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José Manuel Barroso:Ehemaliger EU-Kommissionschef soll Goldman Sachs beim Brexit beraten

European Commission President Barroso attends a press briefing at the European Parliament in Strasbourg

José Manuel Barroso.

(Foto: REUTERS)
  • Der ehemalige EU-Kommissionschef José Manuel Barroso wechselt in den Aufsichtsrat der Investmentbank Goldman Sachs.
  • Dort wird man vor allem auf seine Erfahrungen als Europapolitiker setzen. Nach dem Brexit wollen die Banken wissen: Wie geht es weiter mit der EU?

Wenn ein Mann Erfahrung damit hat, wie die Europäische Union funktioniert, dann wohl José Manuel Barroso. Der Portugiese war nicht nur Premierminister in seinem Land, sondern auch ein ganzes Jahrzehnt lang Präsident der EU-Kommission, bis er im Jahr 2014 von Jean-Claude Juncker abgelöst wurde. Und für seine Kompetenz interessiert sich nun auch eine große Investmentbank: Barroso wechselt als Aufsichtsratsmitglied und Berater zu Goldman Sachs. Genauer gesagt zur größten Tochtergesellschaft der Bank in London. Das teilte Goldman Sachs mit.

"José Manuel bringt bedeutende Innensichten und Erfahrungen mit zu Goldman Sachs", heißt es, "darunter ein tiefes Verständnis von Europa". Aufhorchen lässt vor allem dies: Man freue sich auf die Zusammenarbeit in einer "ökonomisch unsicheren" Zeit.

Was zunächst kompliziert klingt ist ein klares Zeichen: Denn mit der ungewissen Zeit, von der die Investmentbanker reden, ist zweifelsohne gemeint: Die Zeit nach dem Brexit-Votum. Für die Finanzmärkte war das Referendum eines der einschneidendsten Ereignisse der vergangenen Jahrzehnte. Und nun sucht eine große amerikanische Investmentbank offenbar europäischen Sachverstand. Dies deutete Barroso auch in einem Gespräch mit der Financial Times an. Er wolle alles tun, um die "negativen Effekte zu lindern", die es durch das Brexit-Votum gibt, sagte er: Natürlich kenne er das Umfeld Großbritannien gut. "Und wenn meine Beratung in dieser Hinsicht hilfreich sein kann, bin ich natürlich bereit, in dieser Hinsicht mitzuhelfen."

Noch immer sind die Finanzmärkte in Aufruhr

Für den Finanzsektor war das Votum der Briten - gelinde gesagt - überraschend. Die meisten Banken hatten auf die Quoten der Buchmacher vertraut. Die sagten voraus: Die Briten bleiben drin. Doch dann kam alles ganz anders. Und nach den ersten verheerenden Schocks an den Finanzmärkten hat sich die Situation noch immer nicht beruhigt. Nach wie vor leiden die Aktien von Banken, Fluggesellschaften und Export-Unternehmen unter deutlichen Verlusten. Das Britische Pfund ist im Vergleich zum Tag der Brexit-Entscheidung weiter gefallen.

Das hat auch damit zu tun, dass weiterhin unklar ist, was nun überhaupt in Großbritannien und damit in Europa passiert. Wer wird den Austritt des Landes als Premierminister anführen? Wie werden die Verhandlungen mit der Europäischen Union laufen? Und vor allem: Kommt der Brexit überhaupt? Barroso könnte dazu Einschätzungen und Kontakte zu hochrangingen EU-Politikern liefern - und wäre damit für Goldman Sachs bares Geld wert.

© SZ.de/jps/hgn
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