Toronto Star. Doch weil die Gegensätze zwischen Trump und Trudeau so groß sind, fragen sich viele Kanadier, wie es nun mit den beiden und mit dem Verhältnis ihrer beider Nationen weitergehen soll. Vor allem, weil wirtschaftlich so viel auf dem Spiel steht.

Kanada, die Vereinigten Staaten und Mexiko haben schon seit 1993 mit der Nafta eine gemeinsame Freihandelszone. Nach den verbalen Angriffen Trumps auf Mexiko sehen viele Kanadier das Abkommen gefährdet. Sie fragen sich: Werden künftig Produkte aus Kanada in den USA mit einer Importsteuer belegt? Wie wird es der kanadischen Ölindustrie ergehen? Und ist was mit den Pendlern, die täglich zu Hunderttausenden die fast 9000 Kilometer lange gemeinsame Grenze überqueren?

Trump hatte ja bereits deutlich gemacht, dass er Importe von Unternehmen mit einer Importsteuer belegen wolle, die in Mexiko produzieren. Zudem hatte er in seiner Antrittsrede betont: "Wir werden zwei einfachen Regeln folgen: amerikanisch kaufen und Amerikaner einstellen." Die Ideologie des "Buy American" gab es seit den 1930er-Jahren zwar schon in unterschiedlichen Ausprägungen. Doch womöglich wird Trump sie nun entschiedener umsetzen als bisher. Da mögen dann noch so viele US-Bürger glauben, die kanadischen Provinzen seien halbamerikanische Anhängsel in der Nähe des Nordpols - für Trump zählt nur: dies- oder jenseits der Grenze.

Dass Trudeau in den anstehenden Verhandlungen mit Trumps Regierung nichts dem Zufall überlassen will, zeigt die jüngste Kabinettsumbildung: Seinen Außenminister Stéphane Dion ersetzte Trudeau durch die bisherige Handelsministerin Chrystia Freeland, die sich schon in den Verhandlungen mit der Europäischen Union zum Freihandelsabkommen Ceta einen Namen gemacht hatte. Freeland ist wohl eher in der Lage, dem angriffslustigen Donald Trump etwas entgegenzusetzen. Darum soll sie sich neben ihrem neuen Amt auch weiterhin um die Wirtschaftsbeziehungen zu den USA kümmern, obwohl diese nun in das Ressort von François-Philippe Champagne fallen, dem neuen Handelsminister.

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