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Jordan Belfort:Viel wichtiger, als was man sage, sei das Wie

Nur, dass es heute keine Aktien sind, mit denen er Geld verdient, sondern Träume vom Reichtum. Als Motivationsredner und Verkaufstrainer reist Belfort um die Welt. Er spricht vor Privatleuten und vor Topmanagern. 100 000 Dollar berechne er dafür am Tag, "und die zahlen sie ständig", sagt Belfort. Warum? "Weil ich so gut bin."

Zumindest an diesem Abend ist niemand zu finden, der Belfort vorwerfen würde, dass er Geld scheffelt mit seiner kriminellen Vergangenheit. Im Gegenteil, es sei doch faszinierend, dass er nach seiner schwersten Niederlage wieder aufgestanden sei. So sieht man das hier: Wer wegen Betrugs in Haft kommt, der hat eine Niederlage erlitten - nicht moralisch, sondern finanziell. Stark, wenn er danach wieder zu Geld kommt.

Denn das Geldverdienen, das Verkaufen gilt an diesem Abend als etwas durch und durch Moralisches, als ein Wert an sich. Für Belfort ist das ganze Leben eine einzige Verkaufsveranstaltung. "Ob ich im Beruf Geld verdienen will, ob ich meinen Kindern etwas beibringen will oder ob ich meiner Frau ein guter Ehemann sein will - entweder ich verkaufe oder ich verliere."

Auf seinem zweiten Weg zum Reichtum helfen seine Fans Belfort bereitwillig. Mindestens 100 Euro kostet ein Ticket für den Abend. Oder bis zu 1600 Euro, dafür liegen dann aber auch eine traurige Brezel und eine Banane unter Zellophanfolie am Platz bereit. Und nach dem Vortrag gibt es die Chance, Belfort für exakt 50 Minuten auf einem Empfang zu erleben.

Nichts als die üblichen Floskeln aus Motivationsbüchlein

In seinen Verkaufstrainings predigt Belfort, dass es höchstens zu zehn Prozent darum gehe, was man sage. Entscheidend sei allein das Wie. Wie genau er sich selbst an diese Regel hält, ist erstaunlich. Denn wenn all die fleißig mitschreibenden Zuhörer später am Abend noch einmal in ihre Kladden schauen, werden sie dort nichts finden als die üblichen Floskeln aus jedem Motivationsbüchlein: Dein Wille entscheidet. Du bist Herr deiner Welt, nicht Knecht der Umstände. Behalte dein Ziel im Auge. Es gibt unter den Menschen Enten und Adler. Die Enten quaken Ausreden daher, die Adler packen zu. Und ja, natürlich sind heute nur Adler im Saal, denn Enten würden sich das nie trauen. Das Publikum tobt.

Einer, der am lautesten jubelt, ist Thomas aus Wiesbaden. Seinen vollen Namen will er nicht nennen, die Leute sind so schnell neidisch. Mit seiner ganzen Mannschaft von vier Versicherungsmaklern sitzt er auf den guten Plätzen - denen mit Banane und Brezel. Das Ganze ist eine "Maßnahme zum Teambuilding und zur Belohnung, das letzte Quartal ist sauber gelaufen", erklärt er. Dass es Thomas wichtig ist, ein Team zu formen, ist leicht zu erkennen. Geradezu unheimlich ähnlich sehen die Männer sich mit ihren akkurat ausrasierten Bärtchen, dem gesunden Teint und dem Firmenlogo auf dem weißen Hemdkragen. Die fünf Männer haben einen guten Abend, sie lachen, sie johlen und schlagen sich auf die Schulter. So geht es über drei Stunden, zumindest auf den teuren Plätzen, weiter hinten sitzen die Stillen, die Studenten, die Hausfrauen, die Rentner.

Sicherlich wäre nur ein Bruchteil der etwa 2400 Besucher gekommen, hätte es den Hollywood-Film nicht gegeben. Zwei Millionen Dollar soll Belfort für die Rechte kassiert haben. Und vielleicht ist das die größte Meisterleistung des Verkäufers Jordan Belfort: dass er es geschafft hat, Martin Scorsese und Leonardo DiCaprio Werbung für sich machen zu lassen und dafür auch noch Geld zu bekommen.

© SZ vom 30.10.2014
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