Juventus Turin Eine halbe Million Ronaldo-Trikots? So ein Quatsch!

Dieser kleine Junge trägt bereits das Ronaldo-Trikot von Juventus Turin.

(Foto: AFP)
  • Fans haben angeblich 300 000 oder gar 500 000 Ronaldo-Trikots seit seinem Wechsel zu Juventus Turin gekauft.
  • Alles Quatsch: Erstens, weil so viele nicht einmal auf Lager waren. Und zweitens, weil so viele Verkäufe gerade einmal bis Jahresende realistisch sind, so Insider.
Von Uwe Ritzer

300 000, ach was, eine halbe Million Trikots - und das schon am ersten Tag. Euphorie wird gerne in Zahlen gegossen. So ist es auch, seit Fußball-Popstar Cristiano Ronaldo seinen Wechsel von Real Madrid zu Juventus Turin verkündete. Angeblich wurden daraufhin so viele Trikots mit seinem Namen auf dem Rücken in so kurzer Zeit an Fans des italienischen Serienmeisters verkauft wie noch nie zuvor von einem Fußballer. Am Ende, so hieß es gar, werde Juve bestimmt den 120-Millionen-Euro-Deal allein mit dem Geld bezahlen können, das der Verein beim Trikotverkauf verdient.

Alles Quatsch. Gewiss, die Nachfrage nach Ronaldos Juve-Trikot ist enorm. 300 000 oder gar 500 000 Stück konnten jedoch allein deshalb schon nicht an einem Tag verkauft werden, weil so viele nicht auf Lager waren. "Wir lassen auf Hochtouren produzieren", sagt ein Sprecher des fränkischen Sportartikelherstellers Adidas, seit 2015 Ausrüster von Juventus Turin. Zahlen nennt er nicht.

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Dafür bezeichnen Insider die kolportierten Verkaufszahlen als "maßlos übertrieben". 300 000 Ronaldo-Trikots bis Jahresende seien realistisch, sagen sie. Was die Gesamtzahl der verkauften Juve-Trikots in diesem Jahr über die Millionengrenze springen lasse. Zum Vergleich: Bayern München oder Manchester United verkaufen mehr als doppelt so viele.

Bei Adidas dürften sie sich über die Berichte vom angeblichen Ronaldo-Trikot-Hype ins Fäustchen gelacht haben. Schließlich fielen sie zeitlich mit den Finaltagen der Fußball-WM zusammen, wo erstmals keine von Adidas, sondern zwei vom Erzrivalen Nike ausgestattete Teams im Finale standen. Mit Belgien lief nur eine der vier letzten im Turnier verbliebenen Mannschaften in dreigestreiften Trikots auf. Sportlicher Erfolg ist auch für Ausrüster nicht planbar. Auch wenn Ronaldos Wechsel davon ablenkte - geschäftlich hält sich die Euphorie darüber bei Adidas in Grenzen. Zwar werden nun viele zusätzliche Juve-Trikots verkauft, dafür aber fällt das Geschäft mit Ronaldo-Shirts beim anderen Adidas-Verein Real Madrid weg. Und wie dort in der Vergangenheit, darf die Drei-Streifen-Marke auch in Zukunft bei Juve Ronaldo als Werbeträger nur bei offiziellen Anlässen und PR-Terminen der Mannschaft einkleiden, nicht aber individuell. Denn als Einzelspieler ist der Stürmer seit Jahren der globale Fußball-Protagonist von Nike.

Das Trikotgeschäft ist für Top-Vereine und deren Ausrüster eine Goldgrube

Verdient er nun am Verkauf des Trikots mit seinem Namen mit? Definitiv kein Geld erhält er von Adidas. Vertragspartner des Ausrüsters ist ausschließlich Juventus Turin. Ob der Verein Ronaldo am Trikotverkauf partizipieren lässt, ist unbekannt und alleine Sache des Klubs. Sicher ist nur, dass das Trikotgeschäft für die Top-Vereine und deren Ausrüster eine Goldgrube ist.

Beispiel Juve. Knapp 100 Euro zahlt der Fan für ein Replica-Shirt, dessen Herstellung in asiatischen Nähfabriken samt Transport nach Europa weniger als zehn Euro kostet. Marketing und Vertrieb schlagen kalkulatorisch mit etwa fünf Euro zu Buche, hinzu kommt die jeweilige Mehrwertsteuer. Ausrüster Adidas kann mit etwa 17 Euro Rohgewinn rechnen. Der jeweilige Verein, in diesem Fall also Juve, kassiert eine Lizenzgebühr, die zwischen fünf und sieben Euro liegt. Der größte Teil vom Kaufpreis landet in den Kassen des Händlers. Also verdienen der Verein und Adidas ein zweites Mal, so sie das Trikot selbst an den Fan verkaufen. Allerdings haben sie dann auch die entsprechenden Kosten, etwa für Personal, Lager, Räumlichkeiten.

Auch diese Zahlen will ein Adidas-Sprecher weder bestätigen noch dementieren. Auf eine Feststellung jedoch legt er wert: "Kein Verein der Welt kann einen Top-Spieler allein durch Trikotverkäufe finanzieren."

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