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Kampf gegen die Arbeitslosigkeit:Ein teurer Reparaturbetrieb

Trotz des Job-Booms ist die Zahl der erwerbsfähigen Hartz-IV-Empfänger nur minimal gesunken. Das zeigt: Wer die Arbeitslosigkeit beseitigen will, muss in Bildung investieren.

Wenn Historiker irgendwann auf das vergangene Jahrzehnt Rückschau halten werden, wird 2010 als das Jahr des deutschen Jobwunders in die Geschichte eingehen. Keine andere Nation in Europa hat es geschafft, so gut aus der Krise herauszukommen und einen so stabilen Arbeitsmarkt zu schaffen.

Ein Arbeitsloser zeichnet sich vor dem Logo der Agentur für Arbeit in München ab: Vom Aufschwung am Arbeitsmarkt können viele Langzeitarbeitslose nicht profitieren.

(Foto: AP)

Dennoch gibt es keinen Grund, in Euphorie zu schwelgen, schließlich ist ein entscheidendes Problem bislang ungelöst: Langzeitarbeitslose im Hartz-IV-System haben immer noch große Schwierigkeiten, dauerhaft eine feste Stelle zu finden.

Die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit sind eindeutig: Trotz des Job-Booms hat sich die Zahl der erwerbsfähigen Hartz-IV-Empfänger 2010 um lediglich drei Prozent verringert. Wer nur kurze Zeit auf Jobsuche ist und Arbeitslosengeld I bezieht, hat drei- bis viermal so gute Chancen auf einen neuen Arbeitsplatz.

Dies zeigt: Es gibt nach wie vor eine verfestigte Langzeitarbeitslosigkeit in Deutschland und eine Zweiklassengesellschaft innerhalb der Arbeitslosen: auf der einen Seite die Hartz-IV-Empfänger, häufig schlecht qualifiziert oder ohne erlernten Beruf und mit zusätzlichen Problemen wie Krankheiten und fehlenden Sprachkenntnissen. Auf der anderen Seite die Kurzzeit-Arbeitslosen, mit denen Arbeitsagenturen schnelle Vermittlungserfolge erzielen. Das aber kann sich Deutschland auf Dauer nicht leisten.

Die Jobcenter, die sich um die Hartz-IV-Empfänger kümmern, arbeiten wie ein schlechter und teurer Reparaturbetrieb. Sie stecken Langzeitarbeitslose in Schulungen, lassen sie Bewerbungen trainieren oder schicken sie zu einer Firma, die mit ihnen den Arbeitsalltag in einem Betrieb nachspielt.

Die Ergebnisse dieser Bemühungen sind jedoch dürftig, sieht man einmal davon ab, dass Jobsuchende, die in solchen Maßnahmen stecken, in der Statistik nicht mehr auftauchen. Hinzu kommen die Probleme in der Jobcentern selbst: Viele Mitarbeiter haben dort befristete Stellen. Die Fluktuation ist hoch, die Einarbeitung neuer Kräfte zeitaufwendig - das sind keine guten Voraussetzungen, um anderen zu helfen.

Der erste Ausweg aus der Misere wäre eine Bildungsoffensive. Es wäre sinnvoll, mehr Geld für Sprachunterricht in den Kindergärten, zusätzliche Ganztagsschulen und ein besseres Bildungssystem auszugeben. Dies ist auf jeden Fall effektiver, als oft vergeblich und mit vielen Milliarden an Steuergeld jahrelang in den Jobcentern an Versäumnissen herumzudoktern, die in der Kindheit und Jugend entstanden sind.