Großbritannien:Johnsons gescheiterter Brückenschlag

Lesezeit: 2 min

Utopia Challenged.  Sweden's Relationship With Refugees

Die Öresundbrücke verbindet Dänemark und Schweden. Der Traum von Boris Johnson war eine ähnliche Brücke zwischen Schottland und Nordirland.

(Foto: David Ramos/Getty Images)

Der britische Premier wollte eine Brücke von Schottland nach Nordirland bauen lassen. Sie sollte ein Symbol für den Zusammenhalt des Vereinigten Königreichs sein. Doch daraus wird nichts.

Von Alexander Mühlauer, London

Man tritt Boris Johnson sicher nicht zu nahe, wenn man behauptet, dass er nur allzu gern ein Bauwerk hinterlassen würde, das in die Geschichte eingeht. Schon in seiner Zeit als Londoner Bürgermeister hatte er Pläne für einen neuen Flughafen an der Themse, und als britischer Außenminister brachte er eine Brücke über den Ärmelkanal ins Spiel. Aus beidem wurde bekanntermaßen nichts. Nun, da Johnson als Premierminister in 10 Downing Street regiert, steht ein weiteres Projekt vor dem Aus: die Boris Bridge.

Boris Bridge, so hatte die Yellow Press Johnsons Vorhaben genannt, eine Brücke zwischen Schottland und Nordirland errichten zu lassen. Doch nun berichtete der Daily Telegraph, dass Johnson diesen Traum aufgeben muss. Eine von ihm beauftragte Untersuchungskommission sei zu dem Ergebnis gekommen, dass ein solches Vorhaben zu teuer und technisch zu anspruchsvoll wäre. "Das heißt nicht, dass es nicht irgendwann in der Zukunft machbar sein wird, aber im Moment wäre es sehr, sehr schwierig", zitierte die Zeitung eine anonyme Quelle aus der Regierung.

Eine Brücke zwischen Schottland und Nordirland wäre nicht irgendeine Brücke gewesen, sondern ein Bauwerk, das symbolhaft für den Zusammenhalt des Vereinigten Königreichs steht. Der Gedanke an sich ist durchaus begrüßenswert, ist die Einheit der Union seit dem Brexit doch immer zerbrechlicher geworden. Ob Johnson wirklich daran glaubte, mit einer Brücke die Unabhängigkeitsbestrebungen in Schottland und auf der irischen Insel eindämmen zu können, ist nicht überliefert. Fest steht nur, dass der Premier das Vorhaben noch im September als "ehrgeiziges Ziel" bezeichnete, das allerdings nicht "die höchste Prioriät" habe. Es ist anzunehmen, dass er da schon wusste, wie das Ergebnis der Machbarkeitsstudie ausfallen würde.

Johnsons Ex-Berater bezeichnete die Idee seines Chefs als "dümmsten Tunnel der Welt"

Laut Telegraph gibt es bei dem Vorhaben gleich mehrere technische Probleme. Zum einen sei die Irische See sehr tief, so dass es äußerst schwierig wäre, Brückenpfeiler im Meeresboden zu befestigen. Zum anderen sei das Gebiet im Zweiten Weltkrieg als Offshore-Munitionslager genutzt worden. Und dann ist da noch das Wetter. Wegen den starken Stürmen, die über die Irische See fegen, hätte die 45 Kilometer lange Brücke wohl des Öfteren geschlossen werden müssen.

In der von Johnson beauftragten Untersuchung wurde deshalb auch ein Tunnel für Autos oder Züge geprüft, obwohl Johnsons ehemaliger Chefberater Dominic Cummings die Idee mal als "dümmsten Tunnel der Welt" bezeichnet hatte. Nun wurde auch diese Idee verworfen: Technisch kaum zu machen - und überhaupt viel zu teuer.

Johnson hatte vor drei Jahren zum ersten Mal über eine Verkehrsverbindung zwischen Schottland und Nordirland gesprochen. Und seitdem immer wieder. Das britische Finanzministerium war von Anfang an skeptisch. Die Kosten von mehreren Milliarden Pfund seien sehr schwer abzuschätzen, hieß es hinter vorgehaltener Hand. Als der Schatzkanzler im Oktober den Bericht über die geplanten Ausgaben der kommenden drei Jahre vorlegte, tauchte Johnsons Idee nicht auf.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB